Wie oft muss man aufräumen?

Nützliche Regeln beim Aufräumen

Mit ein paar Regeln fällt das Aufräumen viel leichter.

©Pexels/Markus Spiske

Wie oft aufräumen?

Man kann jeden Abend vor dem Abendessen kurz absprechen, welche Spielsachen weg geräumt werden sollen und welche zum Weiterspielen stehen bleiben dürfen. Am Wochenende wird dann einmal komplett aufgeräumt damit der Staubsauger zum Einsatz kommen kann – bis dahin wird eben drum herum gesaugt.

Wird das Kind zum Schulkind, ändern sich jedoch die Voraussetzungen: Nach den Schulaufgaben, dem Lesenüben, Fußball, Ballett oder anderen Aktivitäten ist oft nur noch wenig Zeit zum Spielen. Da kann das Aufräumen schon mal aufs Wochenende verschoben werden. Doch ist das Chaos bis dahin zu groß, ist die Motivation am Wochenende entsprechend gering. Darum helfen diese kleine Regeln zur täglichen Anwendung.

Wie konsequent seid ihr als Eltern?

Die 3 Minuten Regel

Eine Eieruhr wird auf 3 Minuten gestellt und es soll alles aufgeräumt werden was man in diesen 3 Minuten schafft – anfangs vielleicht unter den wachsamen Augen eines Elternteils.

Die 10 Dinge-Regel

10 Spielzeuge werden an ihren Platz zurück gelegt – egal was es ist. Vielleicht sind es nur 10 Legosteine – aber oft packt Kinder dann der Ehrgeiz und sie räumen gleich noch ein paar mehr Dinge weg. Oder es sind 10 große Dinge wie Spielzeugautos, Ritterburg, Bauklötze, … und das Kind erkennt mit wie wenig Aufwand man schon ein sehr viel ordentlicheres Zimmer hat.

Der Rest des Hauses

Meine Jüngste hat auch mit 7 Jahren noch die Angewohnheit, Dinge, die sie nicht mehr interessieren einfach dort fallen zu lassen wo sie gerade steht. Da hilft leider alles Reden und Erziehen nichts. Ich könnte den ganzen Tag hinter ihr her räumen und ich höre Ähnliches von anderen Eltern über ihre Kinder. Dieser Trick hilft inzwischen: Jedes Kind bekommt einen Korb (Kiste, Schuhkarton – was auch immer) in die Hand gedrückt und soll im Haus nach seinen eigenen Sachen suchen, diese einsammelt und an ihren Ursprungsort zurück bringen. Danach gehen die Eltern mit einem Korb durch die Räume und schauen nach Dingen, die übersehen wurden. Diese Dinge werden dann entweder für einige Zeit „aus dem Verkehr gezogen“ oder verschenkt bzw. entsorgt. Nach ein bis zwei Probedurchläufen haben meine Kinder regelrechte Adleraugen entwickelt und übersehen kaum noch etwas.

Noch ein kleiner allgemeiner Hinweis, denn auch Eltern sind manchmal betriebsblind: Es macht wenig Sinn, die Kinder zu mehr Ordnung im Haus anzuhalten, wenn man selbst 2 volle Wäschekörbe, einen Schreibtisch mit Papier- und Zeitungsstapeln, eine Chipstüte auf dem Wohnzimmertisch, einen Turm aus leeren Getränkekisten auf dem Balkon und in der Küche schmutziges Geschirr stehen hat … oder so ähnlich.

Sollen Eltern für ihre Kinder aufräumen?

Bei Babys und Kleinkindern gibt es wohl keine Wahl beim Aufräumen. Aber ab dem Vorschulalter müssen Kinder lernen, Verantwortung für ihre Handlungen zu übernehmen. Daher fällt diese Tätigkeit eindeutig in deren Arbeitsbereich. Helfen ist aber erlaubt und oft auch nötig.

Es ist auch unabdingbar, dass Eltern von Zeit zu Zeit gemeinsam mit dem Kind die Schubladen und Spielkisten durchsehen und Dinge richtig einsortieren, damit verloren gegangenes wiedergefunden werden kann.

Auch das Aussortieren gehört zum Aufräumen dazu:

  • Kaputte Spielsachen müssen entweder repariert oder entsorgt werden
  • Müll (und den gibt es immer) muss weg geschmissen werden
  • Dinge, mit denen nicht mehr gespielt wird, kommen in eine Kiste und werden für später bzw. für jüngere Geschwister weg gestellt oder für den Flohmarkt eingeplant
  • gemalte Bilder werden sortiert und nur die Besten behalten (achte darauf dass Dein Kind mit in der Auswahl-Juri ist!) und z.B. an Oma und Opa verschenkt

Respektiere immer die Besitzrechte Deines Kindes und sprich alles mit ihm ab. Manchmal braucht es vielleicht ein bisschen Überredungskunst denn Kinder müssen eben erst lernen, auch loszulassen und „ihren Haushalt“ übersichtlich zu halten.
Rabiate Methoden wie heimliches Entsorgen von Dingen während die Kinder in der Schule sind, führen zu Verlustangst und noch stärkerem Festhalten am Hab und Gut.

Von Zeit zu Zeit erlaube ich mir übrigens, meinen Kindern einfach eine Freude zu machen und ihre Zimmer in Ordnung zu bringen. Eine kleine Geste die sicher auf die eine oder andere Weise zu mir zurück kommen wird.

Sollen Spielkameraden aufräumen?

Ich fand es früher etwas kleinkarriert und kein schönes Ende für einen Spielnachmittag, wenn Eltern beim Abholen noch das Aufräumen einforderten.

Doch nachdem einige Gastkinder so ziemlich jedes Spielzeug unseres Hauses aus den Kisten gezerrt hatten und dann am Abend unbekümmert von ihren Müttern aus dem Zimmer geleitet und in ihr ordentliches Zuhause befördert wurden (während ich noch eine Stunde später auf Knien durch das Kinderzimmer rutschte) sehe ich das anders.

Zusammen gespielt, zusammen aufgeräumt!
Und mit den gut markierten Kisten ist es auch einem Gastkind zuzumuten, alles wieder richtig mit einzusortieren.

Jedoch muss nur so viel Ordnung wieder hergestellt werden, wie beim Eintreffen des Gastes vorgefunden wurde – das versteht sich von selbst.

Vermeidung von unnötiger Unordnung

Es gibt Dinge, die braucht kein Mensch, die standen auf keinem Wunschzettel, sie erzeugen nur Müll und haben schon bei der Herstellung der Umwelt geschadet … ich rede vom Inhalt der Überraschungseier, Beigaben beim Fast Food-Menü, Heftbeigaben bei Kinderzeitschriften usw. Plastikmüll mit dem kaum ein Kind länger als 3 Minuten spielt, der dafür dann aber oft jahrelang durch die verschiedenen Ecken des Zimmers rotiert. Entweder man schafft extra dafür eine kleine „Schatzkiste“ an, in der diese Dinge verschwinden oder man verbannt sie von jeher aus dem Haus indem man bei den Kindern schon früh die Nachteile solcher Beigaben und deren Herstellung bzw. Entsorgung erklärt und die Annahme solcher Dinge verweigert.

Und dann gibt es noch die „Playmobil-Kleinteile“ – wer hat sich die nur ausgedacht? Mit Ausnahme der Schwerter, Kronen und Äxte kamen die bei uns nie wirklich zum Einsatz, lagen aber gern in Form von klitzekleinen Blümchen, Armreifen, Tassen, … auf dem Boden und erschwerten mir das sonst so herrlich stumpfsinnige Staubsaugen. Inzwischen befinden sich alle unbenötigten Kleinteile in einem gut verschlossenen Gefrierbeutel auf dem obersten Regalbrett im Kinderzimmer.

Teenager

Der Tag wird kommen wo Dein Kind sich weigert, sein Zimmer Deinen Vorstellungen anzupassen.

Das klingt dann in etwa so: „Das ist mein Zimmer und das kann so aussehen wie ICH will!“ Die klassische Antwort darauf ist „… solange Du Deine Füße unter meinen Tisch stellst…“ den Rest kennen wir. Werden da etwa Erinnerungen wach?

Richte Dich im schlimmsten Fall auf wadenhohe Berge von getragener Kleidung (mehrfach am Tag umgezogen) ein und auf Teller mit Essensresten neben dem Computer, auf dem Boden, unterm Bett, … Du wirst Dir die Lego-Zeit zurück wünschen!

Vereinbare in einem ruhigen Gespräch eine klare Regel: „Schmutzwäsche in den Wäschekorb, keine Essensreste oder schmutziges Geschirr im Zimmer und 1 Mal die Woche selbst durchsaugen, dann ist mir der Rest egal und ich meckere auch nicht.“

Das ist ein Kompromiss auf den sich die meisten Teenager einlassen können – was tut man in dem Alter nicht alles für ein bisschen Ruhe vor den Eltern!

Verbeiß Dich nicht am Ordnungsthema! Irgendwann ist jeder für seinen eigenen Haushalt verantwortlich und nach meiner Erfahrung (mit mir selbst, meinen jüngeren Geschwistern und meiner ältesten Tochter) folgt auf eine schlimme Chaosphase eine gewisse Ordnungsliebe die Du dann als Resultat Deiner jahrelangen Erziehungsbemühungen verbuchen darfst.

Es war eben doch nicht alles Reden umsonst!