Schulkinder: Schreiben lernen

Aus diesem Grund ist Schreiben lernen so schwierig

Man nehme einen Stift und ein Blatt Papier und fabriziere ein paar schwungvolle Kurven, Striche, Punkte und Symbole und schon kann man schreiben – oder? Für unsere Kinder sieht es zunächst genau so aus und auch wir Eltern halten den Schreibprozess zunächst für simpel und leicht zu erlernen. Doch dann kommen unsere Kinder in die Schule.

Kind malt mit Buntstiften
©Unsplash/Aaron Burden

Als unsere Kinder sprechen lernten, bedurfte es keiner besonderen Anstrengung ihnen Wörter beizubringen. Sie schnappten hier etwas auf und dort, manchmal auch leider das Falsche aber es passierte alles nebenher und wir waren vielleicht manchmal erstaunt wie schnell sie ihre Wünsche und Forderungen zunächst in Lauten, Silben, Wörtern und schließlich ganzen Sätzen Ausdruck verliehen.

Das Sprechenlernen ist ein natürlicher Prozess, von der Natur gewollt und im Gehirn mit einem entsprechenden Bereich vorgesehen. Ganz anders ist es beim Schreiben: Schreiben ist kein natürlicher Vorgang und daher um einiges komplexer als das Sprechen. Es sind mehrere verschiedene Gehirnregionen beteiligt, die mit einander verknüpft und koordiniert werden müssen. Dieser Artikel soll einen kleinen Einblick in die Abläufe geben, Tipps für die Überwindung von Schreibproblemen geben und Sie auf die Sensibilität des Themas hinweisen. Denn der Beginn des Schreibens sollte so wenig wie möglich gestört werden, um langfristige Schreibschwierigkeiten zu vermeiden.

Was müssen Kinder alles lernen?

Die meisten Kinder können zum Zeitpunkt der Einschulung zumindest ihren Namen schreiben. Dabei ist es oft mehr das Nachahmen von eingeübten Linien, denen nur ein geringes Buchstabenverständnis voraus geht. In einigen Bundesländern ist allerdings durch Vorschulprogramme die sichere Kenntnis der Buchstaben eine Voraussetzung für die Einschulung. Daraus leitet sich jedoch nicht automatisch eine Lese- oder Schreibfähigkeit ab.

Buchstaben lernen

Zunächst wird in der ersten Klasse das Alphabet mit all seinen Buchstaben vermittelt. Die Reihenfolge der Buchstaben ergibt sich dabei meist aus dem verwendeten Lernprogramm der Lese-Fibel. Zum Alphabet hinzu kommen noch Umlaute, Buchstabenkombinationen wie „sch“, „st“ „eu“, „ei“, „äu“ usw. und das „ß“. Erste Satzzeichen wie Fragezeichen und Punkt werden eingesetzt.

Sehr bald stoßen die kleinen ABC-Schützen schon auf erste Ungereimtheiten: Der gleiche Buchstabe kann ganz unterschiedlich ausgesprochen werden! So wird z.B. das Wort „Stein“ im Hochdeutschen mit dem Laut „Sch“ am Anfang gesprochen, jedoch nur mit „S“ geschrieben. Ein Vokal wie das „a“ kann kurz gesprochen werden (z.B. Apfel) oder lang (Ameise). Und manchmal gibt es doppelte Buchstaben die die Aussprache von Vokalen verändern (nass) oder ein „h“ sorgt für lang ausgesprochene Vokale (fahren), ganz zu schweigen von den doppelten Vokalen (Haar) – aber „Nase“ wiederum wird ohne „H“ oder „AA“ geschrieben. Besonders das „e“ ist nicht immer leicht zu erkennen und was beim Lesen – welches mit dem Schreiben einher geht – schon Probleme bereitet, ist beim freien Schreiben erst recht unklar. Dieses komplexe Wissen wird in der Schule über viele Jahre hinweg vermittelt, aber in der ersten Klasse darf mit Buchstaben noch experimentiert werden.

Buchstaben, Laute, Silben, Wörter und Sätze

Nächstes Problem: Wo fängt ein Wort an und wo endet es? „Omakommtunsbesuchen“ ist für Kinder zunächst frei von Wortunterteilungen. Unsere Schriftsprache besteht aus Sätzen, die aus Wörtern bestehen, die aus Silben bestehen, die aus Lauten bestehen, die wiederum aus Buchstaben bestehen. Wer das noch nicht gelernt hat, erkennt diese Unterteilungen nicht. Einzelne Wörter im Satz herauszufinden, beim Schreiben von einander zu trennen und dabei keinen Laut zu vergessen oder hinzuzudichten – das ist schon eine Kunst für sich. Und warum schreibt man Wörter mal groß, mal klein? Obendrein gibt es in vielen Gegenden Deutschlands auch noch gesprochene Dialekte, die deutlich von der hochdeutschen Schriftsprache abweichen und z.B. das „t“ wie ein „d“ klingen lassen.