Kinderfüße und Schuhkauf

Die richtige Schuhgröße für Kinder finden

Stehst Du schon in den Startlöchern für den ersten Schuhkauf? Dann solltest Du Dich nicht allein auf die Beratung im Schuhladen verlassen, sondern vorab genau informieren, was für Babyfüße nun gut und wichtig ist, denn der falsche Schuh hat nicht nur im Märchen unschöne Folgen.

©Unsplash/Markus Spiske

Was man über Kinderfüße wissen sollte:

  • Kinderfüße sind weicher und biegsamer als die von Erwachsenen. Die Fußknochen sind noch weich und knorpelig (erst nach und nach verknöchern sie innerhalb der ersten 16 Jahre) und passen somit auch in zu kleine Schuhe, was dann aber zu Verformungen der Füße führt.
  • Kinderfüße sind noch nicht in der Lage, exakt zu spüren, ob ein Schuh passt oder ob er drückt und zu klein ist. Das Nervensystem ist im Fuß noch nicht so empfindlich und muss sich erst entwickeln.
  • Beim Gehn tragen die Füße das 2-fache des Körpergewichts, beim Laufen das 4-fache und beim springen sogar das 10-fache. Die Fußmuskulatur muss kräftig sein, sie wird durch stehen, laufen, hüpfen, springen, … trainiert.
  • Barfußlaufen ist für Kinderfüße das Gesündeste, die Füße und Zehen können sich dabei am Besten bewegen und entwickeln.
  • 98% aller Menschen kommen mit gesunden Füßen auf die Welt, nur 40% von ihnen haben noch gesunde Füße, wenn sie erwachsen sind! Der Grund: Schuhe, die nicht passen!

Allgemein:

  • Schuhe, die nicht passen, können zu eng, zu kurz oder zu niedrig sein.
  • Schuhe braucht Dein Kind erst, wenn es sicher frei laufen kann und erste Ausflüge zu Fuß im Freien unternimmt. Richte Dich darauf ein, dass Dein Kind zunächst nicht begeistert ist, wenn Du ihm Schuhe anziehen. Übe es ein paar Mal, die Schuhe für wenige Minuten anzuziehen, bevor Du es damit Laufen lässt.

Neue oder gebrauchte Schuhe?

Gerade die ersten Schuhe werden nur kurz getragen und nutzen sich meist kaum ab. Wenn die Schuhsohle im Bereich der Ferse nicht einseitig abgetragen ist, können die Schuhe unbedenklich an andere Kinder weitergegeben werden.

Schuhgröße:

In den meisten Schuhgeschäften wird der Fuß mit einem Messgerät ausgemessen. Die Skala zeigt dabei „WMS“ (Weit-Mittel-Schmal) an, d.h. die Weite des Schuhs wird zusätzlich zur Länge ermittelt. Was viele Eltern nicht wissen, ist, dass diese Angabe eine Norm ist, die nicht von allen Schuhherstellern beachtet wird. Und auch wenn eine Firma sich an dieser Norm orientiert, ist das noch kein Hinweis darauf, dass diese Schuhe immer besonders empfehlenswert sind.

  • Vergewissere Dich beim Verkaufspersonal, dass die ermittelte Schuhgröße auch auf das ausgesuchte Modell anwendbar ist!

Von 100 Kinderschuhen der Größe 24 können bis zu 50 zu klein oder zu groß geschnitten sein!

Das Material des Schuhs:

  • Finger weg von Schuhen, die hauptsächlich modisch sind, jedoch wenig Freiheit für den Fuß lassen! Auch wenn ein Schuh noch so niedlich ist, lass die Vernunft entscheiden, die Füße Deines Kindes werden es Dir danken.
  • Ein Schuh muss alle Bewegungen mitmachen, prüfe daher, ob der Schuh sich biegen und verdrehen lässt.
  • Das Material muss weich und geschmeidig sein. Das Außenmaterial muss feuchtigkeitsabweisend und evtl. wasserdicht sein. Hochwertiges Leder und auch Gore-Tex-Material ist OK, nicht geeignet sind Gummistiefel und Lackschuhe (diese höchstens nur kurz tragen).
  • Die Lebensdauer eines Schuhs steht im Hintergrund, da der Schuh ohnehin nur wenige Monate passt. Und noch etwas: Der Schuh sollte leicht sein, damit das Kind beim Laufen nicht so schnell ermüdet.

Schuhkauf

Erwachsene könnenoft beim Schuhkauf Geld sparen, wenn sie online kaufen, jedoch ist bei Kindern das Anprobieren des Schuhs aus oben genannten Gründen unerlässlich. Zu unterschiedlich fallen die Größen der Hersteller aus. Mit welchen Tricks Du bei der Anprobe den richtigen und perfekt passenden Schuh findest, erfährst Du auf den folgenden Seiten.

Mit Pappschablone

Um ganz sicher zu gehen, dass ein Schuh passt, solltest Du vor dem Schuhkauf eine Pappschablone vom Fuß Deines Kindes anfertigen: Stelle Dein Kind in Socken und möglichst am Nachmittag (weil der Fuß da möglicherweise größer ist) auf ein Stück Pappe und zeichne den Umriss des Fußes. An der Stelle des längsten Zehs (und das muss nicht immer der „große“ Zeh sein!) und des kürzesten Zehs, gib 12mm hinzu und verbinde die Endpunkte (kleiner Zeh mit 12mm-Zugabepunkt und großer Zeh mit 12mm-Zugabepunkt).

Wichtig: Mache das mit beiden Füßen, denn es könnte ein Fuß größer sein als der andere.

Schneide die Schablone aus und nimm sie zum Schuhkauf mit. Beim Schuhkauf steckst Du die Schablone in den Schuh hinein: Lässt sie sich leicht hineinlegen und ist dabei nicht zu klein, passen die Schuhe in der Länge optimal. Dennoch kann die Schablone nicht das Anprobieren durch das Kind ersetzen: Ist die Höhe des Schuhs ausreichend, hat die Ferse Halt.

Mit Daumenprobe:

Trägt Dein Kind einen Schuh, so stelle es hin und drücke mit dem Daumen auf den vorderen Teil des Schuhs. Passt ein Daumen zwischen den längsten Zeh und die Schuhspitze, dann passt der Schuh (noch). Mach auch dies wieder bei beiden Füßen/Schuhen. Wichtig: Viele Kleinkinder ziehen die Zehen bei der Anprobe ein. Deshalb sollte sie immer eine Weile mit den Schuhen herumlaufen, da sich die Zehen dann automatisch entkrampfen. Stelle sicher, dass die Zehen während der Daumenprobe nicht gebeugt sind, indem Du mit einem Finger etwas auf die Zehen drückst.

Die Weite prüfen:

Überprüfe bei angezogenem Schuh, an der breitesten Stelle, ob sich das Obermaterial noch ein wenig abheben lässt.
Übrigens: Bei sehr kleinen Schuhgrößen sind die meisten Fußmessgeräte leider nicht in der Lage, die Weite des Schuhs zu ermitteln – schade!

Die Höhe prüfen:

Schiebe den Daumen in die Schuhspitze. Wenn er bequem hineinpasst und das Material weich genug ist, ist auch für die Zehen in der Höhe genug Platz, um Spiel zu haben (Die richtige Breite für die Zehen wird mit der oben erwähnten Pappschablone überprüft).

Die Ferse beachten:

Besonders wichtig ist die Einfassung der Ferse. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt für die Entwicklung des ganzen Fußes. Daher sollte der Fuß an der Ferse gut sitzen.

Schuhband oder Klettverschluss?

Am besten sind Schnürschuhe, damit der Mittelfuß genügend Halt bekommt.

Mit oder ohne Fußbett?

Verzichte auf Schuhe mit einem „Fußbett“, diese Berg- und Tal-Landschaften verformen den Fuß Deines Kindes unnatürlich. Kinderfüße brauchen diese Polster und Wachstumslenkungen nicht! Je unspektakulärer die Einlagesohle, desto besser für die Füße des Kindes.

Passt der Schuh noch?

Du solltest die Schuhgröße Deines Kindes regelmäßig überprüfen:

Alter des Kindes Überprüfung
1 – 3 Jahre: alle 2 Monate
3 – 4 Jahre: alle 4 Monate
4 – 6 Jahre: alle 6 Monate

Auch hier ist eine aktuell angefertigte Pappschablone hilfreich.
Eine andere Möglichkeit gibt es, wenn sich die Einlegesohle des Schuhs herausnehmen lässt: Nimm  die Sohle aus dem Schuh und stelle Dein Kind mit dem Fuß darauf. Markiere evtl. die Fußlänge und beobachte anhand der Markierung das Wachstum der Füße über einen Zeitraum bzw. beachte die Restlänge der Einlagesohle als Entscheidungshilfe, ob der Schuh noch passt.