Wie Babys sprechen lernen

Sprachentwicklung

Dein Kind wird stufenweise lernen, Wörter zu benutzen, um zu beschreiben, was es sieht, fühlt und denkt, während es sich geistig und emotional entwickelt. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Babys schon lange bevor sie ihr erstes Wort sagen, Spracheregeln und die Art wie Sprache zum Kommunizieren verwendet wird, erlernen.

Kind hält eine Schüssel Erdbeeren in der Hand
©Pixabay/Kathrin Pie

Wann ein Kind sprechen lernt

Kinder erlernen die Fähigkeit des Sprechens in den ersten zwei Lebensjahren. Ein Baby beginnt seine Zunge, seine Lippen, seinen Gaumen und jeden erscheinenden Zahn zu benutzen, um damit Geräusche zu machen: Ooh und ahhs in den ersten beiden Monaten, Brabbeln in den dann folgenden paar Monaten. Schnell werden aus den Tönen echte Wörter („mama“, und „baba“ kommen dabei manchmal schon mit vier bis fünf Monaten heraus). Von da an fängt Dein Kind an, sich Wörter zu merken, die es von Dir, Deinem Partner und jedem anderen Menschen in der Umgebung hört. Zwischen dem ersten und dem zweiten Lebensjahr beginnt es Zwei- und Drei-Wortsätze zu bilden.

Wie sich das Sprechen entwickelt

Genau genommen ist das erste Jammern nach der Geburt bereits der erste Schritt in die Welt der Sprache. Es drückt damit den Schock aus, den es empfindet, wenn es plötzlich aus der warmen, behaglichen Umgebung im Bauch der Mutter gelangt und sich statt dessen an einem neuen und vergleichsweise ungemütlichen Ort wieder findet. Von da an bringt es Geräusche, Töne und Wörter heraus, die später sein Sprechen formen. Sprechen ist untrennbar verbunden mit dem Hören. Durch „zuhören wie andere Menschen sprechen“, erfährt Dein Baby wie Wörter klingen und wie Sätze konstruiert sind. Tatsächlich glauben viele Wissenschaftler, dass das Verstehen von Sprache bereits beginnt, während das Baby noch im Uterus ist. Genau so, wie Dein Baby sich an das Geräusch Deines Herzschlags gewöhnt, gewöhnt es sich auch an den Klang Deiner Stimme. Schon wenige Tage nach der Geburt ist es in der Lage, Deine Stimme von den anderen zu unterscheiden.

1 bis 3 Monate

Die erste Kommunikationsform Ihres Babys ist „Schreien“. Ein durchdringendes Schreien bedeutet möglicherweise, dass es Hunger hat, während ein Wimmern vielleicht bedeutet, dass die Windel gewechselt werden soll. Mit dem Älter werden entwickelt es ein köstliches Repertoire von Gurgeln, Seufzen, Schnalzen gleich einer „Geräuschfabrik“. In Bezug auf das Verstehen von Sprache, meinen Sprachwissenschaftler, dass vier Wochen alte Babys bereits Silben wie „ma“ und „na“ unterschieden können.

4 Monate

In diesem Alter fängt Dein Kind vermutlich an zu brabbeln und Konsonanten mit Vokalen zu kombinieren. Das erste „Mama“ oder „Baba“ entfährt ihm jetzt und wenngleich es Dein Herz zum Schmelzen bringt, verbindet Dein Baby diese Laute vermutlich noch nicht mit Deiner Person. Das kommt erst später, wenn es ca. 1 Jahr alt ist. Die Versuche Deines Babys, zu sprechen, klingen vielleicht wie ein unkontrollierter Monolog in einer anderen Sprache mit endlos verbundenen Wörtern. Das Artikulieren ist ein Spiel für Dein Baby. Es experimentiert mit Zunge, Zähnen, Gaumen und Stimmumfang, um alle möglichen lustigen Geräusche zu machen. Das Brabbeln klingt auch noch immer gleich, egal ob Du englisch, französisch oder japanisch sprichst … . Du bemerkst vielleicht, dass Dein Baby einige bestimmte Klänge favorisiert (z.B.„ka“ oder „da“) und sie immer und immer wieder wiederholt weil es mag wie es klingt und wie es sich dabei im Mund anfühlt.

6 bis 9 Monate

Das Gebrabbel klingt nun, als würde es Sinn ergeben. Das liegt daran, dass es Deine Töne und Betonung nachahmt. Fördere das, indem Du ihm vorliest.

12 bis 17 Monate

Es benutzt nun ein oder mehr Wörter und versteht deren Bedeutung. Es probiert Betonungen aus, indem es z.B. die Stimme anhebt, wenn es etwas fragt. Es realisiert die Wichtigkeit des Sprechens und wie Vorteilhaft es ist, seine Bedürfnisse durch Kommunikation mitzuteilen.

18 bis 24 Monate

Sein Vokabular umfasst jetzt ungefähr 200 Wörter, die meisten sind Nomen. Zwischen 18 und 20 Monaten lernen Kinder oft 10 oder mehr Wörter am Tag. Manche lernen alle 90 Minuten ein neues Wort – also achte auf Deine Ausdrücke! Jetzt werden außerdem Zwei-Wort-Sätze gebildet, wie z.B. „komm her“. Mit etwa zwei Jahren wird es Drei-Wort-Sätze bilden und einfache Melodien singen. Das Verständnis für die eigene Person entwickelt sich und es wird beginnen, von sich selbst zu sprechen – was es mag und was nicht und was es denkt und fühlt. Fürwörter verwirren es dabei jedoch und Du wirst beobachten, dass es sie vermeidet und z.B. „Ball werfen“ sagt, anstelle von „ich werfe“.

25 bis 36 Monate

Es kämpft jetzt vielleicht mit sich, um das richtige Maß beim Sprechen zu finden, wird es aber schnell erlernen. Es beginnt nun auch die Anwendung der Fürwörter zu beherrschen, wie z.B. ich, mich, und du. Zwischen zwei und drei Jahren erweitert sich sein Vokabular auf 300 Wörter, es verwendet Nomen und Verben miteinander um komplette einfach Sätze zu bilden wie z.B. „Ich spiele Ball“. Mit etwa 3 Jahren wird Dein Kind zu einem anspruchsvolleren Redner: Es ist in der Lage, eine längere Unterhaltung zu führen, seine Tonlage und Wortwahl anzupassen. Zum Beispiel wird es einfachere Vokabeln verwenden, wenn es sich mit einem anderen Kind unterhält, jedoch mehr formulieren, wenn es mit Dir spricht. Außerdem spricht es verständlich, sagt seinen Namen und sein Alter.

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Wie geht es weiter?

Wenn Dein Kind größer wird, wirst Du Dich kaum an die Zeit erinnern, als es gerade sprechen konnte. Du wirst gespannt den Erzählungen über Spiele aus dem Kindergarten zuhören, erfahren was die anderen Kinder gemacht haben, was es über Aschenputtels böse Stiefmutter denkt und über alles andere was ihm durch den Kopf geht. Es wird außerdem Interesse am Schreiben zeigen.

Deine Aufgabe

Es ist einfach: Rede mit Deinem Kind! Die Forschung zeigt, dass Kinder von Eltern, die extrem viel mit dem Kind reden, einen signifikant höheren IQ haben als andere Kinder. Ihr Vokabular ist vielfältiger als das von Kindern, die wenig verbale Stimulation hatten. Du kannst damit bereits in der Schwangerschaft beginnen, so dass Dein Kind sich an Deine Stimme gewöhnt. Lies ihm laut aus einem Buch vor oder singe.

Nach der Geburt solltest Du mit Deinem Kind reden wenn Du es wickelst, fütterst, badest und ihm Zeit geben, mit einem Lächeln oder mit Augenkontakt zu antworten. Fahren mit dem Reden fort und Du wirst sehen, dass es schon bald versucht zu antworten.

Babysprache ist süß aber es ist auch wichtig, in richtigen Sätzen zu sprechen. Dein Baby wird nur dann richtig sprechen lernen, wenn Du es ihm richtig vormachst. Du musst gar nicht die komplizierten Wörter vermeiden. Wenn Du zu simpel mit Deinem Kind sprichst, wird es Dich zwar verstehen, jedoch sein Vokabular nicht erweitern können. Das geht nun einmal am Besten indem es Du neue Wörter gebrauchst. Das Gleiche gilt auch für Kleinkinder und Vorschüler, deren Sprachfähigkeiten sich so lange weiterentwickelt wie Du es mit Unterhaltungen stimulierst.

Vorlesen ist eine tolle Möglichkeit um die Sprachentwicklung zu fördern. Babys genießen den Klang der Stimme ihrer Mutter, auch Kleinkinder werden die Geschichte genießen und Vorschüler werden so sehr mit der Geschichte mitgehen, dass sie sich aktiv an der ihr beteiligen.

Auffälligkeiten in der Entwicklung

Babys mit Hörproblemen hören mit etwa 6 Monaten auf zu brabbeln. Wenn Dein Baby keine Geräusche macht (und auch keine Versuche unternimmt) und keinen Blickkontakt sucht, berate Dich mit einem Kinderarzt. Während einige Kinder mit neun Monaten Wörter bilden, lassen sich andere Kinder Zeit bis sie 13 oder 14 Monate alt sind. Wenn Dein Kind mit 15 Monaten nicht ein Wort spricht oder Du noch keines seiner Wörter verstehen kannst, solltest Du ebenfalls den Kinderarzt konsultieren.

Sollte Dein drei Jahre altes Kind Konsonanten weglassen (z.B. sagt es „au“ statt „auf“) oder Konsonanten oder Silben durch andere ersetzen (z.B. „Daus“ statt „Maus“) hat es möglicherweise ein Sprach- oder Hörproblem. Auch hier ist ein Arztbesuch zur Abklärung ratsam. Kleinkinder stottern manchmal, sie sind oft so aufgeregt wenn sie erzählen wollen, was ihnen im Kopf umgeht, dass sie die Wörter kaum herausbringen. Wenn Deins im Alter von 5 Jahren mit dem Stottern fortfährt, konsultiere den Arzt. Bis dahin solltest Du Deinem Kind die Möglichkeit geben, seine Sätze zu Ende zu sprechen und nicht helfen, fortzufahren. Das würde sonst als Herabsetzung empfunden werden und keineswegs helfen.