Verstopfung bei Kleinkindern

Verstopfung Kleinkind – Ursachen, Maßnahmen und mehr

Leiden Kleinkinder unter Verstopfungen droht ein Teufelskreis: denn ein zu harter Stuhlgang bereitet Schmerzen, sodass die betroffenen Kinder versuchen, sich das große Geschäft zu verkneifen. Dadurch werden die Beschwerden jedoch noch verschlimmert. Doch was sind die Ursachen von Verstopfungen und wie werden sie gelindert?

©Unsplash/Josh Applegate

Leidet ein Kind an Verstopfungen, sollte zu allererst der Speiseplan genauer unter die Lupe genommen werden. Manchmal hilft schon eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten, um den Stuhlgang zu regulieren. Viele Lebensmittel haben eine stuhlfestigende Wirkung und sollten deshalb nur wenig gegessen werden. Dazu gehören beispielsweise Bananen und Karotten, Süßigkeiten wie Schokolade, Pudding und Kakao, Weißmehl wie in Brötchen, Zwieback und Toast. Allerdings sollten Naschereien nicht plötzlich vom Speiseplan gestrichen werden, denn dies würde ein Kind als Bestrafung erleben, obwohl es ja nichts für seine Beschwerden kann. In der täglichen Ernährung sind ballaststoffreiche Nahrungsmittel zu bevorzugen, also Vollkornprodukte, Naturreis, Müsli, Nüsse und Kartoffeln. Neben viel Gemüse gehört auch Obst auf den Speisplan, zum Beispiel Pflaumen, Birnen, Äpfel, Melone, Aprikose oder Feigen. Um Verstopfungen vorzubeugen, ist zudem eine ausreichende Trinkmenge und genügend Bewegung wichtig. Bei anhaltenden Beschwerden, Blut im Stuhl, großen Schmerzen oder generell, wenn Du Dir Sorgen um die Verdauung und Gesundheit Deines Kindes machst, sollte ein Kinderarzt um Rat gefragt werden. Nur er kann feststellen, ob vielleicht eine Lebensmittelallergie oder eine andere Erkrankung vorliegt.

Ein Teufelskreis aus Bauchweh und Verstopfungen

Ab zwei Jahren haben Kinder in der Regel alle zwei Tage bis zu dreimal am Tag Stuhlgang. Wenn sie aber seltener als zweimal pro Woche ihren Darm entleeren oder aber Beschwerden hinzukommen, sollte an eine Verstopfung gedacht werden. Wenn Kinder unter einer Obstipation (= Verstopfung) leiden und diese mit Bauchweh und einer schmerzhaften Darmentleerung einhergeht, droht ein Teufelskreis. Denn aus Angst vor dem großen Geschäft halten sie den Stuhlgang erst recht zurück und versuchen ihn zu vermeiden. Dadurch werden die Verstopfung und die damit einher gehenden Schmerzen jedoch noch schlimmer. Aus diesem Muster wieder heraus zu finden, ist schwierig, sodass ein Gang zum Kinderarzt sinnvoll ist. Er rät vielleicht vorübergehend zu abführenden Medikamenten, Zäpfchen (z.B. Glycerin-Zäpfchen) oder schmerzstillenden Salben, die vor dem Stuhlgang am After aufgetragen werden (bei Verletzungen oder Entzündungen im Analbereich). Solche Maßnahmen sollten aber nur in ärztlicher Absprache zum Einsatz kommen, ebenso wie Einläufe. In Einzelfällen kann auch eine psychotherapeutische Begleittherapie hilfreich sein, um Kindern die Angst vor dem großen Geschäft zu nehmen.

Psychische Ursachen

Wie bei vielen Beschwerden im Kindesalter könnten psychische Gründe hinter einer langwierigen Verstopfung stecken. Zum Beispiel ein neues Geschwisterchen, die ersten Wochen im Kindergarten oder ein Umzug. Damit einhergehende Sorgen und Stress können Verdauungsprobleme verursachen. Auch Probleme mit dem „Loslassen“ können dahinter stecken: Manche Kinder empfinden ihren Stuhlgang als Teil von sich selbst und mögen diesen nicht in der Toilette entsorgt haben.

Kommen weitere Symptome hinzu, beispielsweise Verletzungen, Schlafstörungen oder ein auffälliges Verhalten, sollte auch eine Überlegung in Richtung sexuellen Missbrauch erfolgen. Solche Veränderungen sollten Eltern hellhörig werden lassen, um bei entsprechendem Verdacht professionellen Rat zu suchen (Anlaufstellen zum Beispiel unter www.gegen-missbrauch.de und www.dunkelziffer.de).

Machtkampf im Badezimmer

Manche Kinder entwickeln Verstopfungen durch zu viel Druck beim Töpfchentraining. Schimpfen, Zwang oder gar Bestrafung wirken sich negativ auf die Toilettengewohnheiten aus. Schnell droht dann die Sauberkeitserziehung in einen Machtkampf zwischen Eltern und Kind auszuarten, aus dem es schwer ist, wieder auszubrechen. Stattdessen sollte eine angenehme, entspannte und positive Atmosphäre beim Gang zum Töpfchen oder zur Toilette herrschen. „Unfälle“ in der Hose gehören dazu und sollten gelassen hingenommen werden, so ärgerlich und frustrierend sie auch manchmal sein mögen. Einige Kleinkinder, die eigentlich trocken sind, verlangen für ihr großes Geschäft noch eine Windel. Auch das ist nicht schlimm, sondern völlig normal und kein Grund zu verzweifeln. Wenn man einfach kein Thema aus der Sauberkeitserziehung macht, sondern dem Kind das eigene Tempo zugesteht, gibt sich das in der Regel von alleine.