Essverhalten kleiner Kinder: von allem nur einen Bissen

Von allem einen Bissen

Für die fast zweijährige Tochter unserer Autoren kommt es gar nicht infrage, sich beim Essen festzulegen

Kind hält eine Schüssel Erdbeeren in der Hand
©Pixabay/Kathrin Pie

Krawalli, wie ich meine Tochter nenne, hielt sehr lange Zeit nichts von fester Nahrung. Als wir ihr mit acht Monaten das erste Mal Pastinakenbrei präsentierten (während Papa, Mama und ihr 11 Jahre alter Bruder ihre Handys gezückt hatten, um dieses einmalige Erlebnis festzuhalten), zeigte sie uns sehr deutlich, was sie von der ganzen Essensgeschichte hielt: absolut nichts.

„Ich ließ sie fast alles probieren und die Freude war riesig.“

Statt in ihrem Mund landete der Babybrei auf dem Boden und in meinem Gesicht. So ging das sehr lange Zeit. Erst als meine kleine Tochter schon über ein Jahr alt war, fing sie an sich für festes Essen zu interessieren. Ich ließ sie fast alles probieren und die Freude war riesig, als sie endlich Croissant zum Frühstück nuckelte. Einer ihrer absoluten Favoriten: Weintrauben, aber bitte nur kernlos. Jetzt wird Krawalli im Sommer schon zwei Jahre alt und isst im Grunde alles: Gemüse, Obst, Nudeln, Fisch, Wurst… aber wirklich so wie ich es gerade aufzähle.

Oft beginnt eine Mahlzeit mit ihr mit diesen Worten: „Mama, Joghurt bitte!“ Die liebe Mama stellt dem Kind also einen Fruchtjoghurt auf den Tisch. Dieser wird genüsslich gegessen – zumindest zwei Löffel lang. Dann kräht Krawalli „Wurst Mama, Wurst!“ Also legt Mama ihr eine Scheibe Wurst hin. Während ich selbst in mein Brot mit Honig beiße werden die Kinderaugen mir gegenüber größer. „Hmmm, Mama! Auch, auch!“ Also reißt Mama ein Stück Brot runter und legt es zu Joghurt und Wurst. Das geht immer so weiter, bis sich am Ende eine wilde Mischung auf dem Teller befindet, denn auch Trauben und eine Essiggurke haben ihren Weg in Krawallis Mund gefunden.

„Das meiste Essen klebt irgendwo an Krawallis Körper.“

Angebissen ist am Ende alles, aufgegessen eigentlich nichts. Dafür ist meine Tochter aber zufrieden, entwickelt eine große Bandbreite für ihre Geschmacksnerven und satt ist sie auch. Dass der Joghurt zwischendrin statt mit dem Löffel mit den Fingern in den Mund geschoben wird, versteht sich ja wohl von selbst. Und das eben diese klebrigen Finger sich dann verträumt in den Haaren kratzen, während sie einen Vogel auf der Fensterbank beobachtet wohl auch. Manchmal glaube ich auch, dass das meiste Essen irgendwo an Krawallis Körper und unter ihrem Hochstuhl endet und nicht in ihrem Bauch. Aber hey: von allem einen Bissen ist am Ende auch eine ganze Mahlzeit.