Industriestaaten in der Spermakrise: Wird die moderne Welt unfruchtbar?

Industriestaaten in der Spermakrise

Eine Langzeitstudie zeigt, dass Männer immer weniger Spermien produzieren. Wird die westliche Welt jetzt unfruchtbar?

Mann hält sich traurigen Smiley vors Gesicht
Immer weniger Spermien: Wird die westliche Welt unfruchtbar? ©Igor Stevanovic via Bigstock

In Europa und anderen westlichen Regionen schwindet die Manneskraft. Eine Langzeitstudie zeigt, dass die Spermienzahl unserer Männer stetig zurückgeht. Und zwar ziemlich beachtlich. In einem Untersuchungszeitraum von 40 Jahren ist die Anzahl der Spermien pro Samenerguss um mehr als die Hälfte gesunken. Heißt das, die westliche Welt wird unfruchtbar?

So pauschal lässt sich das nicht sagen. Natürlich ist die Anzahl der Spermien im Sperma entscheidend für die Fruchtbarkeit eines Mannes, aber eben nicht nur. Es gibt noch andere wichtige Faktoren: die Beweglichkeit der Spermien zum Beispiel oder ob sie Fehlbildungen haben. Das wurde bei der Studie nicht explizit untersucht, für die der Epidemiologe Hagai Levine von der Hebrew University in Jerusalem und sein Team verantwortlich sind.

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Nichtsdestotrotz ist die beobachtete Entwicklung ein Signal. Levine spricht sogar von einem „dringenden Weckruf für Forscher und Gesundheitsbehörden“. Reproduktionsexperten wie Stefan Schlatt vom Universitätsklinikum Münster sehen das noch nicht so dramatisch. „Wenn man sich die konkreten Zahlen ansieht, liegen sie immer noch weit über den Werten, die die Weltgesundheitsorganisation als Untergrenze der Zeugungsfähigkeit angibt“, sagt er gegenüber Spiegel-Online. Das klingt vorerst ein wenig nach Entwarnung.

Mögliche Ursachen für den Abwärtstrend

Insgesamt haben die Wissenschaftler Daten aus 185 Studien ausgewertet, an denen sich knapp 43.000 Männern als Testpersonen beteiligt haben. Ein Großteil davon kommt aus Nordamerika, Europa, Australien und Neuseeland. Es wurden aber auch Spermienproben aus anderen Ländern und Kontinenten ausgewertet, wie Südamerika, Asien und Afrika. Das Interessante: Bei den Männer aus diesen Weltregionen lässt sich kein eindeutiger Abwärtstrend festmachen. Offensichtlich ist das Problem also vorwiegend eines der sogenannten westlichen Industriestaaten.

Das wird noch deutlicher, wenn man liest, was die Forscher als mögliche Ursachen für den Rückgang der Spermienanzahl in Verdacht haben. Zum einen ist es das Handy, das zu oft in der Hosentasche getragen wird. Aber auch Haarwuchsmittel oder Chemikalien z.B. aus Weichmachern können der Grund sein. Letztere stehen in Verdacht, das hormonelle Gleichgewicht des Körpers zu stören und damit auch unsere Fortpflanzung zu beeinflussen.

Um diesem Trend entgegen zu arbeiten, könnt ihr selbst aktiv werden – vor allem, wenn ihr ein Kind plant. So ist Hitze tatsächlich schädlich für die Spermaproduktion. Das nächste Mal also die Sitzheizung besser eine Stufe runter- oder am besten ganz ausschalten und nicht zu heiß baden. Auch mit der richtigen Ernährung könnt ihr eure Spermaqualität verbessern: mehr dazu in unserm Video.

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