Per Eisprungkalender zum Mädchen oder Jungen?

Junge oder Mädchen berechnen: Geht das?

Junge oder Mädchen? Hauptsache ein Kind! Aber ein bisschen neugierig sind wir ja alle, und wer einen besonderen Wunsch hat, kann zumindest versuchen, Einfluss zu nehmen. Kann ein Eisprungkalender dabei helfen?

©Unsplash/Michal Janek

Kann man Einfluss auf das Geschlecht nehmen?

„Jungs machen Jungs und Männer machen Mädchen!“ – dieser Spruch oder auch die Idee dass man mit bestimmten Nahrungsmitteln oder bei Zeugung mit Gummistiefeln die Chancen auf ein bestimmtes Geschlecht des Kindes erhöhen kann befinden sich meist im Bereich des Humors. Wissenschaftler haben sich dennoch mit den Chancen der Einflussnahme beschäftigt und zumindest eine Theorie entwickelt, wenngleich sich diese nicht beweisen ließ – zumindest bisher nicht. Also gibt es hier vielleicht die Möglichkeit der Einflussnahme?

Mithilfe des Eisprungkalenders schwanger werden

Chromosomen und Genetik

Spermien, die ein Y-Chromosom tragen, zeugen Jungs, während X-Chromosomen Mädchen zeugen. Wissenschaftler sind hunderte von Jahren in Familienstammbäumen zurückgegangen und haben dabei festgestellt, dass die Tendenz zu einem bestimmten Geschlecht familiär über die männlichen Nachkommen vererbt wird. Hat ein Mann also viele Schwestern, sind die Chancen auf weibliche Nachkommen höher als auf männliche Nachkommen.

Was die Shettles Methode besagt:

Weibliche Spermien sind langsamer als männliche. Dafür bleiben sie länger am Leben.

Was man daraus schlussfolgern kann:

Bei Geschlechtsverkehr einige Tage vor dem Eisprung ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die männlichen Spermien bis zum Eisprung bereits gestorben sind, dies macht ein Mädchen wahrscheinlicher. Beischlaf direkt am Tag des Eisprungs verschafft jedoch den männlichen Spermien den Schnelligkeitsvorsprung und macht somit einen Jungen wahrscheinlicher. Kann also die Ovulation durch einen Eisprungkalender bestimmt werden, kann dies für das richtige Timing nützlich sein.

Was die Erfahrung uns sagt:

Es ist natürlich auch immer noch eine große Portion Zufall im Spiel. Der genaue Zeitpunkt des Eisprungs ist auch mit Eisprungkalender oft schwer zu ermitteln, Verschiebungen im Zyklus können immer mal stattfinden und somit gibt es genügend Paare, bei denen die Theorie in der Praxis kein entsprechendes Ergebnis liefern konnte.

Weitere Faktoren die Einfluss nehmen:

Das Milieu in der Vagina und auf dem Weg zur Eizelle spielt eine Rolle. Ja nachdem wie sauer es ist, kann es männliche Spermien fördern oder hemmen. Auch die Position beim Geschlechtsverkehr und die damit zusammenhängende Tiefe der Penetration kann eine Rolle spielen.

Was die Forschung ermittelt hat:

Obwohl männliche Geburten im Vergleich zu weiblichen häufiger sind, wird dennoch ein Rückgang beobachtet. Der Rückgang der männlichen Geburten in den Industrienationen hat Forscher einen genaueren Blick auf die Lebensgewohnheiten der Frauen werfen lassen. Anhand einer Studie mit 740 Erstgebärenden wurden die Ernährungsweisen vor und während der Empfängnis ermittelt, sowie in den ersten Schwangerschaftsmonaten. Dabei konnte festgestellt werden, das 56% der Frauen die einen Jungen bekamen sich energiereich ernährt haben. Im Vergleich dazu hatten 46% der Frauen mit Mädchen die geringste Energiezufuhr in der Ernährung.

Hinzu kam, dass die Mütter von Söhnen durch ihre Ernährung zuvor, mehr Kalium, Calzium, Vitamin C, E und B12 zu sich genommen hatten. Ähnliches wird übrigens in der Tierwelt beobachtet: Tiere die (z.B. durch eine höhere Position im Rudel) bessere Ernährung erfahren, haben häufiger männlichen Nachwuchs.

Obwohl also das Geschlecht durch die Spermien des Mannes bestimmt wird, scheint die Ernährung der Frau dennoch einen gewissen Einfluss zu haben. Offenbar erhöht ein höherer Blutzuckerspiegel bei Frauen die Chance auf einen Jungen. In Industrienationen entscheiden sich viele Frauen für eine kalorienarme Ernährung, dies könnte den Rückgang der männlichen Geburten erklären.

Gängige Annahmen zur Geschlechtsbeeinflussung

Du erhöhst die Chancen auf einen Jungen wenn …

  • Ihr eine Woche vor dem Eisprung keinen Verkehr hattet und dann nur einmalig am Tag des Eisprungs.
  • der weibliche Partner zuerst zum Orgasmus kommt. Dabei wird eine alkalische Flüssigkeit ausgeschüttet, welche die männliche Spermien besser vertragen.
  • eine tiefe Penetration stattfinden, z.B. beim Verkehr von hinten.
  • der Mann über eine hohe Spermienzahl verfügt.
  • der Mann seine Genitalien kühl hält, z.B. indem er leichte Shorts oder lockere Hosen trägt.
  • der weibliche Partner Fisch, Fleisch, Pasta, frisches Obst und salzige Nahrung zu sich nimmt, jedoch auf Milchprodukte verzichtet,

Du erhöhst die Chancen auf eine Mädchen wenn …

  • Ihr schon einige Tage vor dem Eisprung Geschlechtsverkehr habt.
  • Ihr eine geringe Penetration habt.
  • der männliche Partner zuerst zum Orgasmus kommt.
  • Ihr häufig Sex habt, so dass die Spermienanzahl verringert ist.
  • der Mann seine Genitalien durch enge, warme Kleidung warm hält.
  • der weibliche Partner sich salzarm, kalorienarm und mit vielen Milchprodukten ernährt.

Moralisch betrachtet

Früher waren männliche Nachkommen als „Stammhalter“ wichtig. Heute können Paare ihren Namen bei der Eheschließung beibehalten oder frei wählen, Mädchen beerben ihre Eltern genauso wie Jungen und die Idee des Stammhalters ist längst überholt – auch wenn Männer bei der Geburt eines Sohnes immer noch gern dieses Wort benutzen.

Die medizinische Selektion des Geschlechts ist in den meisten Ländern nur erlaubt, wenn ein medizinischer Grund vorliegt, z.B. wenn die jeweils männlichen oder weiblichen Nachkommen von einer Erbkrankheit betroffen wären.

Spricht man im Freundeskreis über sein „Wunschgeschlecht“, so kann dies sogar zu hitzigen Debatten führen, dass man sich doch bitte auf ein „gesundes“ Kind konzentrieren solle, statt über das genetisch optimale Kind nachzudenken. Sicher hat jeder Standpunkt seine Berechtigung, dennoch darf es erlaubt sein, ein wenig zu träumen und zu wünschen. Ist das Baby auf der Welt, spielt das alles keine Rolle mehr und Eltern lieben ihr Kind, egal ob der Wunsch in Erfüllung gegangen ist oder nicht.