Ein Kind adoptieren - wie geht das?

Adoptieren – letzter Ausweg bei unerfülltem Kinderwunsch

Viele Paare, die auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen können, versuchen es anschließend mit verschiedensten Methoden der künstlichen Befruchtung. Scheitert auch das, ziehen manche von ihnen eine Adoption in Erwägung, um den Traum, Kinder zu haben, doch noch zu erfüllen. In dieser Serie erfährst Du, wie eine Adoption in Deutschland abläuft, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und welche Rechte und Pflichten sich für alle Beteiligten dadurch ergeben.

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Verschiedene Arten der Adoption

Es gibt verschiedene Arten von Adoptionen. Beispielsweise, ob Ihr ein Kind aus Deutschland aufnehmen möchtet, oder Euch für eine Auslandsadoption entscheidet, auf die wir auf der nächsten Seite näher eingehen werden.

Auch beim Thema Anonymität gibt es Unterschiede:

Bei einer Inkognitoadoption bleiben die Daten beider Seiten geheim. Das Adoptivkind hat aber ab dem 16. Geburtstag das Recht, die Vermittlungsakten einzusehen, um so mehr über die leiblichen Eltern und die eigene Herkunft zu erfahren. Bei minderjährigen Kindern müssen die Adoptiveltern der Akteneinsicht zustimmen.

 

Bei der Halboffenen Adoption können die leiblichen Eltern in Form von Briefen und Fotos über das Jugendamt indirekt Kontakt halten.

Die Offene Adoption ermöglicht den direkten Kontakt von leiblichen Eltern zu Kind und Adoptiveltern.

Die häufigste Art ist die Stiefkindadoption, bei der ein neuer Partner sein Stiefkind adoptiert. Ab einem Alter von 14 Jahren muss das Kind der Adoption zustimmen, davor reicht das Einverständnis der leiblichen Eltern und des Jugendamtes.Bei der Verwandtenadoption können minderjährige Kinder, deren Eltern verstorben sind, von Verwandten adoptiert werden. Die Auflagen und Anforderungen sind dabei weit weniger streng, sodass auch Großeltern oder volljährige Geschwister das Kind/die Kinder aufnehmen können.

 

Eine besondere Form ist noch die Erwachsenenadoption. Auch dabei werden die gleichen Rechte und Pflichten erworben, wie sie gegenüber der leiblichen Familie bestehen würden.

Der Ablauf einer Adoption

Für die Antragsstellung beim Jugendamt müssen zahlreiche Dokumente und Unterlagen zusammengetragen werden:

  • Ein ausgefülltes Antragsformular oder eine selbst verfasste Bewerbung
  • Geburts- und Heiratsurkunden
  • Lebensläufe beider Partner
  • Polizeiliche Führungszeugnisse
  • Ärztliche Atteste
  • Verdienst- und Vermögensnachweise

 

Außerdem müssen adoptionswillige Paare einen Fragebogen ausfüllen, in dem unter anderem der Kinderwunsch begründet werden muss. Auch Fragen nach den religiösen und weltlichen Erziehungsvorstellungen werden gestellt. Wie wird sich die Adoption auf die Beziehung auswirken und was passiert im Fall einer Trennung?

Im Anschluss daran folgt das Eignungsprüfungsverfahren, bei dem persönliche Gespräche zwischen Jugendamt und Bewerberpaar im Vordergrund stehen. Auf die Bewerbungsgespräche sollte man sich gut vorbereiten und die Antworten wohl überlegt sein. Die Themen in den Gesprächen mit den Sozialarbeitern sind die gleichen, wie die des Fragebogens: Die eigene Kindheit, die Beziehung zueinander, der Kinderwunsch, wie stellt sich das Paar das Leben mit einem Adoptivkind vor usw.

 

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Manche Jugendämter führen diese Gespräche auch in Form von Gruppendiskussionen. Das Eignungsverfahren kann sich über mehrere Monate hinziehen, danach wird auf Wunsch der Bewerber ein Sozialbericht erstellt, der vor allem bei Auslandsadoptionen notwendig ist.

Wird die Eignung zur Adoption festgestellt, gilt diese jedoch nur für zwei Jahre. Deshalb ist es wichtig, sich weiterhin um regelmäßigen Kontakt zum Jugendamt zu bemühen und Angebote wie z.B. Info-Abende wahrzunehmen. Bis zum Adoptionsbeschluss durch das Vormundschaftsgericht ist es ein langer Weg. Es gibt weit mehr adoptionswillige Paare als Kinder zur Adoption freigegeben werden, weshalb die Chancen auf eine Vermittlung nicht sehr hoch sind. Die Wartezeit beträgt meist einige Jahre, was den Bewerbern viel Geduld und starke Nerven abverlangt.

Vor der Antragsstellung sollte man sich überlegen, ob man alternativ auch ein Pflegekind aufnehmen würde. Dabei bleibt das Sorgerecht allerdings bei den leiblichen Eltern und die Pflegeeltern haben keine Ansprüche. Nur rund ein Drittel aller Pflegekinder wird später von den Pflegeeltern adoptiert. Grundsätzlich sieht das deutsche Recht übrigens immer eine Pflegezeit vor, bevor die Adoption rechtskräftig beschlossen wird.

Voraussetzungen für eine Adoption

Ist ein Paar verheiratet, kann es grundsätzlich nur gemeinsam adoptieren. Bei unverheirateten Paaren kann nur einer der beiden adoptieren. Auch Alleinstehende oder homosexuelle Paare können nur als Einzelperson ein Kind aufnehmen. Allerdings werden verheiratete und heterosexuelle Antragsteller beim Auswahlverfahren bevorzugt behandelt.

Neben der körperlichen und geistigen Gesundheit müssen künftige Adoptiveltern auch in finanzieller Hinsicht geeignet sein. Dazu zählen ein festes Einkommen und genügend Wohnraum. Das Mindestalter liegt bei 21 Jahren bzw. 25 Jahren bei Alleinstehenden. Ein Höchstalter gibt es nicht, jedoch werden Säuglinge und Kleinkinder meist nur an Paare unter 35 Jahren vermittelt, ab 40 sinkt die Chance auf das Wunschkind erheblich.

Die Motive für die Adoption spielen eine zentrale Rolle. Das Kind soll nicht als Rettungsanker für die elterliche Beziehung dienen oder ein Ersatz für ein verstorbenes eigenes Kind sein. Die Eltern müssen den Wunsch haben, ein fremdes Kind nur seiner selbst wegen aufzunehmen und zu lieben.

Rechte und Pflichten aller Beteiligten

Die leiblichen Eltern müssen der Adoption des Kindes zustimmen, in manchen Fällen kann das Vormundschaftsgericht die Einwilligung ersetzen, z.B. bei groben Verletzungen der elterlichen Pflichten. Die leiblichen Eltern können außerdem die Religionszugehörigkeit der Adoptivfamilie mitbestimmen. Das Recht zu erfahren wo, und wie das Kind lebt, besteht nicht. Ein direkter Kontakt, wie bei einer offenen Adoption ist selten.

Das Adoptivkind kann unter 14 Jahren bei seiner Adoption nicht mitreden, seine Rechtsansprüche gegenüber der Herkunftsfamilie erlöschen. Innerhalb der Adoptivfamilie erhält das aufgenommene Kind die gleichen Rechte wie ein leibliches Kind, ist also voll erb- und unterhaltsberechtigt.

Die adoptierende Familie wird vor dem Gesetz behandelt wie jede andere Familie. Das Kind trägt den Familiennamen und die Eltern dürfen über Wohnort und Schulbildung bestimmen. Aber sie sind auch verpflichtet, dem Kind eine Ausbildung zu bezahlen und bei Problemen und Konflikten beizustehen. Auch ein Anspruch auf Elternzeit und Erziehungsgeld besteht.

Eine Aufhebung der Adoption ist nur in Ausnahmefällen möglich, beispielsweise wenn das Kindswohl gefährdet ist.