Das Geschäft mit dem Geschäft de

Das Geschäft im Geschäft der anderen

Eine Parabel über das Betreiben eines Internet-Forums

Computer auf einem Tisch mit Blumen
©Unsplash/Dawid Liberadzki

Es war einmal eine Mutter (nennen wir sie mal „M“), die wollte trotz Haushalt und Kindern etwas zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Sie überlegte lange, wie sie Kinder und Arbeit unter einen Hut bekommen könnte und hatte schließlich eine Idee. Gemeinsam mit ihrem Mann entschied sie, dass sie einen Second Hand Laden für Kinderware eröffnen wolle.

Alle Ersparnisse wurden zusammen gekratzt, eine passende Lokation mit Abstellmöglichkeit für Kinderwagen und nahem Kundenparkplatz gesucht, gefunden und angemietet und an Abenden und Wochenenden wurden nun die Räume gestrichen, Regale aufgebaut, die Schaufenster dekoriert usw.  Schließlich war es soweit und der Laden wurde geöffnet. Damit möglichst viele Menschen von der Neueröffnung erfahren sollten, wurden die letzten Ersparnisse für Werbeanzeigen in den lokalen Nachrichtenblättern investiert. Und nach und nach stellte sich auch Erfolg ein. Zwar fanden zunächst nur wenige Kunden den Weg, doch mehr und mehr sprach sich herum, welche gut erhaltene Kleidung und faire Preise man hier finden konnte und langsam wurden die Einnahmen höher, so dass sich auch die weiteren Investitionen in Ladenmiete, Nebenkosten, Werbung, … rechtfertigten.

Weiter steckte sie jeden Tag viel Zeit und Mühe in ihren Laden, um die gute Qualität zu erhalten. Auch der Umgang mit unangenehmen Kunden gehörte manchmal dazu und gelegentlich musste weiter Werbung geschaltet werden. Oft lag sie nachts wach um zu überlegen, wie sie noch mehr Service bieten oder mit einer schwierigen Situation umgehen könnte. Viele Sonntage verbrachte sie statt mit ihrer Familie mit dem Umdekorieren der Schaufenster, dem Reinigen des Ladens (samt Kundentoilette) oder mit der Buchführung und Steuerangelegenheiten. Aber so ist das nun mal wenn man selbstständig ist: Man arbeitet selbst und das ständig!

Mit der Zeit stellte M aber fest, das sich manchmal merkwürdige Personen in ihrem Laden aufhielten. Es fing an mit dem jungen Mann, er oft stundenlang durch den Laden streifte. Sobald ein Kunde eine Frage wie z.B. „Wo finde ich Schlafanzüge?“ stellte, brachte er sich gleich gegenüber der fragenden Person in Position und fing heftig an zu winken und auf und ab zu springen. Irgendwann fiel M auf, dass der junge Mann ein T-Shirt mit der Aufschrift „Günstige Kinderkleidung, Frechdachsstraße 1“ trug. Sie bat den jungen Mann, den Laden zu verlassen und allenfalls mit einem neutralen T-shirt zurück zukommen, woraufhin dieser empört und lautstark auf sein Recht als freier Bürger pochte, der ja wohl tragen könne was er wolle … Worte wie „Burka“, „Meinungsfreiheit“ und „Grundgesetz“ fielen. Es kostete M einige Geduld und Mühe, den uneinsichtigen Herrn los zu werden.

Doch schon bald bahnte sich neuer Ärger an:  Eine Stammkundin fragte, ob sie einen Zettel für den Tag der offenen Tür im Kindergarten aufhängen dürfe, M hatte nichts dagegen. Doch wenige Tage später stand direkt am Türeingang zu ihrem Laden eine Frau, die eifrig Flugblätter an die Kunden des Ladens verteilte. Das Flugblatt enthielt Werbung für einen anderen Second Hand Laden in der Stadt. Empört untersagte M der Frau, sich hier aufzuhalten. Diese argumentierte jedoch, dass hier für den Tag der offenen Tür ja schließlich auch Werbung zu finden wäre und dort würde schließlich auch ein Kinderflohmarkt abgehalten, was nichts anderes als Werbung zur Konkurrenz sei.

M erklärte, dass es sich hierbei um eine private Veranstaltung handle und außerdem eine gute Kundin involviert sei, die mit ihren Käufen sehr maßgeblich zum Erfolg des Ladens beitrüge, während die Konkurrenz ja wohl kaum in ihrem Laden Kunde sei. Daraufhin kaufte die Frau an der Ladenkasse einen Bonbon! Erst als M mit rechtlichen Schritten drohte, verließ die Frau ihren Posten.

Es herrschte vorerst Ruhe aber dann kam jemand mit einem Bauchladen herein und verkaufte im Laden Popcorn – ohne auch nur vorher zu fragen. Nun stellte Popcorn zwar keine Konkurrenz zu ihrer Ware da, jedoch dachte M daran wie viel Schweiß, Blut und Tränen im Erfolg ihres Ladens steckten und dass es doch irgendwie nicht fair sein konnte, dass sich andere nun einfach an ihren Erfolg dran hängten und ihn für sich nutzten, ohne sich jemals an den Kosten oder der Arbeit des Ladens beteiligt zu haben.

Sie erklärte dem Betreiber des Bauchladens, dass er gegen ein Entgelt sein Popcorn an einigen Tagen der Woche dezent in einer Ecke vertreiben könne jedoch meinte dieser, dass er nicht plane, sich an den Ladenkosten zu beteiligen. Der Aufforderung, den Laden zu verlassen, kam er jedoch nicht nach, denn er meinte, dass es keine Regel gäbe, die den Verkauf von Popcorn in ihrem Laden untersage. Also fertigte M ein Schild an, welches besagte das Werbung für Konkurrenz und der Verkauf von Waren in ihrem Laden untersagt sei. Leider blieben darauf viele Kunden weg, denn der Hinweis, dass der Verkauf von Waren untersagt sei, wurde missverstanden und daher keine gebrauchte Kleidung mehr gebracht oder gekauft. M veränderte das Schild. Sie erklärte ausführlicher und schloss gebrauchte Ware auch ausdrücklich von der Einschränkung aus … was dazu führte, dass sich kaum mehr jemand dieses Schild durchlas – zu viel Text!
Statt dessen kamen immer wieder Verkäufer aller Sparten, die sich über das Schild hinweg setzten und versuchten (oft sogar wiederholt) in oder vor ihrem Laden Kunden zu werben. Es häuften sich die Kundenbeschwerden über die fremden Verkäufer jedoch gab es auch immer wieder welche, die auf deren Angebote eingingen, so dass sich die Werbung doch für diese Störenfriede auszahlte. Dies sprach sich immer mehr herum. Ehe es sich M versah, gab es in ihrem Laden einen Prediger, einen Wunderheiler, eine Dame die selbstgestrickte Socken (nur 1 Mal getragen und daher nicht neu!) anbot und einen Schuhputzer. Außerdem postierte sich vor dem Kinderwagen-Parkplatz eine Gruppe von Aktivisten, die aus dem nahegelegenen Kundenparkplatz gern einen Spielplatz machen wollten und um Unterschriften warben. Sie alle beharrten darauf dass sie mit ihrer Tätigkeit in der Laden-Ordnung nicht genannt waren – es wurde eng im Laden und so langsam machte M die Arbeit keinen Spaß mehr, die Einnahmen sanken auch. Immer mehr Zeit verbrachte sie damit, mit diesen Störenfrieden zu diskutieren und immer weniger konnte sie daher Kundenfragen beantworten und auch das Warten an der Kasse dauerte immer länger, wenn sie gerade wieder die Ladenordnung überarbeiten musste.

Viele Kunden blieben nun auch fern weil durch den Werbekrach dieser Leute kein normales Gespräch mehr möglich war. Immer länger wurde die Liste der Laden-Ordnung und inzwischen entstand der Eindruck, das die Ladenbetreiberin eine äußerst missmutige und unfreundliche Person sein müsse, da sie so viele Verbote aussprach. Der Ruf des Ladens litt mehr und mehr, Kunden blieben fern und schließlich musste M schließen weil ihr jeglicher Spaß an der Arbeit verloren gegangen war und der Ärger in keinem Verhältnis zu den Einnahmen stand.

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