Kinder richtig beschenken

Kinder richtig beschenken

Schenken und beschenkt werden – nicht nur zu Weihnachten und Geburtstag wichtige Themen. Wie kann man Kinder sinnvoll beschenken, ohne sie zu verwöhnen und welche wichtigen Aspekte gehören von Wunschliste bis Danksagung pädagogisch noch dazu?

Ein verpacktes Geschenk auf einem Holztisch
©Unsplash/Annie Spratt

Ich wünsch mir was

Kinder haben viele Wünsche denn sie sehen in Schaufenstern, Werbung oder bei ihren Freunden Dinge, die sie auch gern hätten. Selten denken sie dabei kritisch über Preis, Qualität und Haltbarkeit nach oder über den tatsächlichen Nutzen beim Spielen. Doch wünschen ist erlaubt – auch Erwachsene haben schließlich Wünsche. Ein Wunsch ist also erst einmal nichts anderes als die Sehnsucht nach dem Besitz einer bestimmten Sache.

Im Spielzeugladen hört man Kinder im Sekundentakt Sätze wie „Ohhh, das will ich haben!“ und „Mama, kaufst du mir das?“ sagen und es ist meist klar, dass man das nicht alles kaufen kann. Die beste Antwort darauf ist wohl: „Wenn es Dir so gut gefällt, dann setz es auf deine Wunschliste für Deinen Geburtstag / Weihnachten.“

Wünschen darf man sich alles und ohne Grenzen – nur haben kann man nicht alles – das müssen Kinder lernen, selbst wenn Mama und Papa Geld wie Heu haben.

Denn wer alles bekommt, was er/sie sich wünscht, erfährt niemals die oben bereits erwähnte Sehnsucht.

Sehnsucht haben

„Mama, das wünsch ich mir!“

Egal was es ist, wenn es auf die Wunschliste kommt, folgt das Bangen darum, dass man es vielleicht nicht bekommt, gepaart mit der Hoffnung, dass der Wunsch in Erfüllung geht. Jeder, der dieses Gefühl einmal hatte, weiß, wie das Wechselspiel zwischen Hoffen und Bangen inspirieren kann. Vielleicht wird das gewünschte Spielzeug zunächst aus Pappe nachgebastelt und auf Papier gemalt oder das Kind phantasiert, wie es damit spielt und was es damit alles machen kann.

Diese spannende Phase der Sehnsucht ist ein ganz besonderes Gefühl! Wer diese Phase durchläuft, wird sich um so mehr über die Erfüllung des Wunsches freuen können und die Sache besonders wertschätzen.

Enttäuschung lernen

Manche Wünsche können leider nicht erfüllt werden. Entweder ist es zu teuer oder nicht sinnvoll oder die Qualität rechtfertigt nicht den Preis – Schenkende müssen eben auch rationale Aspekte beachten.

Auch solche Erfahrungen sind für Kinder wichtig. Das gewünschte Spielzeug ist vielleicht nicht dabei, dafür jedoch etwas anderes, das auch begeistert. Die Enttäuschung, dass der Wunsch nicht erfüllt wurde, ist bald überwunden und eine wesentliche Erfahrung wurde gemacht: Die Welt dreht sich auch ohne dieses Produkt weiter und man kann trotzdem noch glücklich sein.

Es ist vielleicht gerade die Tatsache, dass immer mehr Kindern jeden Wunsch erfüllt wird, die so manchen jungen Erwachsenen in die Schuldenfalle treibt. Wer nicht lernt, dass Verzicht auch ohne dauerhaftes Verlustgefühl möglich ist, wird es schwer haben, gute Kaufentscheidungen zu treffen. Manche Eltern sind zu sehr darauf bedacht, ihre Kinder möglichst immer glücklich zu machen. Doch negative Gefühle gehören zu einer gesunden Entwicklung dazu, sie fördern die wichtige „Frustrations-Toleranz“.

Sinnvoll schenken

Bei großen Anlässen wie Weihnachten und Geburtstag wird meist reichlich geschenkt. Zu den Geschenken der Eltern kommen oft noch die der Großeltern, Tanten, Onkel, Paten usw.. In vielen Kinderzimmern türmen sich die Spielzeuge und im Vorschulalter haben Kinder oft „schon alles“ und es ist schwierig, noch gute, altersgerechte Geschenke zu finden.

Besonders wenn das Dreirad schon zum 1. Geburtstag – und somit lange vor der selbstständigen Benutzung – geschenkt wird oder mit drei Jahren der erste Lerncomputer angeschafft wird, sollte man sich überlegen, ob diese Geschenke zu diesem Zeitpunkt die richtige Wahl sind, denn so richtig freuen können sich Kinder meist erst, wenn sie das Geschenk auch benutzen können.

Besser ist es, schon frühzeitig mit dem sinnvollen Schenken zu beginnen. Denn beim Schenken und Beschenkt werden geht es niht zuletzt um das Erkennen von Wert. Auch scheinbar selbstverständliche Dinge wie Kleidung und Bücher haben einen Wert und sind daher als Geschenk zusätzlich zur Grundausstattung eines Kindes geeignet.

Die optimale Geschenke-Mischung könnte so aussehen:

  • 1/3 der Geschenke: Kleidungsstücke
  • 1/3 der Geschenke: altersgerechtes Buch / Sachbuch / Bildband
  • 1/3 der Geschenke: von der Wunschliste, passend zum Alter und Entwicklungsstand
  • plus eine kleine Überraschung die nicht auf der Wunschliste stand

Auch aktive Geschenke gibt es, die sich besonders für größere Kinder eignen: Die Woche auf dem Reiterhof, Gitarrenunterricht, Karten für ein Konzert oder eine Aufführung …

Worum geht es beim Schenken?

Die meisten Menschen haben Freude am Schenken, woran liegt das?
Vielleicht an der Zufriedenheit, die wir spüren wenn der Beschenkte mit Spannung auspackt und sich dann (hoffentlich) freut?

Das Aussuchen von Geschenken ist ein Vorgang, bei dem man sich für gewöhnlich mit der Person auseinander setzte, die man beschenken möchte: Wie gut kenne ich sie/ihn? Was mag er/sie und was könnte er/sie gebrauchen?

Solche und ähnliche Fragen gehen dem Schenken voraus, und haben wir einen Volltreffer gelandet, so ist das auch ein kleines Kompliment an uns.

Das beschenkte Kind sollte schon in frühen Jahren lernen, „Danke“ zu sagen: Ein Bild an den Weihnachtsmann oder ein Wort des Dankes an die Familie als Dankeschön können schon kleine Kinder umsetzen.

Selber schenken lernen

Geben und nehmen gehören zusammen und auch Kinder lieben es, zu schenken. Sie verschenken Bilder, Gebasteltes, pflücken Blumen oder Steine und drücken sie uns in die Hand und freuen sich dabei über unsere dankbare Entgegennahme.

Wenn die Kleinen älter werden, kann man mit ihnen vor dem nächsten Geschenke-Anlass durch das Kinderzimmer gehen und schauen, welche Spielsachen aussortiert und weitergegeben werden. Dann wird vielleicht das Dreirad noch einmal ordentlich geputzt und mit einer Schleife dran an ein jüngeres Geschwisterkind weitergereicht oder eine Kiste mit Puzzeln, Spielzeugautos o.ä. für das Kinderkrankenhaus gepackt. Vielleicht kauft man ein paar Kleinigkeiten für Weihnachten im Schuhkarton und packt gemeinsam alles schön ein.

Großzügig sein

Großzügig sein ist eine wunderbare Eigenschaft und bringt einem Menschen viele Sympathien. Dabei geht es meist nicht um einen materiellen Wert, sondern von Bedeutung ist auch die Fürsorge gegenüber anderen. Ein Geschenk kann somit auch sein, dass man seine Zeit mit jemandem verbringt oder in einer schwierigen Zeit für jemanden da ist und ihm zur Seite steht.
„What goes around, comes around“ sagt ein englisches Sprichwort und es bedeutet, dass was man an andere gibt, in irgend einer Weise später zu einem zurück kommt. Wer seinen Kindern also eine gute soziale Einbindung in die Gemeinschaft wünscht, sollte ihm Großzügigkeit, Dankbarkeit und Wertschätzung beibringen und auch vorleben: Das kann das Wurstbrot für den Bettler an der Straße sein, der Euro für den Straßenmusiker, der geduldiger Besuch bei der schwerhörigen Großtante, ein Blech selbstgebackener Kekse für die alleinstehende Nachbarin oder ein freiweilliger Arbeitseinsatz in einer Sozialeinrichtung. Was immer dem Kind vermittelt, dass jeder etwas geben und beitragen kann, wird seine Sicht der Welt und seiner Rolle darin prägen und somit zu einem besonderen, lebenslangen Geschenk.