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Deutschland ist kinderfreundlich

Deutschland soll kinderfreundlich sein und wenn Politiker daran mitarbeiten wollen, dann reden sie meist über ausreichend Krippenplätze oder Ganztagsschulen. Dabei geht es Eltern nicht nur darum, Kinder in die Obhut einer Aufsichtsperson zu geben, damit sie arbeiten gehen können. Vielen Familien ist zwar sehr mit einer besseren Betreuungssituation geholfen doch Eltern wissen: Kinderfreundlichkeit passiert überwiegend im Alltag.
Mein kinderfreundlichstes Erlebnis
Überwiegend sind es die kleinen Taten und die Toleranz, die Eltern als Kinderfreundlichkeit empfinden: Die Verkäuferin an der Fleischtheke, die dem Junior ein kostenloses Würstchen reicht, die Bäckerin die dem Baby einen "Teddy" schenkt, die Nachbarin die einfach weg hört wenn nebenan laut getobt wird - sie zeigen Eltern, dass ihre Kinder willkommen sind. "Kinderlachen ist Zukunftsmusik" - diese Erkenntnis setzt sich mehr und mehr durch.
"Kinderwagen Treppauf, Treppab? Immer! Noch nie hat ein Mensch abgelehnt!", beschreibt eine Mutter ihre positiven Erfahrungen.
"Eltern-Kind-Parkplätze" und spezielle Einkaufswagen für Babyschalen und Kleinkinder sind immer öfter anzutreffen und helfen Eltern, den manchmal etwas stressigen Alltag leichter zu bewältigen.
"Ich muss sagen, dass dieses Land wirklich kinderfreundlich geworden ist", beschreibt eine junge Mutter ihren positiven Eindruck vom hilfsbereiten Verhalten ihrer Mitmenschen.
Ein Familien-Klimawandel zeichnet sich also ab: Eltern erleben ihre Umwelt zunehmend als freundlich, tolerant und hilfsbereit.
Kinderfreundliche Gesellschaft
Es gibt unzählige Möglichkeiten für Kinderfreundlichkeit und auch wenn nicht alle umgesetzt werden, so kann doch jeder in seiner Umgebung eine Kleinigkeit für Eltern und Kinder beitragen. Basierend auf einer Umfrage bei Eltern, haben wir ein paar Vorschläge zusammengestellt.
Kinder mehr in die Gesellschaft integrieren
Kinder sollen lernen, sich in unserer Gesellschaft zurecht zu finden und
daher müssen Erwachsene ihnen die Möglichkeit geben, dies zu üben. Das kann
erfolgen, indem man einem Kind an der Kasse vielleicht anbietet ein paar Waren
über den Scanner zu ziehen oder indem der Bäcker mal einen "Kindertag"
veranstaltet, an dem die kleinen Kunden einen Blick in die Backstube werfen
dürfen oder indem der Fahrkartenkontrolleur dem Kind erlaubt, seinen Fahrschein
selbst zu entwerten. Es gibt viele Möglichkeiten, Kinder an dem teil haben zu
lassen was wir tun und sich willkommen zu fühlen. Lassen Sie Kinder schauen,
staunen, fragen, anfassen, ausprobieren, ... das Erlebnis wird dem Kind sicher
unvergesslich bleiben.
Kinder sollen als vollwertige, individuelle Menschen wahrgenommen werden, und
dabei gleichzeitig Kinder sein dürfen mit ihren besonderen Eigenarten und
Sichtweisen.
Wünsche von Eltern
- Lassen Sie „Eltern-Kind“-Parkplätze frei, wenn Sie keine oder schon größere Kinder im Auto haben.
- Parken Sie nicht zu eng neben Fahrzeugen - es ist sonst kaum möglich, eine Babyschale durch den schmalen Spalt ins Auto zu setzen oder ein Kind auf seinem Sitz anzuschnallen. Übrigens: Auch Schwangere haben es oft schwer, ihren Wagen zu besteigen wenn Fahrzeuge eng beieinander stehen.
- Bitte rauchen Sie nicht, wenn Kinder oder Schwangere im Raum sind -
weisen Sie vielleicht auch andere Raucher darauf hin.
Zigarettenrauch ist für Babys und Kinder mit ihren kleinen Lungen und ihrem höheren Pulsschlag besonders schädlich! Es macht sie zudem unruhig und nervös, verringert die Sauerstoffzufuhr, kann den plötzlichen Kindstod auslösen, ... - Nehmen Sie Störungen durch Kinder lächelnd hin, wenn diese z.B. Trotzanfälle im Supermarkt bekommen oder wenn ein Baby im Restaurant weint – Sie waren auch einmal so klein und laut.
- Wenn Sie in einem Bereich mit Kundenkontakt arbeiten, der auch von Familien genutzt wird (z.B. Behörden, Arzt, Handel, …): Setzen Sie sich dafür ein, dass hier kinderfreundliche Bereiche eingerichtet werden (z.B. Spielzeug oder Malsachen bereit legen/anbieten, …).
- Unterlassen Sie es, fremde Kinder auf der Straße oder im Laden ungefragt anzufassen. Sprechen Sie Kinder nur dann direkt an, wenn die Eltern signalisieren dass sie damit einverstanden sind. Für das Kind sind sie ein Fremder und es ist wichtig, dass Kinder lernen, nicht jedem Fremden sofort zu vertrauen. Ein freundliches Lächeln hat allerdings noch keinem Kind geschadet und ein nettes Wort über ihr Kind hören alle Eltern gern.
- Vermeiden Sie Einmischung wo sie unangebracht ist: Fragen Sie nicht die Mutter des schreienden Babys ob es vielleicht Hunger hat und ergreifen sie nicht Partei wenn ein fremdes Kind mit seiner Mutter um Süßigkeiten streitet. Ein freundlicher Hinweis (nicht belehrend), dass das Kind gerade von der Sonne geblendet wird, kommt besser an als ein unbefugter Handgriff am Kinderwagen.
- Mischen Sie sich aber unbedingt ein wenn es angebracht ist: Achten Sie auf Misshandlungen und Verwahrlosung von Kindern in ihrem Umfeld und weisen Sie Behörden darauf hin.
- Helfen Sie Kindern, die akut in Not oder Gefahr sind oder die Sie um Hilfe bitten.
- Helfen Sie gestressten Eltern, z.B. indem Sie die Mutter mit dem schreienden Kind in der Kassenschlange vor lassen – auch wenn ihr Wagen bis oben hin voll gepackt ist.
- Wenn Sie z.B. an einer Kasse arbeiten, fragen Sie ein Kind nach seinem Namen und ob es schon in den Kindergarten oder zur Schule geht. Lassen Sie ein Kind eine Ware über den Scanner ziehen, etwas abwiegen oder eine „wichtige“ Taste drücken, … – das hinterlässt viel mehr Eindruck als ein Bonbon!
- Halten Sie Eltern mit Kinderwagen stets Türen auf und bieten Sie Ihre Hilfe an Treppen, beim Einsteigen in den Bus/die Bahn, … an.
- Fahren Sie wirklich besonders vorsichtig wenn Kinder auf dem Parkplatz oder an der Straße laufen oder wenn Schulen und Kindergärten in der Nähe sind - Kinder laufen oft unerwartet los. Sie können nicht vorausschauend Gefahr erkennen, sie handeln impulsiv!
- Hundebesitzer: Viele Kinder haben Angst vor Hunden - besonders wenn das Tier größer ist als sie selbst. Die Erklärung "Der tut nichts" ist keine Garantie und wird weder Kind noch Eltern wirklich beruhigen. Nehmen Sie daher Ihren Hund an die kurze Leine wenn sich Kinder nähern und achten Sie darauf, dass sich alle beteiligten sicher fühlen - auch wenn Ihr Hund "Der Liebste von allen Hunden" ist. Und bitte entfernen Sie Kothaufen Ihres Hundes an Straßenrändern und in Grünflächen - Kinder schauen nicht so hin und treten häufig hinein. Sie würden sicher auch nicht gern in einen "Kinderhaufen" treten
- Begegnen Sie Müttern und Vätern mit Respekt. Sie leisten viel und das rund um die Uhr an allen Tagen im Jahr. Das gilt ganz besonders für Familien mit vielen Kindern.
- Unterstützen Sie besonders Alleinerziehende Mütter und Väter, wo immer es möglich ist. Bieten Sie Ihre Hilfe an.
Bitten an Eltern
Eine kinderfreundliche Gesellschaft funktioniert nur bei gegenseitiger Rücksichtnahme. Menschen ohne Kinder oder deren Kinder bereits groß sind haben auch Wünsche:
- Bringen Sie Ihren Kindern bei, Rücksicht auf andere Menschen zu nehmen und leben Sie es ihnen vor.
- Bitten Sie um Verständnis, wenn Ihr Kind in der Öffentlichkeit für Störungen sorgt und entschuldigen Sie sich für Unannehmlichkeiten – auch wenn Kinder „nun mal so sind“. So fühlen sich Ihre Mitmenschen respektiert und werden Ihrer Familie sicher mit Freundlichkeit und Nachsicht begegnen.
- Wenn Sie sich über kinderfeindliches Verhalten ärgern, schimpfen Sie nicht gleich los. Weisen Sie freundlich auf die Situation aus Ihrer Sicht hin, kommen Sie mit Ihrem Kontrahenten ins Gespräch - so erreichen Sie langfristig mehr.
- Versuchen Sie, das Ruhebedürfnis von Nachbarn mit dem Spielbedürfnis Ihrer Kinder in Einklang zu bringen und verabreden Sie Zeiten, zu denen jeder zu seinem Recht kommt (Stichpunkt Mittagsruhe).
- Fahren Sie niemandem mit dem Kinderwagen in die Hacken, sondern bitten Sie höflich um Platz oder besorgen Sie sich eine Klingel für den Kinderwagen. Vermeiden Sie es auch - wenn möglich - mit dem Kinderwagen Durchgänge zu blockieren.
Eltern untereinander
- Organisieren Sie sich! Suchen Sie nach anderen Eltern in Ihrem Umfeld und schaffen Sie eine Lobby, die sich für die Belange von Eltern und Kindern in Ihrer Gemeinde / in Ihrer Stadt stark machen (Stichwort "Bündnis für Familien").
- Schluss "Baby-und-Kinder-Olympiaden": Jedes Kind ist anders und entwickelt sich nach seinem Tempo. Vergleichen Sie nicht ständig zwischen den Kindern. Wenn der Kinderarzt mit der Entwicklung eines Kindes zufrieden ist, können Sie seinem Urteil meist vertrauen.
- Jedes Kind hat seine guten und seine schlechten Seiten. Respektieren Sie Kinder die sich wilder oder ruhiger, freundlicher oder frecher verhalten als der eigene Nachwuchs und begegnen Sie ihnen ohne Vorbehalte.
Bitte an Arbeitgeber
- Stellen Sie Väter und Mütter ein, sie sind zuverlässige Mitarbeiter denn sie tragen die finanzielle Verantwortung für Ihre Familie. Außerdem sind sie belastbar, können auch in schwierigen Situationen flexibel reagieren und verfügen über Erfahrung beim Improvisieren.
- Investieren Sie in die berufliche Weiterbildungen von Eltern, Unterstützen Sie deren Vorankommen - auch bei Elternzeit und Teilzeit.
- Bewilligen Sie den Urlaubsantrag Ihres Mitarbeiters für den Geburtstag seines Kindes.
- Zeigen Sie Verständnis, wenn Mitarbeiter bei Krankheit ihres Kindes ausfallen oder z.B. wegen eines Elternsprechtags früher gehen müssen.
- Achten Sie darauf, dass sich die Überstunden von Vätern oder Müttern in Grenzen halten, damit noch Zeit für die Familie bleibt.
- Sorgen Sie für familienfreundliche Arbeitsbedingungen, z.B. durch flexibles Zeitmanagement und Teilzeitarbeitsplätze. Schaffen Sie Arbeitszeiten oder Schichtmodelle die den Öffnungszeiten von Kindergärten gerecht werden oder sorgen Sie vielleicht für eine betriebseigene Kinderbetreuung wenn besondere Arbeitszeiten das nötig machen (z.B. in Krankenhäusern) - tun Sie sich dafür vielleicht mit anderen Firmen zusammen und lassen Sie sich dabei von www.erfolgsfaktor-familie.de unterstützen.


