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Neuigkeiten zur Allergieprävention
Autor: Meike Kollmeier (www.still-praxis.de)

Die bisherige Empfehlung lautete allergene Nahrungsmittel möglichst
lange zu meiden. Dies wird jetzt in Frage gestellt.
Es gibt erste Hinweise, dass eine frühe Exposition die Toleranz
fördert.
Es herrscht Einigkeit in der westlichen Welt, dass Beikost
keinesfalls vor Ende des vierten Lebensmonats eingeführt
werden soll.
Was geblieben ist
Die Weltgesundheitsbehörde empfiehlt nach wie vor sechs Monate
ausschließlich zu stillen und anschließend Beikost einzuführen.
Anschließend wird empfohlen die Kinder noch bis zum zweiten
Geburtstag weiter zu stillen.
Die WHO-Empfehlung basiert vor allem auf Studien, die belegen, dass
Babys, die sechs Monate gestillt werden, die geringste Sterberate
zeigen. Dies ist in weniger entwickelten Ländern besonders wichtig,
da eine hygienisch einwandfreie Flaschennahrung dort nicht immer
garantiert werden kann. Aber auch in Industrieländern zeigen
aktuelle Studien, dass gestillte Kinder niedrigere Infektionsraten
haben als Flaschenkinder und dass Stillen die Wahrscheinlichkeit
senkt, dass das Baby wegen Infektionen des Atemtraktes oder des
Darmes im Krankenhaus behandelt werden muss.
Hier hat sich etwas geändert
Fachleute sind sich einig, dass es keinen Sinn macht, Beikost vor
Ende des vierten Lebensmonats einzuführen. Der präventive Effekt des
Stillens für vier Monate ist also erwiesen. Es gibt hingegen immer
mehr kritische Stimmen, die der Meinung sind, dass es
wichtig sein könnte, Babys im Alter zwischen vier und sechs
Monaten mit Allergenen zu konfrontieren, um eine Toleranz
entwickeln.
Es gibt also immer mehr Hinweise, dass das möglichst lange meiden
von Allergenen vielleicht die falsche Strategie war.
Inzwischen ist man sich einig, dass die Reihenfolge, in der neue
Nahrungsmittel eingeführt werden, keinen Einfluss auf die
Entwicklung von Allergien hat.
Dennoch bleibt die Empfehlung bestehen, dass einzelne Nahrungsmittel
einzeln eingeführt werden sollen, um eine eventuelle allergische
Reaktion zu erfassen.
Kuhmilch im ersten Lebensjahr ist als Getränk zu meiden. Dabei geht
es nicht um die Allergenität der Milch, sondern darum, dass das
Kalzium in der Milch die Eisenaufnahme stark
herabsetzt.
Fest steht: Das Baby bestimmt den Zeitpunkt der ersten festen Kost.
Es zeigt, wann es dafür bereit ist. Dies ist sehr häufig mit sechs
Monaten der Fall, manchmal auch früher.
Noch immer wird eine Vollstillzeit von vier bis sechs Monaten
empfohlen aber die Eltern allergiegefährdeter Babys sind nicht mehr
dazu angehalten, gewisse Lebensmittel strikt zu meiden.
Für die Manifestation von Allergien sind andere
Faktoren viel bedeutsamer als der Zeitpunkt der
Beikosteinführung, z. B. Genetik, optimale
Kolonisation des Darmes mit
Bakterien, Darmreife und umweltbedingte chemische Belastungen.
Die neuste Empfehlung
Grundsätzlich sollte die Empfehlung sechs Monate zu stillen
beibehalten werden, da somit kein erhöhtes Risiko für Allergien zu
erwarten ist. Die empfohlene frühe Zufütterung im 5. Lebensmonats
sollte aber nicht zu einem vorzeitigen Abstillen führen, denn
hierbei besteht ein erhöhtes Risiko für Infekte und SIDS (=
plötzlicher Kindstod), und im späteren Leben unter anderem ein
erhöhtes Risiko für Adipositas (= starkes Übergewicht), eine
schlechtere psychomotorische Entwicklung, ungünstigerere
Kieferentwicklung und ein erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus beim
Kind.
Festzustellen ist aber auch, dass es günstig ist, Beikost
unter dem Schutz von Muttermilch einzuführen. Man muss sich
vorstellen, dass die Muttermilch den Darm mit einer Art
Schutzschicht auskleidet und so eine bessere Verträglichkeit der neu
eingeführten Lebensmittel gewährleistet ist. Die Wahrscheinlichkeit,
dass ein großer Teil der Babys im Alter von vier oder fünf Monaten
noch gestillt werden, ist höher als im Alter von sechs Monaten. So
können auch kürzer gestillte Babys von dem schützenden Effekt der
Muttermilch profitieren.
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