Zeugung im Labor - der letzte Ausweg?

künstliche Befruchtung - oft der letzte Ausweg für Paare

Wenn das Wunschbaby lange auf sich warten lässt, fragen sich Paare oft, ob eine künstliche Befruchtung die Lösung ist. Doch sollten zuerst alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft und die Ursachen geklärt sein.
Erfahre hier, welche Kosten die Kasse übernimmt und welche Möglichkeiten zur künstlichen Befruchtung  in Deutschland bestehen oder eingeschränkt sind. 

Woran liegt es?

Mangelnde Spermaqualität oder fehlende Durchlässigkeit der Eierstöcke - plötzlich stehen zwei Menschen auf dem Prüfstand und sollen die Frage klären, an wem es liegt. Untersuchungen dieser Art bedeuten für Paare eine große psychische Belastung. Angst davor, an der Kinderlosigkeit die Schuld zu tragen, belastet ebenso, wie die Angst vor dem eigenen Versagen. Darum sollte vorab darüber geredet werden, wie mit dem Ergebnis der Untersuchungen umzugehen ist. Vorwürfe oder Häme dürfen hier keinen Platz haben. Gegenseitiger Respekt und Unterstützung sind angebracht. Auch sollte geklärt werden, wie mit dem Untersuchungsergebnis bezüglich der Außenwelt verfahren werden soll: Bleibt es zwischen den Partnern oder dürfen auch Freunde und Verwandte das Ergebnis erfahren?

 

Psychische Ursachen

Oft genug ist es auch völlig unklar, warum bisher keine Schwangerschaft zustande gekommen ist: Beide bringen die notwendigen Voraussetzungen mit.
In diesen Fällen könnte die Ursache im psychischen Bereich zu suchen sein:


  • Sind wirklich beide bereit für ein Kind?
  • Wie waren eigenen Erfahrungen mit der Kindheit, den Eltern und Geschwistern? Gibt es hier belastende Ereignisse, die nicht aufgearbeitet wurden?
  • Wie sieht es mit dem persönliche Stresslevel aus (beruflich und privat)?
  • Welcher (evtl. unterschwellige) Druck wird bezüglich der Schwangerschaft von Familie und Freunden ausgeübt?

Man darf diese Einflüsse nicht unterschätzen. Schenkt man ihnen ausreichend Beachtung, kann man oft genug eine künstliche Befruchtung umgehen.

 

Was man über die künstliche Befruchtung wissen sollte

Wenn Paare nicht auf natürlichem Weg zu einer Schwangerschaft kommen und alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, bleibt diese Möglichkeit als Ausweg übrig. Leider gibt es auch auf diesem Weg keine Garantie für eine Schwangerschaft. Eine 100%-ige Erfolgschance besteht also nicht.

 

Die Befruchtung einer Eizelle mit einem Spermium ist nun losgelöst von einem sexuellen Akt und wird zum medizinischen Eingriff. Der Vorgang hat nichts Romantisches, sondern kann beide Partner ängstigen und belasten. Dennoch ist der Kinderwunsch meist so groß, dass Paare diese Maßnahme auf sich nehmen. Das verdient Achtung und Respekt - und die Unterstützung all derer, die davon wissen.

 

Oft werden mehrere Eier befruchtet und eingesetzt oder durch Hormongabe reifen mehrere Eizellen gleichzeitig heran und es kommt zu Mehrlingsschwangerschaften. Nicht immer überleben alle Embryonen und es besteht auch die Möglichkeit, dass der Körper die Schwangerschaft nicht annimmt. Dann müssen erneute Versuche unternommen werden - das Paar lebt zwischen Angst und Hoffnung.

Trotzdem gelingt es vielen Menschen, auf diesem Weg zu einem oder gar zu mehreren Kindern zu kommen und ihren Lebensplan von der Familie zu verwirklichen.

 

Ob das Kind auf natürliche Weise oder mit Hilfe einer künstlichen Befruchtung entstanden ist, wird später niemanden mehr interessieren, und auch die betroffenen Kinder selbst, haben meistens  kein Problem mit ihrer Entstehungsgeschichte.

 

Welche Methoden gibt es?

Je nach Ursache muss entschieden werden, welche Methode die größten Erfolgsaussichten hat. Ärzte in Deutschland müssen hierbei auch stets das Embryonenschutzgesetz einhalten. Außerdem ist in Deutschland die Eizellenspende ebenso wenig erlaubt wie die Leihmutterschaft. Besonders das Verbot der Eizellenspende erschwert manchen Paaren den Weg zum Kind. Meist kann dann nur der Umweg über eine Behandlung im Ausland Abhilfe schaffen. Länder wie USA, Tschechische Republik, Spanien und Belgien bieten auch deutschen Paaren diese Alternative.

Intrauterine Insemination [IUI]

Die Samenübertragung erfolgt in den Körper der Frau. Dazu kann der Samen des Partners oder eines Spenders verwendet werden. Die Spermien werden mit einem Schlauch entweder in die Gebärmutter oder in die Eierstöcke gespritzt. Diese Methode wird meist angewendet, wenn die Spermien-Qualität beeinträchtigt ist (zu unbeweglich, zu wenige). Ebenso, wenn der männliche Partner keinen Geschlechtsverkehr haben kann (z.B. Querschnittslähmung). Auch wenn der Partner eine schwerwiegende Erbkrankheit weitergeben könnte, kann eine Insemination fremden Spermas die Lösung sein.

 

In-Vitro-Fertilisation [IVF]

Der Frau werden zunächst Hormone gegeben, damit möglichst viele Eizellen heranreifen. Diese werden dann durch die Scheide abgesaugt und der Mann steuert per Masturbation Spermien bei. In einer Glasschale mit Nährlösung werden nun Eizellen und Spermien zusammengefügt, sodass dort eine Befruchtung stattfinden kann. Teilen sich die Zellen und entwickeln sich zu Embryonen, werden hiervon bis zu drei befruchtete Eizellen durch die Scheide in die Gebärmutter der Frau eingesetzt. Eine weitere Hormonbehandlung soll die Schwangerschaft unterstützen.

 

Intracytoplasmatische Spermieninjektion [ICSI]

Hierbei wird ein einzelnes Spermium des Mannes ausgewählt und verwendet. Dieses wurde entweder durch Masturbation oder (bei Verschluss des Samenleiters) durch einen operativen Eingriff gewonnen. Es wird direkt in die Eizelle hinein gespritzt. Nach erfolgreicher Zellteilung wird der Embryo mittels eines kleinen Schlauches durch die Scheide in die Gebärmutter der Frau eingesetzt. Auch hier ist vor und nach dem Eingriff die Einnahme von Hormonen notwendig.

 

Intratubarer Gametentransfer [Gift]

Bei dieser Methode werden die Eizellen und das Sperma mit einem kleinen Schlauch direkt in den Eileiter der Frau übertragen, sodass es dort zur Befruchtung kommen kann. Es ist ein operativer Eingriff mit Narkose, bei dem der Frau die Eizellen per Punktion durch die Bauchdecke entnommen und noch im selben Eingriff zusammen mit dem Sperma durch die Scheide wieder eingesetzt werden. Diese Methode gilt als veraltet und kommt nur noch selten zur Anwendung.

 

Wer trägt die Kosten?

Laut dem Sozialversicherungsgesetz haben Versicherte den Anspruch, dass  die Krankenkasse wenigstens 50% der anfallenden Kosten für die ersten drei Versuche übernimmt. Tatsächlich übernehmen einige Kassen sogar deutlich mehr, siehe diese Tabelle.

Doch die Maßnahme muss zuvor von der Kasse genehmigt werden und oft müssen dafür bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden: Neben medizinischen Voraussetzungen und einer realistischen Erfolgs-Chance, muss das Paar oft entweder verheiratet sein, oder alternativ in einer stabilen Beziehung leben, in der keiner von beiden mit einem anderen Partner verheiratet ist.
Auch werden meist nur Kosten für drei oder fünf Versuche übernommen. Je nach Kasse müssen evtl. auch Altersgrenzen eingehalten werden: Z.B. darf keiner der Partner jünger als 25 Jahre sein, der Mann nicht älter als 50 und die Frau nicht älter als 40 Jahre, doch auch hier verfahren die Kassen unterschiedlich.

Immer muss aber vorab ein Behandlungsplan vorgelegt und ein Antrag auf Kostenübernahme gestellt werden.

Kosten aus dem Eigenanteil lassen sich als "außergewöhnliche Belastung" von der Steuer absetzen.

Hat man bereits ein Kind z.B. durch In-Vitro-Fertilisation bekommen, übernimmt die gesetzliche Kasse auch erneut die Kosten für ein weiteres Kind unter den  jeweiligen Voraussetzungen.

Private Kassen übernehmen die Kosten je nach Vertragsart.

Kosten für solche Eingriffe im Ausland sollten vorab mit der jeweiligen Kasse geklärt werden.

 

Generell gibt es politisch angesichts der geringen Geburtenzahlen Bestrebungen, die künstliche Befruchtung finanziell mehr zu fördern.

 

Risiken und Nachteile

  • Hohe psychische Belastung.
  • Gefahr von Mehrlingsschwangerschaften.
  • Hohe finanzielle Belastung.
  • Hormonelle Belastung für den Körper mit Folgen wie z.B. Gerinnungsstörungen.
  • Möglichkeit der schmerzhaften Überstimulation der Eierstöcke durch Hormone.
  • Risiko von Infektionen bei den Eingriffen.
  • Narkoserisiko bei operativen Eingriffen.
  • Es gibt vermehrt Hinweise auf ein etwas häufigeres Vorkommen von Frühgeburten, Fehlbildungen und Chromosomenanomalien.
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