Der erste Pyjama passt nicht mehr - und mir laufen die Tränen

Der erste Pyjama passt nicht mehr – und mir laufen die Tränen

Warum für unsere Autorin Marie Binder eine kleine Welt zusammenbrach, als der erste Pyjama ihrer Tochter nicht mehr passen wollte.

©Milada Vigerova via Unsplash

Krawalli war sechs Wochen alt, wir hatten langsam eine Art Alltag entwickelt und lernten uns immer besser kennen. Sie wuchs und entwickelte sich prächtig – und brachte mich genau deshalb zum Weinen.

„Mein Mann kam sofort angestürmt.“

Ich hatte sie abends auf dem Wickeltisch und wollte sie für die Nacht fertigmachen. Da passierte es: Egal wie ich an ihrem Pyjama zog und zerrte, er passte einfach nicht mehr. Ich bekam ihn nicht über ihre Schultern ohne dass Krawallis Beine hochgezogen wurde – wie bei einem kleinen Frosch. Da stand ich also, total verzweifelt, weil der Moment gekommen war, in dem das erste Teil nicht mehr passte und brach in Tränen aus. Mein Mann kam sofort angestürmt, wahrscheinlich dachte er das Baby wäre mir vom Wickeltisch gefallen. Als er mich so stehen sah, blickte er mich verdutzt an. „Warum weinst du denn?“ „Der Schlafanzug geht nicht mehr zu!“ jammerte ich. Ein etwas verwirrter Blick seitens meines Mannes traf mich. „Und? Wir haben doch noch größere.“ Männer – verstehen die Psyche einer Mama einfach manchmal nicht.

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„Gestern hat er aber noch gepasst!“ schluchzte ich. „Ja, und heute eben nicht mehr. Unser Mädchen wächst halt fleißig!“ Stolzer Papa, traurige Mama. Und noch mehr Unverständnis von seitens des Mannes. „Verstehst du denn nicht? Sie ist doch erst ein paar Wochen alt, und trotzdem passen ihr die ersten Teile nicht mehr. Mir kommt es so vor, als wäre sie erst gestern auf die Welt gekommen. Sie wird so schnell groß. Bis ich mich umschaue, ist sie ein Kindergartenkind, dann ein Schulkind, dann will sie nicht mehr mit mir kuscheln oder mir vor ihren Freunden ein Bussi geben. Ehe ich mich versehe, bringt sie ihren ersten Freund nach Hause, dann schreibt sie Abitur und bevor wir es uns gedacht haben zieht sie aus.”

„Die Kindheit ist nur ein kleiner Teil eines hoffentlich langen Menschenlebens.“

Mein Mann lachte – ich weinte. Echte Tränen der Verlustangst. Weil es eben wahr ist: Mit Kindern fliegt die Zeit nur so dahin. Gut, nicht so theatralisch, wie ich das damals sah, aber es ist wirklich so: Die Kindheit ist nur ein kleiner Teil eines hoffentlich langen Menschenlebens – wir sollten also jeden Tag genießen, wenn wir unsere Kinder noch so nah bei uns haben dürfen. Und diese Gewissheit kann bei einer liebenden Mama eben auch manchmal die Tränen laufen lassen.