Der seltsamste Restaurantbesuch aller Zeiten

Der seltsamste Restaurantbesuch aller Zeiten

Ich kann es immer noch nicht fassen

©Unsplash/Rob Bye

Heute muss ich euch von dem seltsamsten Restaurantbesuch meines Lebens erzählen. Es war Spätsommer, Krawalli erst ein paar Wochen alt und wir genossen als Familie das schöne Wetter und bummelten herum. Irgendwann beschlossen wir, beim Italiener etwas zu Abend zu essen. Das Restaurant war voll, nur mit Glück ergatterten wir noch einen Tisch.

Was nervt dich am Mamasein?

„Erst überlegte ich, ob ich vielleicht irgendetwas auf der Backe kleben hatte.“

Krawalli beäugte alles interessiert, bis sie Hunger bekam. Wir hatten bestellt, warteten auf das Essen und ich stillte mein Baby zugedeckt unter meinem Stillschal. Am Tisch gegenüber saß ebenfalls eine Familie mit zwei Kindern, Mutter und Vater. Und eben diese Mutter war es, die mich ohne Unterlass anstarrte. Erst überlegte ich, ob ich vielleicht irgendetwas auf der Backe kleben hatte. Dann dachte ich: Oh Gott, das ist sicher so eine die es aufregt, dass ich in der Öffentlichkeit stille. Ich beugte mich zu meinem Mann und flüsterte ihm meinen Verdacht. Auch er sah zu der Dame, die schnell wegschaute – aber nur für wenige Sekunden, dann starrte sie mich wieder ohne Pause an. Ich versuchte sie zu ignorieren und freute mich auf meine Gnocci mit Scampi. Als unser Essen kam war Krawalli bereits seelig im Milchkoma angekommen und schnarchte leise unter dem Schal vor sich hin. Ich nahm den Schal zur Seite, legte mein Baby in meinem linken Arm zurecht und begann mit meiner rechten Hand die Gnocci zu essen. Wir hatten noch keine drei Bissen zu uns genommen, als die fremde Frau plötzlich vom Tisch gegenüber neben uns stand. Erstaunt musterte ich sie. Sagt sie jetzt etwas weil ich gestillt habe?

„Mein Mund muss weit offen gestanden haben.“

Ich überlegte schon was ich antworten wollte – doch was sie dann sagte, ließ mich erstmal sprachlos werden: „Kann ich ihr Baby zu uns an den Tisch mitnehmen? Dann können Sie in Ruhe essen.“ Mein Mund muss weit offen gestanden haben, so überrascht und entsetzt war ich. Auch mein Mann starrte sie verständnislos an, mein älterer Sohn verzog den Mund und hatte ein großes Fragezeichen im Gesicht. „Öhm, nein, also, mein Baby bleibt schon bei mir.“ Stammelte ich etwas irritiert. „Wirklich, ich kann es nehmen, dann können Sie in Ruhe essen.“ Wiederholte die fremde Frau. „Nein, danke. Ich gebe mein Baby keinen Fremden und ich kann auch so ganz toll essen. Aber danke.“ Wiederholte ich, immer noch etwas durch den Wind. Sie ging zurück an ihren Tisch und beäugte mich den Rest des Abends weiter. Bestimmt hat sie es nur nett gemeint – unheimlich fand ich das Ganze dann aber trotzdem. Der für mich wirklich seltsamste Restaurantbesuch aller Zeiten.