Was tun bei Haarausfall nach der Schwangerschaft?

Haarausfall nach der Schwangerschaft

Wenn einige Wochen nach der Geburt plötzlich die Haare ausgehen, kann dies das Babyglück ganz schön trüben. Denn eine gesund aussehende, dichte Haarpracht ist für die meisten Frauen der Inbegriff weiblicher Schönheit. Nicht verwunderlich also, wenn Betroffene in Panik verfallen, wenn sie vermehrt Haare verlieren. Doch woher kommt dieses unschöne Phänomen, welches sich bei so vielen frischgebackenen Mamas bemerkbar macht und was hilft dagegen?

Was tun bei Haarausfall nach der Schwangerschaft?

Selten sind Frauen kurz nach der Geburt rundum zufrieden mit ihrem Körper: die überschüssigen Babypfunde, die hängende Haut am Bauch, all das ist völlig normal und ganz natürlich, wenn man einige Wochen zuvor ein Baby auf die Welt gebracht hat. Deshalb können die meisten Mamas diese Überbleibsel der Schwangerschaft auch gut akzeptieren. Doch was wenn dann auch noch die Haare ausgehen? In der Bürste bleiben immer mehr Strähnen hängen, die Klamotten und das Kopfkissen sind voller Haare, nach dem Duschen ist der Siphon verstopft… Viele Frauen kennen dieses Phänomen, das etwa zwei bis drei Monate nach der Entbindung einsetzt. Manche sind kaum betroffen, andere so stark, dass die Haare büschelweise ausfallen. Was sind die Gründe für dieses sogenannte postpartale Effluvium?

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Die Hormone sind schuld

Der Dermatologe Dr. Christoph Liebich erklärt die Ursache für diese unschöne Begleiterscheinung: „Sowohl die Schwangerschaft als auch die Geburt sorgt für ein großes Hormonwirrwarr im Körper der Frau, das heißt es kommt zur Umstellung aller möglichen Hormone. Das wiederum beeinflusst die hochempfindlichen Haarwurzeln und es kann zum Haarausfall kommen.“ Doch Herr Dr. Liebich kann die Betroffenen beruhigen: „Dieser Vorgang ist reversibel, das heißt, in den meisten Fällen bildet sich alles im Laufe eines Jahres wieder zurück.“

Ein weiterer möglicher Grund ist die verstärkte Östrogenbildung während der Schwangerschaft. Das weibliche Geschlechtshormon sorgt unter anderem für eine verlängerte Wachstumsphase der Haare. Das Resultat: eine dichte, füllige Haarpracht, mit der so viele Schwangere gesegnet sind. Der Östrogen-Spiegel pendelt sich in den ersten Wochen nach der Geburt jedoch wieder auf seinem ursprünglichen Niveau ein, sodass nun auch die Haardichte wieder abnimmt. Dies ist ein völlig natürlicher Prozess, der keinerlei Behandlung bedarf. Das Stillen ist übrigens nicht schuld, wenn sich die Haare lichten.

Wann der Weg zum Arzt sinnvoll ist

Von Natur aus verlieren wir fast hundert einzelne Haare pro Tag. Das klingt viel, tatsächlich ist das aber so wenig, dass man es kaum bemerkt. Kommt einem der Verlust jedoch so stark vor, dass man in irgendeiner Weise besorgt oder verunsichert ist, kann man einen Arzt um Rat fragen. Tritt der Haarausfall bereits während der Schwangerschaft auf, ist er sehr stark oder hält er auch ein Jahr nach der Entbindung noch an, sollten Betroffene ihren Frauenarzt oder einen Dermatologen konsultieren. Denn dann könnte auch ein Nährstoffdefizit dahinterstecken, zum Beispiel ein Mangel an Eisen, Zink oder Vitaminen. Kein seltenes Phänomen, gerade in Schwangerschaft, Stillzeit oder während einer späteren zu einseitigen Diät, zur Bekämpfung der Babypfunde. Dr. Liebich erklärt: „Auch Stresssituationen können den Haarausfall verstärken, zum Beispiel durch eine Problemschwangerschaft, einer gleichzeitigen anderen Erkrankung oder wenn sich die Frau psychisch nicht wohlfühlt.“ Je nach Ursache gibt es Medikamente, die in starken Fällen helfen können, beispielsweise Nahrungsergänzungsmittel oder spezielle Haarwasser. Dies sollte aber generell nur mit ärztlicher Zustimmung geschehen und bevorzugt erst nach dem Abstillen. Eine wirklich ernste Erkrankung steckt zum Glück nur sehr selten hinter dem Haarausfall, der nach der Geburt auftritt.

Finger weg von Wundermittelchen

Der erfahrene Dermatologe aus München warnt vor jeglicher Selbstmedikation: „Wirksam wäre nur etwas, das möglicherweise für das Kind gefährlich werden könnte und davon würde ich in jeder Situation abraten.“ Auch diverse Shampoos, die als Wundermittel angepriesen werden, helfen in der Regel nicht. Alles was betroffene Mütter tun können, ist ihre tägliche Haarpflege wie gewohnt fortsetzen und vor allem: Geduld haben! Die Haare werden wieder wachsen – etwa ein bis zwei Zentimeter pro Monat. Vielleicht ist das ja die Gelegenheit für einen Frisörbesuch? Mit einem flotten neuen Haarschnitt, kann man die etwas dünner gewordene Pracht vielleicht gekonnt kaschieren. Denn das Wichtigste ist doch, dass sich die frischgebackene Mama wohlfühlt, damit sie das Babyglück ungestört und in vollen Zügen genießen kann.

Autorin: Ulrike Hahnlein