Mein Baby ist kein Allgemeingut, hört auf euch einzumischen

Mein Baby ist kein Allgemeingut

Hört also endlich auf euch einzumischen

Mutter und Vater halten ihr Baby am Strand in den Armen
©Unsplash/Jay Dantinne

„Dein Baby ist zu warm angezogen, zieh´ ihm die Mütze aus!“ Als ich vor Fassungslosigkeit nichts erwidern kann, fragt sie mich überheblich: „Verstehst du mich?“ Die Rede ist von einer mir völlig fremden Supermarktkassiererin, die kurz vor Ladenschluss ihre sieben wartenden Kunden stehen lässt, aufsteht, auf mich zukommt, um mir diese Worte an den Kopf zu knallen. Ich, mit meiner weinenden Tochter im Arm – die übrigens einfach Hunger hat – verlasse wütend und auch ein bisschen gedemütigt den Markt. Ich frage mich: Wie kann eine fremde Person die Frechheit besitzen, mir zu erklären, warum mein Baby gerade schreit und mich obendrein dabei noch duzen?

Was nervt dich am Mamasein?

Angefangen hat alles in der Schwangerschaft. Wie oft musste ich mir vermeintlich gut gemeinte Ratschläge anhören: „Ich habe ja gelesen, dass …“, „Also meine schwangere Freundin sagt immer …“, „Früher haben wir das ja ganz anders gemacht“. Nicht nur nahestehende Personen, sondern auch entfernte Bekannte, sogar Passanten, scheinen das dringende Bedürfnis zu haben, Teil meiner Schwangerschaft zu sein. Seit der Geburt meiner Tochter wird zusätzlich über das Stillen philosophiert, über Impfungen, ob das Kind getauft werden soll, wann man es am besten in die Krippe gibt und ob das Baby besser bei den Eltern oder im eigenen Bett schläft.

„Schlau daherreden ist einfach.“

Wieso mischt sich beim Thema Kinder eigentlich jeder ungefragt ein? Wie wäre wohl die Reaktion meines Umfelds, wenn ich auf einmal Karriere- oder Kochratschläge geben, meinen dicken Tanten Tipps zum Abnehmen senden und der Supermarktverkäuferin einen neuen Friseur empfehlen würde? „Deine hässlichen Strähnchen stehen dir nicht! Verstehst du mich?“

Natürlich darf jeder eine Meinung – zu jedem Thema – haben und mit mir darüber sprechen. Aber meine Tochter ist kein Allgemeingut. Schlau daherreden ist einfach. Mein Mann und ich tragen am Ende des Tages jedoch die Verantwortung für alle Entscheidungen rund um unser Kind – die guten und die schlechten. Sollte mir tatsächlich noch einmal eine Kassiererin ungefragt ihre Meinung kundtun, werde ich höflich lächeln und sagen: „Ich würde Ihre Meinung ja gerne annehmen, aber leider benötigen Sie dafür einen Beleg.“