Schmerzen beim Stillen: Wenn die Tränen fließen

Wenn beim Stillen die Tränen fließen

Auch als Langzeitstillende hatte unsere Autorin Marie Binder mit Problemen beim Stillen ihrer Tochter zu kämpfen – wunde Brustwarzen und Fieber inklusive.

Die richtige Stillposition kann das Stillen erheblich erleichtern
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Ich bin absolute Still-Befürworterin, für mich gehört es zum Mamasein dazu – genau wie dreckige Windeln oder ein Berg Bodys im Kleiderschrank. Ich stille seit über 22 Monaten. Und viele glauben, wenn jemand schon so lange stillt, dann hatte diese Mama nie Probleme. Die kennt dann all die bösen Dinge wie Milchstau, Brustentzündung, zu wenig Muttermilch oder Schmerzen in der Brust nicht. Die Langzeitstillenden, die legen ihre Babys an, wann sie wollen und schon fließt die Milch ungehindert und perfekt

Was hättest du über das Muttersein gerne vorher gewusst?

Schön wär’s, kann ich da nur sagen. Denn auch wenn ich der Meinung bin eine sehr gute Stillbeziehung zu meiner Tochter zu haben, und auch wenn ich überzeugt bin, dass mir das Stillen sicherlich leichter fällt, als manch anderer, muss auch ich sagen, dass mir das Stillen immer wieder Probleme bereitet. Und dann laufen auch bei mir mal die Tränen – aus Schmerz oder auch aus Verzweiflung.

„Meine Brüste fühlten sich an wie Beton, waren kochend heiß.“

Schmerzen kenne ich beim Thema Stillen bereits von Anfang an. Als Krawalli und ich drei Tage nach ihrer Geburt zu Hause ankamen, folgte pünktlich dazu der Milcheinschuss – und zwar so extrem, dass mir die Brüste unglaublich weh taten. Ich hatte Milch für drei Kinder – also viel zu viel. Mein Körper produzierte und produzierte, und zwar so viel, dass meine Tochter das unmöglich alles zu sich nehmen konnte. Meine Brüste fühlten sich an wie Beton, waren kochend heiß und ich bekam sogar leichtes Fieber. Keine schöne Zeit. Kalte Wickel, Schmerzmittel, eine elektrische Milchpumpe und eine unglaublich kompetente Hebamme retteten mich über diese erste schwere Zeit. Deshalb kam abstillen für mich auch nie in Frage.

Meine Mutter hatte einmal zu mir gesagt: Wenn man die ersten sechs Wochen beim Stillen geschafft hat, dann weiß man, dass es klappt. Sie hatte Recht. In dieser Zeit hatte ich nicht nur Milchstau, sondern auch wunde Brustwarzen, und zwar so stark, dass beim Stillen Blut mit abging. Für das Baby ungefährlich, für die Mutter schmerzhaft.

„Auch die Seele kann leiden und die Mutter so zum Weinen bringen.“

Stillen ist eben nicht immer einfach. Da heißt es dann wirklich manchmal Zähne zusammenbeißen. Und richtig damit umgehen. Es gibt tolle Cremes, spezielle Stilleinlagen und bestimmte Methoden zu stillen, die viele Probleme lindern können. Aber nicht nur körperlich kann das Stillen manchmal schmerzen. Auch die Seele kann leiden und die Mutter so zum Weinen bringen. Wenn die Milch, die bisher wunderbar lief, plötzlich nicht mehr so läuft. Dann heißt es zum einen herausfinden, woran es liegen könnte (falsche Ernährung, zu viel Stress oder anderes) und ruhig bleiben. Überhaupt ist das wohl der beste Tipp, wenn es um Tränen wegen des Stillens geht: Die Zeit heilt hier wirklich alle Wunden, man muss einfach ein bisschen durchhalten – und sich eine gute Hebamme oder Stillberaterin suchen. Mit ihrer Hilfe konnte ich in den letzten Jahren noch jedes so schlimm wirkende Stillproblem lösen.