Deutschland 4.0? Aber nicht im Kindergarten

Deutschland 4.0? Aber nicht im Kindergarten

Die digitale Transformation in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf. Nur an Krippen und Kindergärten wird sie scheitern. Wenn im Kindergarten etwas passiert, wird das immer noch per Aushang verkündet. Das ist auch eine gute Idee, wenn immer der gleiche Erziehungsberechtigte das Kind abholt. Aber wenn Oma dran ist und die Brille vergessen hat, werden gerade kurzfristige Aushänge auch mal übersehen.

Laptop steht auf einem Schreibtisch mit Pflanzen
©Farrel Nobel via Unsplash

Wer es noch nicht wusste: Aushänge müssen immer in Comic Sans gestaltet sein. Das ist eine Schrift, die jemand bei Microsoft erfunden hat. Leider ist sie jetzt der Untote der Typografie – immer da, wo sie nicht hingehört. Ich glaube inzwischen, dass Dokumente aus dem Kindergartenbüro nicht offiziell sind, wenn sie nicht mit Comic Sans gestaltet sind.

In unserer Einrichtung ist sogar der amtliche Briefkopf des Kindergartens in Comic Sans gestaltet.

Kann man sich nicht vorstellen, ist aber so. In der Schule ist es kaum besser.

Diese 6 ekligen Dinge fasst dein Kind täglich an

In der Erkältungszeit häufen sich auch mal beim Personal die Krankheiten. Dann wird kurzfristig geschlossen. Wenn das eigene Kind krank ist, verpufft dann auch die Informationsleistung des Aushangs. Ein befreundeter Vater hat sich jetzt in einem Facebook-Post einen iCal-Feed der aktuellen Änderungen in einer Betreuungseinrichtung gewünscht. Das finde ich irre komisch. Und in öffentlichen Einrichtungen halte ich das schlicht für unmöglich. Warum?

Die Elternbeiratsvorsitzende musste unserer Kindergartenleitung erklären, was das BCC-Feld in einer Mail ist.

Sie hat nämlich alle Mailadressen der Eltern einfach ins „An:“-Feld geschrieben. Von Menschen, die den Beruf ergriffen haben, weil sie mit Kindern arbeiten wollen, können wir nicht das erwarten, was wir als Büromenschen oder auch als Schichtarbeiter gewohnt sind: Einsatzpläne als PDF, Aufgabenliste als digitale Wand mit Klebezetteln. Dafür müssten die sich damit beschäftigen, und im Tagesgeschäft haben sie dafür keine Zeit. (Keine Ausrede. Wer mal in einer Einrichtung für Kinderbetreuung ausgeholfen hat, weiß, was ich meine.) Das meine ich also überhaupt nicht sarkastisch. Ich halte das sogar für eine absolut richtige Entscheidung ihrerseits. Und privat muss man sich von dem Stress erholen oder hat eine eigene Familie. Und digitale Fortbildung zahlt wohl keiner.

Wer also einen Kindergarten kennt, der digital kann, meldet sich bitte bei mir.

Private Einrichtungen und Elterninitiativen lasse ich dabei nicht gelten. Auch wenn einige Städte wie die Stadt München das Vergabewesen von Plätzen digitalisiert haben: Dieses Bild bekommt spätestens an der bunt beklebten Wand des Kindergartens Risse.