Wie ich meine Rolle als Vater in einem Disney-Film fand

Wie ich meine Rolle als Vater in einem Disney-Film fand

Ich bin ohne Vater aufgewachsen. Die Rollenvorbilder für meine neue Aufgabe als Papa musste ich mir also woanders suchen. Ein wichtiger Ort für meine Herzensbildung war das Kino. Heute möchte ich erzählen, welcher Disney-Filmpapa ich wäre, und warum.

©Unsplash/ Daniel Cheung

Disney-Filmpapa: ein kurzes Leben

Viele Disney-Filme kommen ganz ohne Vaterfigur aus. Das bekannteste Beispiel dürfte Bambi sein. Kinder, die auf sich allein gestellt sind. Am besten Vollwaise, nicht nur Halbwaise. Das ist natürlich ein Kunstgriff, um die Geschichten noch dramatischer zu machen.

Einer der modernen Klassiker der 90er Jahre ist „Aladin“. Darin taucht nur der Sultan auf, Jasmines Papa. Der ist ein plaudernder, herzensguter, naiver alter Mann in Pluderhosen, kein wirkliches Rollenvorbild. Nein, ich war auf der Suche nach einem liebevollen Papa, der auch gern Zeit mit seinen Kindern verbringt. Das war nämlich mein Anspruch an mein Papa-Sein. Da sein, ganz präsent, in der knappen Zeit mit den Kindern.

„Mufasa hat die Disney-Papa-Krankheit: Er stirbt leider früh!“

Buzzfeed findet ja, dass der Papa aus „König der Löwen“ den besten Disney-Papa abgibt. Ich bin mir da nicht sicher. Klar, liebevoll, mächtig, weise. Aber er hat die Disney-Papa-Krankheit: Er stirbt früh. Und sein Sohn Simba muss sich erst an seinem Tod abarbeiten. Außerdem – wer erinnert sich schon an seinen Namen, Mafusa?

Der Papa-König aus „Die Eiskönigin“? Auch Elsa und Anna sind Vollwaisen, verlieren die Eltern mitten in der Pubertät. Außerdem ist der optisch unerträglich nahe am Franzl aus „Lissi und der wilde Kaiser“, dass es kein Zufall sein kann.

Weil jetzt ja auch Star Wars und Pixar zu Disney gehören, weite ich also meine Suche ein bisschen aus. Der blödeste Satz, den ein Disney-Vater je gesagt hat, ist ja wohl: „Luke, ich bin dein Vater.“ Und dabei hat Darth Vader den nie gesagt. Er sagte: „Nein, ich bin dein Vater.“ Auch der: stirbt im besten Bösewichtalter, und im Leben seiner Kinder war der nun wirklich eine Leerstelle.

Pixar also. Mag ich fast immer, wenn es nicht gerade mit sprechenden Autos zu tun hat.

Mr. Incredible aus „Die Unglaublichen“: Den spricht in der deutschen Fassung Markus Maria Profitlich. Ganz gut gesprochen, aber bitte. Auch Synchronstimmen machen Kino im Kopf.

„Die schwierigsten Aufgaben, die Eltern überhaupt haben: Sich darauf vorzubereiten, dass ihre Kinder irgendwann mal allein in die Welt hinausschwimmen.“

 

Ich hab’s. Der Papa von Nemo, dessen Namen weiß ich sogar: Marlin. Nemo ist Halbwaise (Hallo, Disney!), und als Marlin seinen Sohn verliert, durchquert er mit der vergesslichen Dorie einen ganzen Ozean. Nur um ihn wieder in die Flossen schließen zu dürfen. Er ist ein ängstlicher Papa, eine Glucke, zu Recht so. Er hat ja auch nur noch einen Sohn, weil er seine Frau – wie auch alle anderen potenziellen Kinder – an einen Raubfisch verloren hat. Er muss ausgerechnet von der vergesslichen Dorie lernen, bei seinem Sohn auch mal loszulassen.

Das ist eine der schwierigsten Aufgaben, die Eltern überhaupt haben: Sich darauf vorzubereiten, dass ihre Kinder irgendwann mal allein in die Welt hinausschwimmen. Sein (und mein) Vorbild ist dabei die coole Schildkröte, Dude, aus dem großen Strom. Der Schildkrötenpapa lässt die kleinen auch mal machen, und hilft erst, wenn sie Hilfe brauchen. Aber das bin ich nicht. Ich bin kein Surferdad. Ich bin ein Stubenhocker, der erst glücklich ist, wenn er in der heimischen Anemone wieder heil samt Familie angekommen ist. Marlin, das bin ich.