Dammschnitt (Episiotomie): median, mediolateral oder lateral?

Dammschnitt (Episiotomie)

Spätestens beim Geburtsvorbereitungskurs muss sich jede Schwangere erstmals mit dieser Frage auseinandersetzen: Dammschnitt, ja oder nein? Die Meinungen gehen hier sehr weit auseinander. Wir wollen dir erklären, was der Dammschnitt ist, was ihn vom Dammriss unterscheidet und wie er sich auf deinen Körper auswirken kann.

Baby schreit nach der Geburt
©Pixabay

Dammschnitt: Was ist das überhaupt?

Der Damm, das ist der Muskelgewebebereich zwischen After und Vagina, muss starke Belastungen aushalten, wenn das Köpfchen des Kindes sich durch den Geburtskanal nach draußen schiebt. Nicht immer schafft es das Gewebe, diesem Druck Stand zu halten. Während der Geburt kommt es dann zu einem Dammriss, das Gewebe gibt also nach und reißt ein. Um dies zu verhindern, oder weil der Kopf des Kindes einfach nicht durch die Vagina passt, führen manche Ärzte eine sogenannte Episiotomie (Dammschnitt) durch. Bei der sogenannten Austreibungsphase und sobald sich Kopf des Kindes am Scheideneingang befindet, wird der Damm wie es der Name schon sagt, mit einer speziellen Schere eingeschnitten, um die Öffnung zu erweitern. Dies passiert meist während einer Presswehe, wenn die Haut maximal gespannt wird.

Mediane, mediolaterale und laterale Episiotomie

Der Schnitt kann in drei verschiedene Richtungen ausgeführt werden: Bei der medianen Episiotomie verläuft er senkrecht auf der Linie zwischen Vagina und Anus. Diese Methode ist am wenigsten invasiv und heilt dadurch häufig besser. Wenn der Schnitt mittig von der Vagina nach rechts unten Richtung Pobacke führt, nennt man das eine mediolaterale Episiotomie. Sie wird am häufigsten angewendet, weil sie einen längeren Schnitt ermöglicht und die Wahrscheinlichkeit, dass das Gewebe weiter reißt niedriger ist, als bei der medianen Episiotomie. Bei der sogenannten lateralen Episiotomie setzt der Arzt seitlich von der Vagina an und führt den Schnitt ebenfalls nach rechts durch. Auch wenn durch diesen Eingriff der Scheideneingang am stärksten vergrößert werden kann, ist der Eingriff so invasiv, dass die Wundheilung häufig mit Komplikationen verbunden ist und deswegen eigentlich nicht mehr angewendet wird.

Grundsätzlich wird der Dammschnitt heutzutage weniger häufig durchgeführt wie früher. Ein wichtiger Grund ist, dass das Gewebe meist viel mehr schafft, als man vielleicht vermuten würde. Die komplette Schwangerschaft über hat sich der weibliche Körper auf die Geburt vorbereitet. Die Schwangerschaftshormone machen das Gewebe des Körpers weich und elastisch und so passt im Grunde fast jedes Baby durch die Scheide, auch wenn die Vorstellung oft keine Schöne ist.

Dammschnitt oder Dammriss – was ist besser?

Mediziner und Hebammen sind zwar schon seit einigen Jahren immer häufiger der Auffassung, dass ein natürlicher Dammriss dem Dammschnitt vorzuziehen ist. Viele Frauen klagen nach dem Dammschnitt über Probleme: Schmerzen beim Wasserlassen, allgemeine Schmerzen und eine schlechte Wundheilung sind häufig negative Aspekte. Trotzdem wird die Episiotomie, wie der medizinische Ausdruck für den Dammschnitt lautet, noch immer häufig in den Kreißsälen angewendet. Die Dammschnittrate soll in Deutschland noch zwischen 40 und 60 Prozent liegen. Entgegen der Annahme, bei einem Dammschnitt würde das Gewebe weniger belastet als bei einem natürlichen Dammriss, werden beim Schnitt oftmals mehr Blutgefäße, Nerven und Muskeln durchtrennt. Hebammen bezeichnen den Damm in ihren Kursen auch gerne als „Sollbruchstelle“. Denn normalerweise haben Frauen im Genitalbereich eine schnelle Wundheilung und spüren bereits ein paar Tage nach der Geburt nichts mehr vom verletzten Damm.

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Wann muss ein Dammschnitt durchgeführt werden?

Es gibt drei Situationen, in denen ein Arzt sehr wahrscheinlich einen Dammschnitt während der Geburt durchführen wird:

  1. Verschlechtern sich die Herztöne des Babys während der Geburt, sinken sie ab und muss die Geburt beschleunigt werden, wird oft ein helfender Dammschnitt durchgeführt.
  2. Wenn das Kind zu früh auf die Welt kommt und sein Köpfchen noch nicht ganz ausgereift ist, sollte nicht zu viel Druck auf den Schädelplatten lasten. Auch hier kann ein Dammschnitt helfen.
  3. Muss das Baby mit der Saugglocke oder der Zange auf die Welt gebracht werden, muss der Arzt den Damm ebenfalls aufschneiden, um den Instrumenten mehr Platz zu geben.

Wie fühlt sich ein Dammschnitt an?

Viele Frauen merken den natürlichen Dammriss während der Geburt überhaupt nicht. Auch beim Dammschnitt sind die Schmerzen sehr gut erträglich. Etwas unangenehm ist oft das Nähen das auf den Schnitt folgt, auch wenn das Gewebe vorher betäubt wird. Es ziept und sticht ein wenig, aber nach einer Geburt sind diese Schmerzen nicht der Rede wert. Der Arzt nimmt bei der Naht selbstauflösende Fäden, die bereits zwei Wochen später verschwunden sind. Oft haben Frauen die ersten Tage Schmerzen beim Sitzen, Gehen und beim Toilettengang.

Wie heilt ein Dammschnitt schneller?

Wurde ein Dammschnitt durchgeführt, kann sich die Frau selbst ein wenig Linderung verschaffen:

  • Eine Binde mit Spitzwegerich aus der Apotheke beträufeln und diese im Kühlschrank aufbewahren. Sie kühlt danach angenehm und der Spitzwegerich hilft beim Heilungsprozess
  • Auch ein mit Wasser gefülltes Kondom, das davor im Gefrierfach war, kann den Scheidenbereich und Damm kühlen
  • Bei Schmerzen beim Wasserlassen am besten gleichzeitig warmes Wasser mit Kamillenextrakt über den Intimbereich laufen lassen – eine wahre Wohltat.
  • Die Naht sollte die ersten Tage so wenig wie möglich belastet werden, also lieber nicht zu lange sitzen.

Egal, ob du bei deiner Geburt einen Dammschnitt bekommst oder dein Damm natürlich reißt, du brauchst keine Angst davor zu haben. Um dem Ganzen ein wenig vorzubeugen kannst du ab der 34. SSW eine Dammmassage durchführen. Dafür gibt es spezielles Öl, das das Gewebe rund um den Scheideneingang und Damm weich und dehnungsfähig macht.