Eltern werden

Eltern werden – das Abenteuer beginnt

Wenn zwei Partner sich einig sind ein Kind zu bekommen, wird das Leben schnell zur Achterbahn. Vom Kinderwunsch bis zur Geburt ändert sich nun vieles in der Beziehung und es stellt sich oft heraus, dass das „Eltern werden“ nicht nur Glücksmomente, sondern auch Zweifel beschert.

 

 

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Kinderwunsch

Was manchen Paaren per Zufall gelingt, will oft trotz generalstabsmäßiger Planung manchmal nicht sofort gelingen. Nach Absetzen der hormonellen Verhütung braucht der Körper einige Zeit, um seinen eigenen Rhythmus zu finden. Bisher war dieser über Jahre hinweg durch die Einnahme von Hormonen manipuliert worden und auch die Frau kennt die normalen Signale ihres Zyklus nicht mehr  und muss ihren Körper neu kennen lernen.

Verständlich, dass man auf eine Schwangerschaft nicht lange warten will, wenn man sich doch bereits für die Familiengründung entschieden hat. Doch kann man die Monate des Wartens sehr sinnvoll für sich und das Baby nutzen:

Durch eine ausgewogene Ernährung, die Einnahme von Folsäure und den Verzicht auf Alkohol und Nikotin kann man nicht nur die Chancen einer Schwangerschaft erhöhen, sondern auch den Körper auf die Schwangerschaft vorbereiten und gute Voraussetzungen schaffen.

Mit Ovulationstests und einer genauen Beobachtung des Körpers kommen viele Frauen schneller zu einer Schwangerschaft doch sollten Paare immer im Blick behalten, dass die Liebe und nicht der Eisprungkalender im Schlafzimmer vorherrscht.

Der Test ist positiv

Endlich ist der ersehnte Streifen auf dem Schwangerschaftstest zu sehen und plötzlich ist es total normal, dem Partner einen uringetränkten Test direkt nach dem Aufwachen unter die Nase zu halten – dies ist erst der Anfang! Von nun an werden einige persönliche Schranken fallen, Undenkbares wird vielleicht normal und Normales undenkbar.

Wie sich die Partnerschaft verändert

Männliche Partner reagieren bei einer geplanten Schwangerschaft meistens sehr begeistert und auch ein bisschen stolz auf den Erfolg des Unternehmens. Ein Blumenstrauß, endlose Liebesbekundungen und plötzlich völlig übertrieben Fürsorge sind oft die direkte Folge.

Aber es geht auch anders: Manche Männer bekommen nun Angst vor der eigenen Courage. Sie erkennen, dass von nun an Vieles an ihnen hängt. Sie fühlen sich finanziell verantwortlich und haben Angst, die Erwartungen und Bedürfnisse der kleinen Familie nicht erfüllen zu können. Selbstzweifel und ein Bedürfnis nach Flucht führen dann manchmal zu ausgiebigen Abenden mit Freunden und zum Ignorieren der nahenden Veränderung. Solche Reaktionen verunsichern Schwangere natürlich und auch bei ihr entstehen plötzlich Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Partners und an seiner Eignung zum Vater.

Geduld und Gespräche können einzig als Lösung dienen. Beide Partner sollten ihre Ängste und Befürchtungen auf den Tisch bringen und Wünsche (keine Vorwürfe!) an den anderen formulieren.  Es ist wichtig, sich gegenseitig Mut zu machen und darin zu bestärken, diese Herausforderung gemeinsam zu bewältigen ist.

Auch schwangere Frauen sind nicht durchgehend mit Glücksgefühlen gesegnet. Es ist ganz normal, das Unterfangen in Zweifel zu ziehen und Angst vor den vielen Veränderungen zu haben. Auch Ängste vor einem Scheitern der Schwangerschaft oder der Partnerschaft gehören manchmal dazu. Betroffene Frauen sollten sich dann verdeutlichen, dass Ängste nur ein Gedankenspiel einiger negativer Szenarien sind, die selten zur Realität werden.

Wie sich Frauen verändern

Die offensichtlichste Veränderung einer schwangeren Frau ist natürlich der wachsende Bauch – auch wenn dieser sich erst nach einigen Wochen einstellt. Doch auch emotional sind werdende Mütter einigen Veränderungen ausgesetzt.

Da ist zunächst einmal die hormonell bedingte Launenhaftigkeit, die den Partner zur Verzweiflung bringen kann. Außerdem sind Schwangere unglaublich sensibel: Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt und unspektakuläre Filmszenen führen entweder zu minutenlangen Weinkrämpfen oder Lachanfällen – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Körperliche Beschwerden, die man eigentlich erst im fortgeschrittenen Rentenalter erwartete, treten mit Voranschreiten der Schwangerschaft immer öfter auf: Sodbrennen, Verstopfung (oft gepaart mit Hämorrhoiden), Wadenkrämpfe, Krampfadern, Wassereinlagerungen, Unbeweglichkeit, Atemnot … das volle „Uroma-Programm“!

Männern fällt es nicht immer leicht, sich das Stöhnen der Partnerin anzuhören. Schuldgefühle spielen dabei eine Rolle, denn den Partnern wird klar, dass das Unternehmen „Eltern werden“ unproportional auf Kosten des Wohlbefindens der Partnerin geht. Doch nicht nur die Unbill einer Schwangerschaft sondern auch die besonderen Momente durchlebt sie auf eine andere Art als der Mann: Die ersten Tritte des Babys, der Schluckauf im Bauch, das Gefühl nicht allein zu sein und ein neues Leben zu schaffen – hier können die werdenden Väter nur als Zaungäste dabei sein und Vieles bleibt ihnen dauerhaft unverständlich. Frauen sollten dennoch versuchen, Ihren Partner so gut wie möglich in Ihre Erlebnisse einzubeziehen.

Geburtsvorbereitungskurs

Der Gedanke an die Geburt wird in den meisten Fällen bei beiden Partnern für Unbehagen sorgen – weiß man doch gar nicht, was einen dort erwartet. Fernseh-Dokumentationen und Spielfilme liefern nur eine wage Idee von dem, was da kommt.

Ein Geburtsvorbereitungskurs soll Unsicherheiten reduzieren und beiden Partnern aufzeigen, was sie unter der Geburt zu tun haben.

Viele Männer weigern oder zieren sich, einen solchen „Hechel-Kurs“ zu besuchen. In diesen Kursen triff ihre Männer-Welt so unmittelbar und erbarmungslos auf die Welt der Frauen, dass ihnen Angst und Bange wird. Da ist plötzlich die Rede vom Becken und der Einstellung des Köpfchen des Kindes, von geplatzten Fruchtblasen, Muttermund und Nabelschnur … all diese Dinge sind durch ihn nicht kontrollierbar und klar dass „Mann“ sich auch fragt, ob man nach diesen Details je wieder Sex haben möchte.

Aber es hat sich über Jahrzehnte herausgestellt, dass die meisten Väter im Nachhinein (nämlich im Kreißsaal) sehr froh waren, einen solchen Kurs besucht zu haben denn er hilft bei der Geburt über manche Unsicherheit hinweg und macht es möglich, dass der Mann seine Frau bei den Wehen unterstützt, während sich die Hebamme um die heile Ankunft des Babys kümmert.

Ist das Kind dann endlich auf der Welt, werden aus dem Paar Eltern mit Brief und Siegel bzw. Geburtsurkunde. Sie müssen nun lernen, Vater und Mutter zu sein und dabei noch Partner im Sinne von Mann und Frau zu bleiben. Denn so viel Freude und Aufgabe ein Baby auch sein mag, an der Partnerschaft muss gerade jetzt weiterhin gearbeitet werden.