Frühgeburt - Vorbeugung, Ursachen und Behandlung

Frühgeburt – Vorbeugung, Ursachen und Behandlung

In Deutschland werden jährlich ca. 50.000 Kinder vor der Ende der 37. SSW und somit zu früh geboren. Bei 8.000 dieser Frühchen beträgt die Schwangerschaftsdauer sogar nur weniger als 30 Wochen. Bei ca. 1.000 Extremfrühchen liegt der Geburtstermin zwischen der 24. und der 25. Schwangerschaftswoche.

©Unsplash/Andrew Branch

Was sind die Ursachen für Frühgeburten?

In vielen Fällen ist eine genaue Ursache für die Frühgeburt nicht mehr feststellbar. Als Risikofaktoren gelten Vorerkrankungen der Mutter wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herzleiden. Auch während der Schwangerschaft auftretende Probleme wie Gestose, Infektionen, Muttermundschwäche, vorzeitige Wehen oder vorzeitiger Blasensprung gelten als mögliche Auslöser. Psychische und psychosoziale Probleme der Mutter wie Angst, Stress oder Probleme in der Partnerschaft können auch die Ursache sein. Infektionen im Muttermund konnten ebenfalls häufig als Auslöser festgestellt werden.

Wie kann man Frühgeburten vorbeugen?

Die beste Vorbeugung gegen eine vorzeitige Geburt ist die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt. Treten Probleme auf, so wird in den meisten Fällen Bettruhe verordnet. Oft wird mit wehenhemmenden Infusionen oder Tabletten (Tokolyse) behandelt. Sollte die Frühgeburt nicht mehr aufzuhalten sein kommt es zur Gabe eines Medikaments welches die Lungenreife beschleunigt. Es ist in diesem Falle unbedingt anzuraten, eine Klinik mit angeschlossener Frühchen-Intensivstation zu wählen. So kann ein riskanter Transporte nach der Geburt für das Neugeborene vermieden werden. Auch die Mutter hat dann die Möglichkeit, ihr Kinder jederzeit zu besuchen.

Frühgeburt – was nun?

Der erste Blick auf ihr frühgeborenes Kind ist für viele Eltern ein Schock. So gar nicht entspricht ihr Baby dem, was man sich landläufig unter einem Neugeborenen vorstellt. Nicht nur, dass es klitzeklein ist, extreme Frühchen haben dazu ein greisenhaftes Aussehen, ihre Haut ist papieren und durchsichtig, ihre Augen meist noch geschlossen, Ohren und Nasenknorpel nicht selten unausgebildet. Die Schläuche und Kabel an die ihr Kind angeschlossen ist und die unablässig kurvenschreibenden und fiepsenden Überwachungsmonitore machen vielen Eltern Angst.

In den Perinatalzentren wird man Sie ermuntern, so schnell wie möglich Kontakt zu ihrem Kind aufzunehmen. Meist dürfen die Eltern die Kinder jederzeit besuchen, mit ihnen sprechen, sie streicheln und wenn es der Zustand des Kindes zulässt, auch mit ihnen kuscheln („känguruhn“).

Sie können ihrem Kind Geschichten erzählen, Lieder summen, das Händchen halten und man wird Sie auch bald in die Pflege des Kindes einbinden (Fieber messen, Windeln wechseln, Mund auspinseln, das Kind baden, vielleicht sogar Nahrung sondieren). Nutzen Sie jede sich bietende Möglichkeit, bei Ihrem Kind zu sein. Es braucht Ihre Nähe.

Nach der Entlassung aus der Klinik

Als Daumenregel für die Dauer des anzunehmenden Klinikaufenthaltes kann gesagt werden, dass ungefähr zum errechneten Entbindungstermin das Baby nach Hause entlassen werden kann – sofern keine ernsthaften Komplikationen auftreten: Hierfür muss die Atmung des Kindes stabil sein (keine Apnoen und Bradykardien) und es muss in der Lage sein, selbständig Nahrung aufzunehmen. Das Gewicht des Kindes ist nicht so wichtig.

Video-Empfehlung

Suchen Sie sich vor der Entlassung einen Kinderarzt in Ihrer Nähe, der über Erfahrung mit Frühgeborenen verfügt. Wenn man Ihnen in der Klink nicht mit einer passenden Adressen helfen kann/will, nehmen Sie Kontakt zu den Elterninitiativen an Ihrem Wohnort auf und lassen Sie sich Kinderärzte empfehlen. Auch eine „Besichtigung“ der ausgewählten Kinderarztpraxis und ein erstes Gespräch mit dem Arzt ist zu empfehlen. Hierbei können Sie unter Umständen sogar schon ein Rezept über die von Ihrem Kind benötigten Medikamente mitnehmen, damit sie in den ersten Tagen nach der Heimkehr Ihrem Ruhe geben können und es nicht durch allzu viele Termin in Stress versetzen müssen.

Erkundigen Sie sich auch rechtzeitig nach einer Praxis für Physiotherapie, in der Kinder behandelt werden. Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt auch über die Möglichkeit, Ihr Kind in einem sozialpädiatrischen Zentrum vorzustellen. Hier wird Ihr Kind – wenn notwendig – über Jahre in seiner Entwicklung beobachtet. Etwa auftauchende Probleme können so frühzeitig erkannt und gegengesteuert werden.

Sie sind nicht allein

Erinnern Sie sich? Jährlich werden in Deutschland ca. 50.000 Frühchen geboren. Es tut gut und gibt Sicherheit, sich mit anderen Eltern auszutauschen.

Die Adressen von Elterninitiativen finden Sie auf der Seite des Bundesverbands Frühgeborener Kinder: http://www.fruehcheneltern.de oder auch hier: http://www.fruehchen-netz.de. Außerdem gibt es im Internet eine Reihe von Seiten mit ganz persönlichen Lebensgeschichten von Frühchen, z.B. – stellvertretend für viele andere Seiten . – die Geschichte von Ellert bei http://www.mini-ellert.de.

Versichern Sie sich aller Unterstützung, die Sie für sich und Ihr Kind bekommen können. Man kann heutzutage viel für Frühgeborene tun, auch für solche, die zwischen der 24. und der 25. SSW geboren werden. Aber es ist oftmals ein sehr langer Weg für den Eltern und Kinder Hilfe brauchen: von Verwandten, Freunden, Ärzten, Therapeuten, Mitbetroffenen, Kindergärten, Lehrern …