Geburtstermin genauer bestimmen

Geburtstermin genauer berechnen

Wer seinen Entbindungstermin berechnet, hat hierzu meist nur den ersten Tag der letzten Regel als Berechnungsgrundlage. Tatsächlich ist jedoch selten bekannt, wann die Befruchtung exakt eingetreten ist. Auch andere Faktoren sorgen dafür, dass die Bestimmung des Geburtstermins eher Pie mal Daumen ist. Nun gibt es Bestrebungen, die bevorstehende Geburt genauer vorauszusagen.

Schwangere liest ein Buch
©Pexels/Josh Willink

Das Problem

40 Wochen oder nur 38 oder gar 42? Niemand weiß, wie lange es wirklich dauern wird, bis das Baby zu Welt kommt. Natürlich hofft man, dass es nicht zu früh kommt – zu lange Zeit lassen soll es sich aber auch nicht. Rund um die Geburt gibt es schließlich so viel zu planen und vielleicht auch zu organisieren. Da ist z.B. der Partner, der möglichst dabei sein soll und daher entsprechend Termine und Urlaub planen will. Vielleicht muss jemand bei diesem Ereignis Geschwisterkinder hüten und daher verfügbar sein. Wie soll man das planen, wenn das Kind sowohl 2 Wochen vor als auch 2 Wochen nach dem errechneten Entbindungstermin zu erwarten ist?
Die Ungewissheit „wann es los geht“ trägt zudem bei vielen Frauen dazu bei, dass sie Angst vor der Entbindung haben: Die Unberechenbarkeit des Zeitpunkts ist schließlich auch ein gewisses Fehlen an Kontrolle … [siehe auch Geburtsangst]

Die bisherigen Berechnungsgrundlagen wurden für die Ermittlung von Mutterschutzfristen und Vorsorgeuntersuchungen verwendet und daran wird sich wohl vorerst auch nichts ändern. Wissenschaftler haben jedoch Untersuchungen bei Risikoschwangeren vorgenommen, um eine drohende Frühgeburt vorherzusehen. Einige Ärzte haben daraufhin versucht, sich diese Idee zunutze zu machen, um herauszufinden, ob dies auch für eine genauere Bestimmung der bevorstehenden Geburt anwendbar ist.

Die Methode

Zur Risikobewertung einer möglichen Frühgeburt hatten die Ärzte einentransvaginalen Ultraschall verwendet, um die Länge des Gebärmutterhals zu messen. Der Hintergrund hierfür ist, dass sich der Gebärmutterhals (Cervix) während der Schwangerschaft verhärtet, um zu verhindern, dass das Baby in den Geburtskanal rutscht. Naht die Geburt, wird der Gebärmutterhals wieder weicher, was dazu führt, dass sich dieser verkürzt. Dies gilt als Anzeichen, dass die Geburt bald erfolgt, aber wie bald?  Diese Frage hat Forscher veranlasst, zu ermitteln, wie die Länge des Gebärmutterhals mit dem Geburtstermin zusammenhängt, so dass nicht nur Frühgeburten, sondern auch Geburtstermine besser vorausgesagt werden können. Bisher war das Ergebnis dieser Studie nicht schlüssig und hat zu teils kontroversen Diskussionen geführt.

Dr. Vincenzo Berghella, vom Thomas Jefferson Universitäts Krankenhaus in Philadelphia, hat sich dem Thema neu angenommen und die Ergebisse von gleich fünf Studien zusammengetragen. Die Daten von 735 Frauen, die mit nur einem Kind (also keinen Mehrlingen) schwanger waren und deren Babys in der korrekten Geburtsposition (Kopf voraus) lagen, wurden verwendet. Dies ergab eine deutlich größere Datenlage und ließ eine neue, verbesserte Übersicht zu.

Das Ergebnis

Was diese neue Untersuchung ergab, war durchaus interessant. Dies fanden die Wissenschaftler heraus:

  • War zum Zeitpunkt des ET die Muttermundlänge länger als 30 mm, hatte die Schwangere eine Wahrscheinlichkeit von weniger als 50% in den nächsten 7 Tagen zu entbinden.
  • War zum Zeitpunkt des ET die Muttermundlänge kürzer als 10 mm, hatte die Schwangere eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 85% in den nächsten 7 Tagen zu entbinden.

Fazit

Schwangere mögen dieses Ergebnis noch als ernüchternd empfinden, muss hier doch zunächst der Entbindungstermin erreicht werden, um ein wenig genauer zu werden. Und selbst dann geht es eher um prozentuale Wahrscheindlichkeiten, als um handfeste Zeitangaben. Dennoch ist es ein deutlicher Schritt in Richtung einer genaueren Geburtsterminbestimmung und gibt zumindest zum Ende der Schwangerschaft Hinweise für die Planung.

Quelle:

„Are more accurate due dates for expectant mothers possible?“ Medical News Today, Web, 13.11.2015