Hausgeburt: Gründe und Risiken sein Baby zu Hause zu bekommen

Hausgeburt: Vor- und Nachteile auf einen Blick

Was für viele Paare unvorstellbar ist, ist anderen ein sehnliches Anliegen: Die Geburt des Kindes zu Hause. Welche Gründe dafür oder dagegen sprechen und was zu bedenken ist.

Mutter hält ihr neugeborenes Baby im Arm
©romrodinka via Bigstock

Bei dem Gedanken an die sterile und geschäftige Atmosphäre eines Krankenhauses läuft es vielen Menschen kalt den Rücken herunter, doch geht es um eine Entbindung, scheint dieser Ort unvermeidlich. Hausgeburten, so denken viele, gehören vergangenen Jahrhunderten an. Heute möchten Paare die Sicherheit einer Entbindungsklinik – möglichst mit angeschlossener Kinderklinik – nicht mehr missen.

Und doch entscheiden sich einige Frauen für eine Entbindung in den eigenen vier Wänden, meist zum Unverständnis von Freunden und Familie. Die Skepsis gegenüber Hausgeburten ist sowohl in der Bevölkerung, als auch bei Fachleuten sehr groß.

Was veranlasst Frauen zu einer Hausgeburt?

Da ist zunächst einmal der Wunsch nach der vertrauten Umgebung und eine Abneigung gegen die Hektik und Routine einer Klinik. Mütter mit Hausgeburten geben an, sich zuhause am besten entspannen und auf die Geburt konzentrieren zu können. Kein Schichtwechsel, kein Hebammenwechsel, keine hektische Fahrt zum Krankenhaus und keine Aufnahmeformalitäten – einfach nur Kinderkriegen, ganz natürlich!

7 interessante Fakten zum Geburtstermin

Eine Mutter erzählt, sie habe fünf Hausgeburten gehabt und man merke es ihren Kindern an: Sie alle sind ruhig und vertrauensvoll. Tatsächlich ist die Geburt für ein Baby die erste Erfahrung mit der Außenwelt und was es dort vorfindet, kann es mit prägen.

Die selbstbestimmte Geburt ist zudem daheim eher möglich als in einem medizinischen Betrieb, wo oft keine Zeit ist, auf Wehen zu warten, und wo Maßnahmen zur Beschleunigung der Geburt getroffen werden, weil draußen im Flur schon die nächste Schwangere auf den Kreißsaal wartet. Daheim nimmt sich die Hebamme Zeit und verändert den Geburtsvorgang nicht, sondern begleitet ihn.

Risiko Hausgeburt?

Internationale Statistiken zeigen, dass geplante Hausgeburten und Klinikgeburten mit dem gleichen Risiko behaftet sind. In der Schweiz wurde 1993 die Nationalfondstudie „Hausgeburt versus Spitalgeburt“ vorgestellt. In einem Zeitraum von vier Jahren wurden sowohl geplante Hausgeburten als auch geplante Klinikgeburten im Kanton Zürich untersucht. Aus beiden Gruppen konnten ca. 219 Paare gebildet werden, deren Voraussetzungen (Alter, Kinderzahl, Partnersituation, Gesundheitszustand, Nationalität und soziale Schicht) vergleichbar waren.

Das Ergebnis zeigte, dass das Risiko bei beiden Geburtsorten gleich war. Nur bei den medizinischen Eingriffen kristallisierte sich ein deutlicher Unterschied heraus: Bei Hausgeburten kam es zu entscheidend weniger Geburtseinleitungen, Kaiserschnitte, vaginal-operativen Eingriffen mit Zange oder Saugglocke und die Mütter erhielten weniger Schmerzmedikation und Wehenmittel.

Bei 12% der Hausgeburten kam es zu einer Verlegung ins Krankenhaus weil entweder der Geburtstermin überschritten war oder andere Gründe eine künstliche Einleitung der Geburt nötig machten. Im Ergebnis der Studie kam man zu dem Schluss, dass eine Hausgeburt genauso sicher sei wie die in der Klinik, sofern eine Überweisung in ein Klinikum bei Komplikationen kurzfristig möglich sei.

Risiken und Komplikationen unter der Geburt

Selbst bei einer komplikationsfreien Schwangerschaft und gesundem Baby ist eine Geburt ohne Zwischenfälle nicht garantiert. Es besteht die Möglichkeit dass die Plazenta dem Baby den Weg versperrt, die Nabelschnur kann während der Geburt eingeklemmt werden und somit die Sauerstoffversorgung des Babys vermindern oder die Herztöne des Kindes verschlechtern sich dramatisch – in all diesen Fällen kann ein schneller Kaiserschnitt das Baby retten und im besten Fall vor Gehirnschäden durch Sauerstoffmangel bewahren.

Auch für die Mutter gibt es Risiken: Wenn sich die Plazenta nicht oder erst zu spät löst, kann es zu starken Blutungen kommen. In der Klinik kann dann schnell mit einem Eingriff unter Narkose geholfen werden, bei einer Hausgeburt wäre eine schnelle Verlegung ins Krankenhaus nötig, welche die Frau vor dem Verbluten rettet. Jedoch kündigen sich Komplikationen unter der Geburt meist langsam an und eine erfahrene Hebamme wird die Anzeichen frühzeitig erkennen und die richtigen Schritte einleiten.

Aufklärung ist wichtig!

Oft sind sich Frauen der Risiken einer Geburt nicht bewusst und darum ist es wichtig, dass bei der Überlegung „Hausgeburt oder nicht“ genau informiert wird. Eine Hebamme mit Erfahrungen auf dem Gebiet der Hausgeburten sollte genau aufklären – dies fördert auch das Vertrauensverhältnis zwischen ihr und der Familie.

Auch entscheidet die Hebamme, ob sie eine Geburt zuhause durchführen kann oder nicht. Verschiedene Faktoren wie z.B. eine Steißlage, Mehrlinge, Vorerkrankungen oder fortgeschrittenes Alter der Mutter usw. könnten eine Klinikgeburt notwendig machen. Auch entscheidet die Hebamme ob bei einer Hausgeburt der Weg zur Klinik im Notfall zu weit wäre und somit nicht durchgeführt werden kann.

Was man beachten muss

  • Wer sich für eine Hausgeburt entscheidet, sollte sich etwa in der 12. / 13. SSW eine Hebamme suchen die auf diesem Gebiet Erfahrung hat und die einem sympathisch ist.
  • Evtl. muss die Kostenübernahme mit der Krankenkasse geklärt werden.
  • Eine Begleitperson für die Geburt ist hier genauso anzuraten wie in der Klinik – meist ist dies der Partner.
  • Sind bereits Kinder in der Familie, sollte zusätzlich jemand für die Versorgung der Kinder bereit stehen, da es kaum möglich ist, während der Presswehen Geschwisterstreitigkeiten zu schlichten, ein Marmeladenbrot zu schmieren oder eine Windel zu wechseln.
  • Man sollte ein gutes Verhältnis zum eigenen Körper haben und Schmerzen gut aushalten können, denn eine PDA ist daheim nicht möglich.
  • Die nächste Entbindungsklinik sollte nicht zu weit weg sein und man sollte im Vorfeld herausfinden ob Baustellen, Paraden & Festlichkeiten zu Verkehrsbehinderungen führen könnten.
  • Wenn eine Wassergeburt geplant ist, muss evtl. ein entsprechender Pool angemietet werden, sofern die Hebamme keinen hat.
  • Alle Materialien (Wärmelampe, Tücher, Windeln, …) müssen zur Geburt bereit liegen.

Geburtshaus: Der Kompromiss

Geburtshäuser werden von Hebammen geführt und bieten eine angenehme, entspannte Atmosphäre. Vor Ort befinden sich alle wichtigen Diagnose- und Notfallgeräte, was die Sicherheit der Geburt noch einmal erhöht. Doch auch hier muss bei ernsten Komplikationen eine Verlegung in die Klinik möglich sein.

Fazit

Frauen die unter der Geburt die Sicherheit eines Arztes und medizinischer Versorgung brauchen, um sich sicher zu fühlen, sollten die Geburt im Krankenhaus planen. Wer eine natürlichere und selbstbestimmte Geburt wünscht, keine Risikofaktoren hat und zudem in kurzer Zeit eine Klinik erreicht, kann eine Hausgeburt oder ein Geburtshaus nutzen, sofern Hebammen und Ärzte keine Bedenken haben.