Herausforderungen während der Elternzeit: Gewohnheiten ablegen

Herausforderungen während der Elternzeit

Ist der letzte Tag am Arbeitsplatz beendet, entwickeln die meisten Frauen romantische Vorstellungen davon, wie das Leben mit dem Kind sein wird. Doch ist das Baby geboren, vermissen sie oft den geregelten Ablauf ihres Arbeitstages, die Gesellschaft ihrer Kollegen und andere Gewohnheiten.

Mutter sitzt mit ihren zwei Kinder auf einem Sofa und zeigt ihnen was auf dem iPad
©Unsplash/Alexander Dummer

Dein Kind wird schnell zum Mittelpunkt Deines Lebens und das bereust Du sicher nicht. Dennoch gibt es sicher Momente, in denen Du Deinen Partner um sein Leben in der  Arbeitswelt beneidest. Er wird geistig weiterhin gefordert, kann sich über andere Themen als Kinder unterhalten, geht mittags vielleicht in die Kantine und kann dort in aller Ruhe und ohne Unterbrechung essen. Du hingegen bist zu Hause vielleicht allein und trotz aller Arbeit mit dem Kind geistig unterfordert.

Strategien für den Alltag finden

Du brauchst eine Weile, bis Du Dich an dieses Leben gewöhnt hast. Nach den ersten Monaten wirst Du wieder flexibler und baust Dir ein Umfeld auf, in dem Du Dich wohl fühlst.

Aktivitäten wie Krabbelgruppen, Babyschwimmen, Sport usw. können der Woche eine Struktur verleihen und schon bald wirst Du es zu schätzen wissen, dass Du keinem Chef mehr Rechenschaft über Deinen Tagesablauf ablegen musst und frei entscheiden kannst, wann Du etwas tust – sofern Dein Kind mitspielt.

Was nervt dich am Mamasein?

So klappt’s

„Ich habe das Gefühl, nur noch Windeln zu wechseln, Fläschchen zu bereiten und mit denselben Spielsachen vor dem Gesicht meines Sohnes herumzuwedeln“

  • Schließen neue Freundschaften und pflege auch die bisherigen. Eine Eltern-Kind-Gruppe (PEKIP, Babyschwimmen, Krabbelgruppe oder Stillgruppe) kann Dir neue Kontakte bescheren, aus denen sich oft Freundschaften entwickeln. Lerne z.B. bei „Hallo Eltern“ neue Freunde kennen. Aber umgib Dich mit Menschen, mit denen Du wirklich gern zusammen bist und nicht nur weil die Kinder das gleiche Alter haben. So vermeidest Du Frustrationen und das Gefühl, isoliert zu sein.

„Die meisten Eltern die ich kennen lernte, wollten nur über Ihre Kinder sprechen. Ich spreche auch gern über mein Kind, aber ich habe auch viele andere Interessen…“

  • Triff Dich abends mit anderen Müttern zum Reden. Einzige Bedingung: Nicht über Kinder sprechen! Das ist wie ein Kurzurlaub ohne Kinder und verleiht neue Kraft und viele Gedankenanregungen für den Alltag.

  • Mache etwas nur für Dich: Geh zum Sport, besuche einen Kurs bei der Volkshochschule, lerne eine neue Sprache – was es auch ist, es sollte nicht mit Kindern zu tun haben.

„Ich bin den ganzen Tag beschäftigt und bekomme doch nichts erledigt…“

„Ich dachte ich hätte jede Menge Zeit, die Wäsche zu waschen, einkaufen zu gehen, zu kochen und alles in perfekter Ordnung zu halten… aber meine Tochter verlangt ständig meine Aufmerksamkeit“

  • Viele Frauen denken, wenn sie erst einmal so viel Zeit zu Hause verbringen, schaffen sie es, den Haushalt in perfektem Zustand zu halten. Das ist auch wirklich kein Problem: Sie brauchen nur einen Vollzeitbabysitter oder eine Haushaltshilfe! Du hast vielleicht erwartet, zur Supermutter und –Hausfrau zu mutieren, sobald Du zu Hause bleibst. Aber tatsächlich musst Du feststellen, dass Du vieles planst und wenig davon verwirklichen kannst. Du kannst nicht immer im Park spazieren gehen, Kekse backen oder basteln. An vielen Tagen wirst Du nichts dergleichen schaffen. Aber Kinder großzuziehen ist ein schwieriger und anstrengender Job. Mache Dir das immer wieder klar und schrauben Deine Erwartung an Dich selbst herunter. Die Wäsche kann auch mal warten und Deine Wohnung ist kein Museum – sie wird benutzt. Du bist zu Hause geblieben um Mutter zu sein, nicht um Haushälterin zu werden!

  • Mache Dir klar, dass Du nicht dadurch eine gute Mutter bist, dass Due Deinem Kind ein ausgefeiltes 24-Stunden-Entertainment-Programm und tägliche Aktivitäten bietest. Dein Kind profitiert von Deiner Anwesenheit – selbst wenn Ihr gerade nichts Besonderes unternehmt.

„Ich vermisse mein Gehalt und meine finanzielle Unabhängigkeit. Die finanziellen Einschränkungen stören mich…“

  • Finanzielle Einschränkungen wegen eines Kindes scheinen in der Theorie akzeptabel, in der Praxis jedoch fällt es oft schwer, auf Dinge wie Restaurantbesuche, Reisen, neue Kleidung usw. zu verzichten. Wer vor der Entbindung schon 6 Monate lang testet, wie es mit nur einem Gehalt funktioniert, hat nicht nur eine realistische Vorstellung, sondern auch eine kleine Ersparnis, die nun zur Verwendung kommen kann. Und sollte sich in den sechs Monaten herausstellen, dass ein Gehalt nicht ausreicht, könnt Ihr rechtzeitig Alternativen für die Betreuung Eures Kindes suchen und die Elternzeit nur so weit in Anspruch nehmen, wie Ihr es sich leisten könnt und wollt. Und wenn Du nur die Reisen und Restaurantbesuche vermisst, bedenke, dass Eure Kinder nur für so kurze Zeit klein sind und dass Ihr bestimmt noch den Rest Eures Lebens Zeit habt, diese Dinge nachzuholen.

„Ich bin mir selbst fremd und weiß nicht mehr, wer ich bin… . Erst seit ich nicht mehr arbeite, weiß ich, wie sehr ich mich mit meinem Beruf identifiziert habe.“

  • Eine Auszeit vom Berufsleben kann eine große Chance für die Persönlichkeitsentwicklung sein. Du solltest Dich anderen berufstätigen Frauen oder berufstätigen Müttern gegenüber nicht minderwertig fühlen. Auch sie sind vielleicht nicht immer glücklich ohne Kinder bzw. wenn sie ihre Kinder von anderen Leuten betreuen lassen müssen.
    Viele Mütter suchen sich in der Elternzeit neue Aufgaben, arbeiten z.B. ehrenamtlich im sozialen Bereich oder engagieren sich in der Nachbarschaft. Dadurch machen sie neue Erfahrungen und erlangen neue Fähigkeiten, die sie später beruflich einbringen können. Auch die persönliche Reifung, die größere Verantwortung, das neu erlangte Organisationsvermögen machen Dich zu einer noch wertvolleren Mitarbeiterin und erleichtert Dir den Wiedereinstieg in das Berufsleben: Du leitest schließlich auch ein „Familienunternehmen“!

„Mein Mann und ich sind nicht mehr ebenbürtig… . Je länger ich zu Hause bin, desto mehr erwartet mein Mann von mir, dass ich mich um alles rund ums Heim kümmere.“

  • Viele Frauen stellen plötzlich fest, dass die ursprüngliche Gleichberechtigung in der Beziehung verloren gegangen ist. Während früher alles gemeinsam erledigt oder fair aufgeteilt wurde, finden sie sich plötzlich in einer „klassischen“ Rollenverteilung wieder. Doch viele Männer nehmen ihren Frauen bereitwillig Arbeit im Haushalt ab, wenn sie wissen, dass es deren Stress reduziert. Sprich das Thema in Deiner Beziehung an. Schaffe klare Vereinbarungen, wer für welche Tätigkeiten zuständig ist.

„Ein Tag kommt mir vor wie der andere, ich habe keine richtigen Ziele, die ich verfolgen, auf die ich hinarbeiten/-leben kann…“

  • Legen Dir Rituale zu, z.B. könntest Du jeden Freitagabend etwas Besonderes kochen und (nach der Stillzeit) ein Glas Wein trinken, um das Wochenende „einzuläuten“. So erhält die Woche ein klares Ende. Du kannst auch an bestimmten Tagen Essen gehen – auch mit Kind – oder das Kind zu den Großeltern/ dem Babysitter bringen und Dir eine unverplante Auszeit gönnen, …

„Ich kann nicht abschalten… . Ich bin so darauf programmiert schnell und effizient zu sein, dass ich mich gar nicht entspannen kann.“

  • Viele Frauen sind vom Berufsleben an einen schnellen Rhythmus gewöhnt. Alles musste unter Zeit- und Erfolgsdruck erledigt werden. Nun musst Du aber lernen, auch die kleinen Momente zu genießen: Einfach auf dem Boden sitzen und mit den Kindern zusehen, wie die Kekse im Backofen braun werden, oder sich Zeit nehmen, um zu kuscheln, schmusen, lesen, zuhören, usw.
    Auf diese Weise kann Deine Elternzeit zu dem werden, was Du Dir davon ursprünglich versprochen hattest.