Hyperemesis gravidarum – wenn die Übelkeit nicht verschwindet

Hyperemesis gravidarum – wenn die Übelkeit nicht verschwindet

Eine Hyperemesis gravidarum ist für Schwangere sehr belastend. Sie können kaum etwas im Magen behalten und die Übelkeit lässt nie nach. Bei diesen Symptomen solltest du zum Arzt.

junge Frau mit Schwangrschaftsübekeit
Erschöpft und kraftlos durch Hyperemesis gravidarum ©fizkes via Bigstock

Übelkeit und Schwangerschaft gehören zumindest im ersten Trimester irgendwie zusammen. Bei den meisten Frauen ist das Erbrechen ein erstes deutliches Schwangerschaftsanzeichen. Doch sobald sich der Körper an diese neue Situation gewöhnt hat, vergeht die Übelkeit wieder. Anders bei einer Hyperemesis gravidarum. Das ist eine schwere Form der Schwangerschaftsübelkeit und betroffene Frauen leiden an mehr als an einem flauen Gefühl im Magen – unter Umständen sogar die komplette Schwangerschaft hindurch.

Wörtlich übersetzt heißt Hyperemesis gravidarum so viel wie übermäßiges Schwangerschaftserbrechen. Und damit wird klar, wie sehr Schwangere darunter leiden. Sie müssen sich über den Tag verteilt weit mehr als fünf Mal übergeben. Selbst Wasser können sie nicht bei sich behalten. Das Gefährliche daran: Durch das übermäßige Erbrechen trocknet der Körper schnell aus und kann keine Nährstoffe mehr aufnehmen. Betroffene verlieren deutlich an Gewicht.

Ärzte ziehen die kritische Grenze bei einem Gewichtsverlust von fünf bis zehn Prozent von dem Gewicht vor der Schwangerschaft. Bei einem besonders schweren Verlauf muss eine Hyperemesis gravidarum im Krankenhaus behandelt werden. Dem Körper müssen künstlich – also über Infusionen – Nährstoffe Kohlenhydrate und Aminosäuren zugeführt werden, damit sich der Stoffwechsel wieder reguliert. Dank dieser Möglichkeiten treten lebensbedrohliche Zustände heutzutage aber nur noch äußerst selten auf.

Das hilft bei Schwangerschaftsübelkeit

Hyperemesis gravidarum: die Ursachen

Weltweit sind etwa 0,5 bis zwei Prozent der schwangeren Frauen von einer Hyperemesis gravidarum betroffen. Das bekannteste Beispiel ist wohl Herzogin Kate Middleton. Sie litt in allen bisherigen Schwangerschaften unter dem übermäßigen Schwangerschaftserbrechen. Warum bei manchen Frauen eine Hyperemesis gravidarum entsteht, ist nach wie vor nicht geklärt. Es lassen sich inzwischen aber gewisse Risikogruppen festmachen:

  • Zwillingsschwangerschaft oder Mehrlingsschwangerschaften
  • Erkrankungen der äußeren Fruchthülle (Trophoblastenerkrankungen)
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Hyperemesis gravidarum in vorausgegangenen Schwangerschaften
  • Fälle von Hyperemesis gravidarum in der Familie
  • schweres Übergewicht
  • Essstörungen (Bulimie oder Magersucht) in der Krankheitsgeschichte
  • psychische Belastung

Eine mögliche Erklärung für die starke Übelkeit ist laut Frauenärzten eine besonders hohe Konzentration des Schwangerschaftshormons hCG (humane Choriongonadotropi). Bei Mehrlingsschwangerschaften ist der hCG-Spiegeln grundsätzlich höher, als bei einer normalen Schwangerschaft, ebenso bei einer Trophoblastenerkrankungen. Daher steigt in beiden Fällen die Wahrscheinlichkeit einer Hyperemesis gravidarum.

Übermäßiges Schwangerschaftserbrechen behandeln

Natürlich ist es für die Entwicklung des Embyos nicht gut, wenn dem Körper dauerhaft Nährstoffe fehlen. Doch er kann zunächst auf eingelagerte Reserven im Körper zurückgreifen. Daher ist eine Hyperemesis gravidarum für ihn keine unmittelbar lebensgefährliche Situation. Dennoch solltest du das übel nicht unterschätzen und dir frühzeitig professionelle Hilfe suchen. Unter Rücksprache mit deinem Arzt kannst du dann Medikamente (Antihistaminika) nehmen, welche die Übelkeit und Erbrechen mildern können.

Versuche außerdem genügend zu trinken und achte auf Anzeichen einer Dehydrierung: Schwindel, dunkelgelber Urin, trockene Schleimhäute. Iss eher mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt. Fleischgerichte lieber komplett weglassen, da sie die Übelkeit verstärken können. Am besten, du isst das, was dein Körper verträgt – auch wenn es vielleicht etwas einseitig ist. Auf eine ausgewogenere Ernährung kannst du wieder achten, wenn es dir wieder besser geht.