Kaiserschnitt: medizinische Risiken und Notwendigkeit

Kaiserschnitt: medizinische Risiken und Notwendigkeit

Wenig wird unter Schwangeren so emotional und kontrovers diskutiert wie der Kaiserschnitt. Ob Frauen ein Recht auf eine schmerzfreie Geburt haben oder ob sie die Erfahrung der vaginalen Geburt verpassen und dem Kind schaden – wir werden hier kein Urteil sprechen. Aber über den Eingriff informieren sollten sich beide Seiten und auch bedenken, dass ein Kaiserschnitt oft ungeplant und dann die einzige Rettung ist.

Baby wird der Mutter nach der Geburt gezeigt
©Pixabay

Kaiserschnitt (lateinisch: Sectio caesarea)

Aus medizinische Sicht ist ein Kaiserschnitt immer dann notwendig, sobald das Leben der Mutter und/oder des Kindes durch eine vaginale Geburt in Gefahr ist. Gründe dafür können u.a. die Ablösung des Mutterkuchens, eine Querlage des Kindes oder ein Nabelschnurvorfall sein. Außerdem gibt es Fälle, wie eine Beckenendlage des Babys oder eine Mehrlingsschwangerschaft, in denen ein Kaiserschnitt eine Option ist, Kind und Mutter die Geburt zu erleichtern bzw. mögliche gesundheitliche Risiken einer vaginalen Geburt zu reduzieren.

Primärer und sekundärer Kaiserschnitt

Von einem geplanten bzw. primären Kaiserschnitt spricht man, wenn aus medizinischen Gründen bereits vor Geburtsbeginn entschieden wird, das Kind nicht durch eine vaginale Geburt zur Welt zu bringen. Beim sekundären Kaiserschnitt wird diese Entscheidung erst während der Geburt getroffen. Liegt keine medizinische Notwendigkeit für einen Kaiserschnitt vor, handelt es um einen Wunschkaiserschnitt. Er ist vermutlich die sicherste Methode, den Geburtstermin seines Kindes festzulegen. Ob es für Mutter und/oder Kind die beste Entscheidung ist, lässt sich nicht allgemein, sondern nur ganz persönlich beantworten. Bei oben genannten medizinischen Gründen ist die Sachlage meist klarer. Doch liegt keine solche Begründung vor, dürfen und müssen Frauen selbst entscheiden, ob sie sich einen Kaiserschnitt wünschen.

Wunschkaiserschnitt: Was spricht dafür, was dagegen?

Die Befürworter und Gegner vom Wunschkaiserschnitt bringen dabei verschiedene Argumente vor:

Pro:

Kontra:

  • Geringeres Geburtsrisiko für das Kind (besonders bei unvorhergesehenen Komplikationen wie z.B. Nabelschnur um den Hals)
  • Schonung für das Kind durch sanften Weg ins Leben
  • keine Schmerzen bei der Geburt für die Mutter
  • Geburtskanal bleibt „unberührt“, evtl. besser für die Sexualität
  • weniger Beckenbodenprobleme nach der Geburt
  • planbarer Geburtstermin
  • sauberer Eingriff, daher keine evtl. vermeintlich demütigenden Geburtssituationen
  • Schmerzen an der Schnittnaht nach der Geburt und dadurch weniger Beweglichkeit
  • evtl. sind später Wahrnehmungsstörungen beim Kind auf die fehlende Geburtserfahrung (Enge im Geburtskanal) zurückzuführen
  • Narbe (allerdings meist so weit unten, dass sie nicht zu sehen ist)
  • lange Zeit Taubheitsgefühl über und unter dem Schnitt
  • danach körperliche Einschränkungen bei Sport, Heben, Rückbildungsgymnastik
  • Zeitpunkt liegt meist einige Wochen vor dem errechneten Geburtstermin, daher evtl. Unreife des Kindes
  • fehlende Geburtserfahrung
  • mögliches schlechteres Bonding
  • Narkosemittel bzw. Medikamente während der Geburt
  • Risiken bei weiteren Schwangerschaften erhöht

Medizinische Risiken bei Kaiserschnitten

Leider werden in Studien immer wieder medizinische Risiken genannt, die es nötig machen, gut über einen Wunschkaiserschnitt nachzudenken und die Entscheidung nicht zu leichtfertig zu treffen. So sollen Kinder, die durch einen Kaiserschnitt geboren werden, ein höheres Risiko haben, an Asthma, Allergien und Typ-1-Diabetes zu erkranken. Außerdem besteht bei Müttern bei einem Wunschkaiserschnitt die Möglichkeit einer Infektion (z.B. der Wunde) oder einer Thrombose. Laut Frauenärzten im Netz unterliegen Frauen bei einem Kaiserschnitt einem dreimal höheren Risiko bei der Geburt zu sterben, als bei einer vaginalen Geburt. Dennoch ist die Sterberate bei Kaiserschnitten auf ihrem niedrigsten Stand.

Es kann außerdem sein, dass während weiterer Schwangerschaften nach einem Kaiserschnitt ein erhöhtes Risiko durch Narbenbildung in der Gebärmutter besteht und auch die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass erneut ein Kaiserschnitt gemacht werden muss, wegen des Risikos eines Gebärmutterrisses. Die Möglichkeit, einmal eine spontane Geburt (also vaginal) zu erleben ist somit zwar nicht ausgeschlossen, aber eher gering.

Nach dem Kaiserschnitt

Direkt nach dem Eingriff wird die Mutter zunächst medizinisch versorgt und ein, zwei Stunden im Kreißsaal überwacht. Grundsätzlich verlängert sich der Krankenhausaufenthalt im Gegensatz zur vaginalen Geburt auf circa eine Woche. Auch wenn es schwer fällt und sehr schmerzhaft ist, sollen Mütter bereits kurz nach dem Eingriff wieder aufstehen, um Embolien zu vermeiden.

Manchen Müttern fehlt nach einem Kaiserschnitt oft der Stolz, die Geburt gemeistert zu haben. Das gemeinsame Erlebnis mit dem Partner, das Kind zur Welt zu bringen, wird durch einen sterilen Operationssaal zum medizinischen Eingriff. Manchmal bleibt auch das Glücksgefühl nach der Geburt aus, das offenbar bei der spontanen Geburt mit der Ausschüttung der Hormone Endorphin und Oxytocin einher geht.

Kaiserschnittrate in Deutschland

Auch wenn die Kaiserschnittrate in Deutschland 2015 leicht zurückgegangen ist, liegt sie laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) aktuell bei 31,1 Prozent. Medizinisch notwendig sind hingegen nur 10 Prozent. Susanne Steppat, Präsidiumsmitglied des Deutschen Hebammenverbands e.V. (DHV), äußerte sich kritisch zu diesen Zahlen: „Die Kaiserschnittrate in Deutschland ist zu hoch und muss gesenkt werden.“ Und fordert einen bundesweiten Aktionsplan zur Förderung der physiologischen Geburt.

Das Land mit den meisten Kaiserschnitten ist laut WHO die Dominikanische Republik mit 56,4 Prozent.

Gründe für einen Wunschkaiserschnitt

Bevor du dich für einen Wunschkaiserschnitt entscheidest, solltest du die genannten Risiken kennen und dir überlegen, warum du eine solche Möglichkeit in Betracht ziehen willst. Oft ist es so, dass Frauen von anderen Müttern furchterregende Geburtsberichte gehört haben, so dass sie sich nicht vorstellen können, eine solche Tortur durchzumachen. Dem Ausnahmezustand einer Geburt fühlen sich manche Frauen nicht gewachsen oder eine vorangegangene Geburt wurde als traumatisch erlebt und nicht verarbeitet.

Bevor solche Ursachen den Ausschlag geben, sprich mit Müttern, die ein positives Geburtserlebnis hatten. Viele Frauen gehen gestärkt in ihrem Selbstbewusstsein und voller Stolz aus der Geburt hervor.

Traumatische Erlebnisse bei einer Geburt sollten unbedingt mit einer Hebamme besprochen werden. Erzähle was vorgefallen ist, wie du es empfunden hast und versuche herauszufinden, was schief gelaufen ist. Du hast den Anspruch deine Akte von der Geburtsklinik einzusehen bzw. zugesandt zu bekommen.

Tritt mit der Entbindungsklinik in Verbindung, in der du nun dein Kind zur Welt bringen willst. Bitte um ein Vorgespräch, in welchem du alle Erfahrungen, deine Kritik, Ängste und auch deine Wünsche äußerst. Wähle die Geburtsklinik oder das Geburtshaus mit Bedacht. Ideal ist es, wenn du von einer Hebamme durchgehend betreut wirst, die auch deine Vorgeschichte kennst und der du vertraust.

Du kannst auch eine Geburt mit Hilfe von Hypnosetechniken in Betracht ziehen, dieser Trend ist verstärkt in den USA und Großbritannien auf dem Vormarsch und verschafft Frauen eine entspannte und positive Geburtserfahrung. Hast du nach einem traumatischen Erlebnis deiner ersten Geburt eine schöne Geburt deines zweiten Kindes, so wird es dich mit dem vorangegangenen Geschehnis sicher versöhnen.

Jede spontan geplante Geburt birgt dennoch die Chance/das Risiko eines ungeplanten Kaiserschnitts, der dann dazu dient, das Leben und die Gesundheit von Mutter und Kind zu bewahren.