Mutterschutz in Arztpraxen und Zahnarztpraxen

Mutterschutz in Arztpraxen und Zahnarztpraxen

Die Arbeit in einer Arztpraxis ähnelt in vielen Dingen den Aufgaben in der Krankenpflege. Der Umgang mit Kranken und die Labor-Tätigkeiten bringen auch hier ein besonderes Risiko mit sich.Was schwangere Arzthelferinnen beachten sollten und welche Aufgaben vermieden werden müssen, findest Du hier erklärt.

Arzt hält Labortest in der Hand
©Pixabay/Darko Stojanovic

Der Arbeitgeber und das Gesetz

Das Mutterschutzgesetz (MuSchG) und ergänzend die Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz (MuSchArbV) sowie die Strahlenschutzverordnung- StrlSchV sorgen im Allgemeinen für die Anpassung der Arbeitsbedingungen.

Nach Mitteilung über die Schwangerschaft muss Dein Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes bzw. Deiner Tätigkeiten im Hinblick auf das Mutterschutzgesetz durchführen. Anhand der Gefährdungsbeurteilung kann Dein Arbeitgeber eine Liste mit Tätigkeiten in seiner Praxis erstellen, welche Du ohne Gefährdung noch ausüben kannst (z.B. Verwaltungstätigkeiten). Sind die geforderten Maßnahmen des MuSchG nicht umsetzbar und eine alternative Tätigkeit im Betrieb nicht möglich, wird der Arbeitgeber ein Beschäftigungsverbot aussprechen müssen. Die Schwangerschaft und die Gefährdungsbeurteilung müssen in der Regel dem zuständigen Aufsichtsamt (meist Gewerbeaufsichtsamt oder Gesundheitsamt) mitgeteilt werden.

Gefahrenblatt

Dein Arbeitgeber muss eine Auflistung aller im Betrieb verwendeten chemischen Mittel (z.B. Reinigungsmittel) führen, aus der hervor geht, welche Gefahren davon ausgehen. Diese Liste hilft Dir, herauszufinden mit welchen Stoffen Du nicht mehr arbeiten darfst. Mehr dazu findest Du unter Gefährliche Stoffe, Einstufung von Gefahrenstoffen.

Allgemein gilt …

  • Arbeiten zwischen 20 Uhr und 6 Uhr sind untersagt
  • Sonn- und Feiertagsarbeiten sind untersagt
  • eine tägliche Arbeitszeit von 8,5 Stunden bzw. 8 Stunden bei Minderjährigen darf nicht überschritten werden
  • regelmäßiges Tragen von mehr als 5 kg und gelegentliches Tragen von 10 kg ist untersagt
  • Dein Arbeitgeber muss Dich für ärztliche Untersuchungen im Zusammenhang mit der Schwangerschaft von der Arbeit freistellen, Ausfallzeiten hierdurch oder durch Krankheitstage dürfen nicht auf Deinen Urlaub angerechnet werden.
  • weitere Regelungen aus dem MuSchG findest Du HIER ERKLÄRT >>

Beschäftigungsverbot

Unterschieden wird zwischen einem Beschäftigungsverbot und dem „individuellen“ Beschäftigungsverbot.

Ein Beschäftigungsverbot wird ausgesprochen, wenn die Einhaltung des Mutterschutzgesetzes am Arbeitsplatz nicht möglich ist und eine angemessene Ersatztätigkeit nicht gefunden wird.

Beim individuellen Beschäftigungsverbot bescheinigt der Frauenarzt der Schwangeren, dass die fortgesetzte Beschäftigung dem Wohl der Schwangeren und / oder des Kindes schaden und sie daher nicht mehr beschäftigt werden darf.

Zusätzliche Gefahren in Kinderarztpraxen

Schwangere, die nicht gegen Ringelröteln immun sind, dürfen bis zur 20. Schwangerschaftswoche nicht in Kinderarztpraxen tätig sein.

10 bis 30 Prozent aller Kleinkinder – auch gesunde Kinder bis zu fünf Jahren – scheiden das Zytomegalievirus aus. Das Virus kann Erkrankungen des ungeborenen Kindes hervorrufen. Um schwangere Mitarbeiterinnen in der Arbeit mit Kindern unter drei Jahren weiter zu beschäftigen, müssen sie entweder über Immunität verfügen oder es müssen entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen getroffen werden, wie das Tragen von Atemschutzmasken oder Schutzhandschuhen. Im besten Fall werden schwangere Mitarbeiterinnen von diesen Arbeiten freigestellt.

Folgende Tätigkeiten soll eine Schwangere in der Arztpraxis nicht ausüben:

  • 1 Blutzucker messen, sofern dabei eine Lanzette verwendet wird
    1 Heparin oder Insulin spritzen (subkutan)
  • andere Injektionen wie z.B. Impfungen vornehmen oder Schmerzmittel i.m. injizieren
    1 Blut abnehmen.
  • chirurgische Eingriffe
  •  Labortätigkeiten mit Risiko des ungeschützten Blutkontaktes
  •  Desinfektion, Sterilisation auf der unreinen Seite
  • kein Einsatz im selben Raum, in dem mit Ethylenoxid zum Sterilisieren gearbeitet wird.
  • Umgang mit Formaldehyd wenn dabei Grenzwerte überschritten werden
  • Umgang mit fruchtschädigenden, krebserregenden oder erbgutverändernden Substanzen (wie zum Beispiel Benzol oder Bleichromat)
  • Auch Inhalationsnarkotika und Narkosegase zählen zu den Gefahrenstoffen. Schwangere MFA, die im Bereich der Anästhesie arbeiten, sollen sich nur dort aufhalten, wo der zulässige Grenzwert für Narkotika in der Luft gemessen und dauerhaft unterschritten wird.
  • Beschäftigung im Aufstellungsraum des Kernspintomographen (NMR, MRI) während dessen Betriebes
  • Beschäftigung im Kontrollbereich mit ionisierenden Strahlen
  • Versorgung von infizierten Wunden
  • Patienten mit Rasierklingen rasieren
  • in Zahnarztpraxen: am Behandlungsstuhl tätig sein
  • Kontakt mit ansteckenden Patienten (mit Husten, Durchfall, …) haben
  • Blut-, Urin- oder Stuhlproben untersuchen, bzw. Arbeiten mit Körperflüssigkeiten, die Krankheitserreger enthalten können
  • vorbereiten oder arbeiten mit Zytostatika Infusionen und kein Katheter ziehen nach Zytostatika Infusionen (auch Ausscheidungen von Chemotherapie-Patienten gelten als krebserregend)
  • Umgang mit Patienten, denen radioaktive Stoffe appliziert wurden, sowie mit deren Ausscheidungen

Erhöhte Infektionsgefahr besteht in:

  • Kinderarztpraxen
  • Lungenfacharztpraxen
  • Dialyseeinrichtungen

Infektionskrankheiten die besonders gemieden werden sollten:

  • Ringröteln
  • Varizellen
  • Zytomegalie
  • Virushepatiden

Eine Infektion muss am Arbeitsplatz ausgeschlossen werden.

Der Arbeitgeber ist bei erhöhter Infektionsgefahr dazu verpflichtet, für eine angemessene arbeitsmedizinische Versorgung zu sorgen. Diese sind u.a. arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen und arbeitsmedizinische Beratung.

Strahlenbereiche

Es besteht beim Umgang mit ionisierenden Strahlen bzw. Radionukliden ein generelles Beschäftigungsverbot im Sperrbereich.

Ein Zutritt im Kontrollbereich ist Dir nur dann erlaubt, wenn der fachkundige Strahlenschutzverantwortliche oder der Strahlenschutzbeauftragte dies ausdrücklich gestattet und durch geeignete Überwachungsmaßnahmen sicherstellt, dass der Dosisgrenzwert von 1 Millisievert (mSv) für das ungeborene Kind vom Zeitpunkt der Mitteilung der Schwangerschaft bis zur Entbindung nicht überschritten wird.

Eine solche Strahlenexposition muss in jeder Arbeitswoche neu ermittelt und dokumentiert werden. Es müssen zudem triftige Gründe (z. B. Durchführung oder Aufrechterhaltung der Betriebsvorgänge, oder Erreichung Deines Ausbildungszieles) vorliegen, welche Deine Anwesenheit erforderlich machen.

Gesetzesgrundlagen & Hinweise

Weitere Einzelheiten zu den Regelungen, Ausnahmen und Sondersituationen findest Du in den entsprechenden Gesetzestexten, die gar nicht so schwer zu verstehen sind.

Darüber hinaus bieten viele Bundesländer im Internet zusätzlich Informationen für Mitarbeiter in der Krankenpflege oder andere Berufsgruppen an.

Ansprechpartner außerhalb des Betriebs sind die jeweiligen Ämter für den Arbeitsschutz, z.B. das Gewerbeaufsichtsamt, Gesundheitsamt … (je nach Bundesland unterschiedlich geregelt).

Wichtiger Hinweis:

Diese Inhalte erheben keinen Anspruch auf Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität. Sie sind das Ergebnis einer Recherche, jedoch keine Rechtsberatung und auch keine Anleitung zum Verhalten in der Schwangerschaft. Hallo-Eltern.de und seine Mitarbeiter übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch das Beachten dieses Artikels entstehen.

Für weiterreichende Informationen oder für eine Beratung empfehlen wir, sich an die zuständige Aufsichtsbehörde (z.B. Gesundheitsamt, Gewerbeaufsichtsamt, …) oder die Personalvertretung oder eine Gewerkschaft zu wenden. Evtl. ist auch eine Rechtsberatung notwendig. Dieser Artikel soll lediglich über verschiedene Aspekte des Mutterschutzes bei Schwangeren informieren.