Das Mutterschutzgesetz - erklärt

Mutterschutzgesetz: Wir erklären, was dahintersteckt

Schwangere stehen unter dem besonderen Schutz des Gesetzes. Ihr Wohl und das des Kindes gelten als hohes Rechtsgut. Eine Reihe von Regeln sollen dies beschützen. Das Mutterschutzgesetz bezieht sich vornehmlich auf die Zeit der Schwangerschaft und der Stillzeit.

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Im Bus für eine schwangere Frau aufzustehen oder sie an der Kasse vorzulassen damit sie nicht so lange stehen muss…  so etwas findet sich nicht im Mutterschutzgesetz. Es beschäftigt sich vielmehr mit dem Arbeitsleben von Frauen, und wie dort mit ihnen umgegangen werden darf bzw. muss.

Warum müssen Schwangere besonders geschützt werden?

Vielen Männern und kinderlosen Frauen entzieht sich der Sinn des Mutterschutzgesetzes. „Schwangerschaft ist keine Krankheit“ ist oft das Argument, mit dem sich schwangere Frauen durch Vorgesetzte oder Kollegen konfrontiert finden.

Auch wenn die Aussage richtig ist, so berücksichtigt sie nicht die besonderen Umstände der Situation. Eine Schwangerschaft bringt eine Vielzahl von körperlichen Veränderungen und Beschwerden mit sich, zudem können bestimmte Belastungen zu Komplikationen wie z.B. Blutungen, Frühgeburt, Fehlbildungen etc. führen – im schlimmsten Fall sogar zum Tod des Kindes. Darum ist es so wichtig, dass die Richtlinien des Mutterschutzes umgesetzt und streng eingehalten werden.

Nicht krank, aber schwanger

Was bei schwangeren Frauen anders ist:

  • Schwangere haben schon bei Beginn der Schwangerschaft ein größeres und stetig steigendes Blutvolumen, daher pumpt das Herz mehr und öfter (erhöhte Herzfrequenz), der Blutdruck steigt im Laufe der Schwangerschaft ebenfalls. Neben dem eigenen Körper muss auch die Plazenta für das Baby versorgt werden. Dies bedeutet ununterbrochen zusätzliche Anstrengung für den Körper und führt oft zu starker Müdigkeit, Schwindel, Erschöpfung. Zudem ist die Thrombosegefahr erhöht, besonders bei langen stehenden oder sitzenden Tätigkeiten.
  • Der Bandapparat des Körpers lockert sich, die Körperstatik verändert sich durch den wachsenden Bauch. Dies führt zu geringerer Stabilität, einem oft gestörten Gleichgewicht, Bewegungseinschränkungen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Rückenschmerzen
  • Durch den wachsenden Uterus und das wachsende Baby, werden Organe verschoben und eingeengt. In der Folge kommt es z.B. zu Atemnot (Kind drückt auf die Lunge), Verdauungsbeschwerden oder Sodbrennen
  • Hormone sorgen für starke Stimmungsschwankungen, die Schwangere ist seelisch weniger belastbar und emotional überaus empfindlich gegenüber ihrem Umfeld. Der Geruchs- und Geschmacksinn ist oft gestört und überempfindlich, dies kann zu Übelkeit und Erbrechen führen – manchmal sogar bis zum Ende der Schwangerschaft.
  • Durch eine Vielzahl von körperlichen Beschwerden (z.B. häufiges Wasserlassen, Sodbrennen) und im weiteren Verlauf auch durch die Aktivitäten des Babys, ist der Schlaf von Schwangeren oft massiv gestört. Die Konzentrationsfähigkeit ist eingeschränkt. Zusätzlich machen sich alle Schwangeren Sorgen um ihr Baby, darüber, wie die Zeit nach der Geburt sein wird usw., was zusätzlich ablenkt oder den Schlaf beeinträchtigt.
  • Das zusätzlich Gewicht durch das Kind, Fruchtwasser, die Plazenta, Wassereinlagerungen und vergrößerte Brüste sorgen für zusätzliche Anstrengung.

Vor was müssen Schwangere geschützt werden?

  • Ansteckung mit Krankheiten, die Schäden am ungeborenen Kind verursachen können (z.B. Röteln) oder die in der Schwangerschaft nicht mit Medikamenten oder medizinischen Eingriffen behandelt werden dürfen.
  • Substanzen, die Schäden am ungeborenen Kind verursachen können (chemische Dämpfe, Reinigungsmittel).
  • Strahlen, die Schäden am ungeborenen Kind verursachen können (z.B. Röntgenstrahlung).
  • körperliche Belastungen (z.B. starkes strecken, schweres heben und tragen), die Blutungen oder Komplikationen (z.B. Frühgeburt, Plazentaablösung) führen können.
  • Aktivitäten die zu einer schlechten Blutversorgung des ungeborenen Kindes führen können (z.B. langes stehen oder langes sitzen).
  • Aktivitäten die zu einer schlechteren Sauerstoffversorgung des ungeborenen Kindes führen können (alles was die Schwangere außer Atem geraten lässt).
  • Unfälle und Verletzungen durch die veränderte Körperstatik.

Risiko und Realität

Als Schwangere ist man – wie jeder andere Mensch – den Gefahren des Alltags ausgesetzt. Unfälle, Ansteckung mit Krankheiten, einatmen von Abgasen an der Straße – manches lässt sich nicht vermeiden. Doch viele Arbeitsplätze bergen ein erhöhtes Risiko und daher müssen besondere Maßnahmen erfolgen. Selbstverständlich kann man sich z.B. auch in einem vollbesetzten Bus mit einer Krankheit anstecken, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit, das dieser Fall eintritt, in einer Arztpraxis deutlich höher. Eine Gefährdung, die über das normale Maß hinaus geht, soll durch das MuSchG vermieden werden.

Wenn also eine Schwangere im Beschäftigungsverbot mit dem Bus fährt, so ist das unter normalen Umständen durchaus rechtens.

Im privaten wie im Arbeitsleben müssen Schwangere sich und ihr Baby vor Schaden schützen – und zwar von Anfang an. Welche Phasen der Schwangerschaft zu Fehlgeburten oder Fehlentwicklungen durch äußere Faktoren führen können, findest Du hier:

Was steht im Mutterschutzgesetz (MuSchG)?

Eine grobe Zusammenfassung:

  • Das Mutterschutzgesetz gilt für alle Frauen in einem Beschäftigungsverhältnis während der Schwangerschaft und Stillzeit.
  • Der Arbeitgeber muss…
    • den Arbeitsplatz und Arbeitsgerät so zu gestalten, dass Leben und Gesundheit von Schwangeren und Stillenden geschützt ist.
    • Sitzgelegenheiten und kleine Sitzpausen ermöglichen, wenn die Schwangere überwiegend im Stehen oder Gehen beschäftigt ist.
    • kurze Bewegungspausen ermöglichen, wenn die Schwangere überwiegend im Sitzen beschäftigt ist.
    • zur Vermeidung von Gesundheitsgefährdungen Liegeräume für Schwangere und Stillende einrichten.
  • Die Aufsichtsbehörde kann im Einzelfall weitere Auflagen am Arbeitsplatz anordnen.
  • Schwangere dürfen …
    • nicht beschäftigt werden, wenn ein ärztliches Attest die Gefährdung von Mutter und Kind durch die Arbeit bescheinigt.
    • ab 6 Wochen vor dem Entbindungstermin nicht mehr beschäftigt werden, es sei denn sie erklären sich mit einer Beschäftigung ausdrücklich einverstanden.
    • nicht mit schweren körperlichen Arbeiten beauftragt werden.
    • nicht gesundheitsgefährdenden Stoffen ausgesetzt werden, nicht Strahlen, Staub, Dämpfen, Gasen, extremer Hitze oder Kälte, Nässe, Erschütterung oder Lärm.
    • regelmäßig mehr als 5 kg tragen, bewegen oder befördern.
    • Gelegentliches mehr als 10 kg Gewicht von von Hand und ohne Hilfsmittel tragen, bewegen oder befördern .
    • keine Maschinen oder Geräten mit Fußbeanspruchung / Fußantrieb bedienen.
    • bei einem Beschäftigungsverhältnis über mehr als 4 Stunden täglich nicht nach dem 5. Monat mit Arbeiten beauftragt werden, bei denen sie ständig stehen müssen.
    • Holz schälen
    • nach Ablauf des 3. Monats auf Beförderungsmitteln arbeiten.
    • Akkordarbeit leisten
  • Häufiges erhebliches strecken und beugen sowie Tätigkeiten in überwiegend gehockter oder gebückter Haltung sind verboten.
  • Arbeiten mit erhöhter Gefahr einer Berufskrankheit ausführen
  • Keine Tätigkeiten mit erhöhter Unfallgefahr (ausrutschen, stürzen, …)
  • Fließbandarbeit mit vorgeschriebenem Arbeitstempo ist verboten. (Ausnahme durch Aufsichtsbehörde ist möglich)
  • Weitere Beschäftigungsverbote können durch die Aufsichtsbehörde oder die Bundesregierung festgelegt werden.
  • Die Schwangere soll dem Arbeitgeber ihren Zustand und den Entbindungstermin bekannt geben, sobald sie davon weiß, ist hierzu jedoch nicht verpflichtet.
  • Der Arbeitgeber darf die Nachricht von der Schwangerschaft nicht an Unbefugte weitergeben.
  • Die Kosten für den ärztlichen Nachweis der Schwangerschaft und des Entbindungstermins muss der Arbeitgeber erstatten.
  • In den 8 Wochen nach der Entbindung (bei Frühchen und Mehrlingen sind es 12 Wochen) besteht ein Beschäftigungsverbot.
  • Beim Tod des Kindes kann die Mutter auf ausdrücklichen Wunsch und mit ärztlichem Attest schon nach 2 Wochen wieder arbeiten.
  • Frauen, die nach ärztlichem Attest in den ersten Arbeitsmonaten nach der Geburt nicht voll belastbar sind, dürfen keine Arbeiten ausführen, die ihre Leistungsfähigkeit übersteigen.
  • Im § 7 wird beschrieben, welche Maßnahmen für Mütter in der Stillzeit gelten, wie z.B. Pausen zum Stillen ohne Verdienstausfall etc.
  • Mehrarbeit und Nachtarbeit (zwischen 20:00 und 6:00 Uhr) ist untersagt, für bestimmte Berufsgruppen gibt es hierzu Ausnahmen.
  • Es dürfen nicht mehr als 80 Stunden in der Doppelwoche gearbeitet werden bzw. 70 Stunden bei Minderjährigen Schwangeren.
  • Sonn- und Feiertagsarbeit ist untersagt, jedoch gilt für einige Berufsgruppen die Ausnahme, sofern der Tag in der Woche durch eine 24 Stunden Pause nach einer Nachtruhe ausgeglichen wird.
  • Schwangeren Frauen kann nicht gekündigt werden, umgekehrt kann jedoch die schwangere Frau dem Arbeitgeber kündigen. Ausnahmen vom Kündigungsschutz sind bei entsprechender Begründung möglich.
  • Zusätzliche Regeln zum Kündigungsverbot gelten für Frauen in Heimarbeit.
  • Bei einem Beschäftigungsverbot darf der Schwangeren kein Verdienstausfall entstehen. Ihr Verdienst wird nach den letzten 13 Wochen oder 3 Monaten vor Eintreten der Schwangerschaft berechnet.
  • § 13 und 14 regeln die Zahlung des Mutterschaftsgelds und den Zuschuss zum Mutterschaftsgeld.
  • § 15 legt die Leistungen für Schwangere dar: Betreuung durch Ärzte und Hebamme, Versorgung mit Arznei, Verbänden und Hilfsmitteln, stationäre Entbindung, häusliche Pflege und Haushaltshilfe.
  • Der Arbeitgeber muss die Schwangere für Untersuchungen im Rahmen ihrer Schwangerschaft / Mutterschaft freistellen und darf ihr diese Zeiten nicht vom Lohn abziehen.
  • § 17 behandelt den Umgang mit dem Urlaubsanspruch der Schwangeren.
  • Der Fünfte und sechste Abschnitt des MuSchG behandelt die Pflichten des Arbeitgebers, sowie die Konsequenzen aus vorsätzlicher oder fahrlässiger Missachtung des MuSchG (u.U. bis zu 15.000 € Strafe oder sogar Freiheitsentzug).

Der genaue Wortlaut und detaillierte Regelungen des MuSChG >>

Ergänzend zum MuSchG wirkt die Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz (MuSchArbV).