Pränataldiagnostik – Teil 1

Pränataldiagnostik – die Standard-Untersuchungen

Die Zeit der Schwangerschaft ist zumeist nicht nur durch freudige Erwartung und Glücksgefühle geprägt, auch Sorgen um mögliche Erkrankungen und Fehlbildungen des Kindes machen sich bei vielen werdenden Eltern bemerkbar. Spätestens jetzt müssen diese sich Gedanken über pränatale (= vorgeburtliche) Untersuchungen machen. Gynäkologen und Hebammen können dabei beratend zur Seite stehen, die endgültige Entscheidung liegt aber allein bei der Schwangeren.

Der Bauch einer Schwangeren
©Pixabay

Was ist Pränataldiagnostik?

Pränataldiagnostik umfasst alle Untersuchungen vor der Geburt. Damit soll festgestellt werden, ob sich das Ungeborene „normal“ entwickelt oder ob bestimmte Erkrankungen oder Fehlbildungen vorliegen. Aufgeteilt wird pränatale Diagnostik in invasive und nicht-invasive Verfahren:

  • Nicht-invasive (= nicht eindringende) Verfahren gelten als risikolos, zu ihnen gehören z.B. Ultraschalluntersuchungen und Untersuchungen des mütterlichen Blutes.
  • Invasive (= eindringende) Verfahren bezeichnen Untersuchungen, die in den Körper der Schwangeren eindringen, wie z.B. Fruchtwasser- und Nabelschnurpunktion. Diese sind sehr umstritten, da sie mit einem eingriffsbedingten Abortrisiko (= Risiko einer Fehlgeburt) verbunden sind. Sie sollten daher nur bei Risikoschwangerschaften, bei konkreten Hinweisen auf Fehlbildungen oder bei familiär gehäuften Erkrankungen in Betracht gezogen werden und erst nach ausführlicher Beratung erfolgen. Die meisten invasiven Eingriffe werden nur in wenigen darauf spezialisierten Kliniken durchgeführt.

Wann ist eine Schwangerschaft eine Risikoschwangerschaft?

Nach den Mutterschaftsrichtlinien wird eine Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingestuft, bei

  • schweren Erkrankungen oder starkem Übergewicht der Mutter
  • vorangegangenen Sterilitätsbehandlungen
  • wiederholten Fehl-, Früh- oder Totgeburten in der Vergangenheit
  • vorangegangenen Entbindungen von Babys mit über 4 kg Geburtsgewicht oder von geschädigten oder mangelentwickelten Kindern
  • schweren Komplikationen früherer Geburten
  • Mehrlingsgeburten
  • früheren Gebärmutteroperationen
  • Erstgebärende unter 18 oder über 35 Jahren, sowie bei Mehrgebärenden über 40 Jahren und bei Vielgebärenden mit mehr als vier Kindern
  • Komplikationen während der aktuellen Schwangerschaft, wie z.B. Präeklampsie, Nierenbeckenentzündung, drohende Fehlgeburt.

Vorsorgeuntersuchungen – auch das ist Pränataldiagnostik!

Anfangs alle vier, später alle zwei Wochen, stehen die Vorsorgeuntersuchungen an. Dabei werden routinemäßig eine Reihe von Kontrollen durchgeführt:

  • Bluttests
    Bei der erstmaligen Blutentnahme wird die Blutgruppe der Mutter und der Rhesusfaktor bestimmt. Außerdem werden im Labor die Abwehrkräfte gegen bestimmte Infektionskrankheiten, z.B. Röteln überprüft. Bei jeder Vorsorgeuntersuchung wird außerdem mit einem Blutstropfen aus der Fingerspitze der Eisenwert bestimmt, der gegebenenfalls mit Eisenpräparaten korrigiert werden muss.
  • Blutdruckmessung
    Ein zu hoher oder zu niedriger Blutdruck können dem Baby schaden und Anzeichen für Krankheiten wie beispielsweise eine Präeklampsie (Gestose) sein, die behandelt werden muss.
  • Urinuntersuchung
    Dabei werden vor allem die Konzentrationen von Eiweiß und Leukozyten gemessen. Zu hohe Werte können auf Krankheiten wie Präeklampsie oder Entzündungen bei der werdenden Mutter (hohe Leukozytenkonzentration) hindeuten.
  • Herzkontrolle
    Ab der 12. Woche werden die Herztöne des Ungeborenen regelmäßig kontrolliert. Anfangs mit einem speziellen Gerät, später mit dem CTG (Herzton- und Wehenschreiber). Das erste Hören der Herztöne des eigenen Kindes ist häufig ein besonderer Moment für die werdenden Eltern, der die Bindung zum Baby stärkt.
  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
    Es sind drei Ultraschalluntersuchungen vorgesehen, die auch von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt werden. Weitere können auf Wunsch zwar durchgeführt werden, sie werden aber nur bei bestimmten Risiken oder Anzeichen für Krankheiten übernommen.

In der 9. SSW bis 12. SSW wird das Alter der Schwangerschaft und der errechnete Geburtstermin überprüft. Außerdem wird kontrolliert, ob eine Mehrlingsschwangerschaft vorliegt und eine Eileiterschwangerschaft ausgeschlossen.
In der 19. Woche bis 22. Woche wird die Entwicklung des Babys kontrolliert und nach Anzeichen für Fehlbildungen gesucht. Ergeben sich hierbei Auffälligkeiten, können weitere Untersuchungen angeordnet werden, die dann ebenfalls zur Mutterschaftsvorsorge gehören.
Am Ende der Schwangerschaft, in der 29. Woche bis 32. Woche werden die Organe und deren Entwicklung unter die Lupe genommen. Auch Größe, Gewicht und Kopfumfang werden berechnet, sowie die Menge des Fruchtwassers und die Lage der Plazenta (Mutterkuchen) kontrolliert.
Noch stärker als die Herztonkontrolle wirkt das Sehen des ungeborenen Kindes auf die werdenden Eltern. Ein positives Untersuchungsergebnis trägt maßgeblich zum Schwangerschaftserleben bei, steigert das Wohlbefinden der Schwangeren und ist auch für den werdenden Papa ein einmaliges Erlebnis.

Einen noch genaueren Einblick bieten Doppler-Sonographie und 3D- oder 4D-Ultraschall, die gegebenenfalls zur weiteren Abklärung angeordnet werden und den Verdacht auf Fehlbildungen oder Erkrankungen erhärten bzw. ausschließen können. Auch diese Verfahren werden nur dann von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen, wenn sie zur medizinischen Abklärung vom Arzt angeordnet werden.

Mit diesen häufigen und gewissenhaften Untersuchungen können viele Probleme schnell erkannt und behandelt werden, um die Chance auf ein gesundes Baby zu erhöhen.