Reisewarnung für Schwangere als Folge des Hebammenmangels

Reisewarnung für Schwangere in Deutschland

Es klingt absurd, doch der Hebammenmangel hat jetzt eine Reisewarnung für Schwangere ausgelöst. Laut der Elterninitiative Mother Hood e.V sollten Schwangere diese beliebten deutschen Urlaubsregionen meiden.

Ein Paar sitzt auf einem Fels in der Nähe eines Sees
Auch im bayerischen Alpenvorland gibt es nur noch wenige Hebammen ©Timo Stern via Unsplash

Unbeschwerte Sommerferien? Nicht für Schwangere. Die Elterninitiative Mother Hood e.V. spricht eine Reisewarnung für werdende Mütter innerhalb Deutschlands aus. Es sei laut Mother Hood davon auszugehen, dass sich der Hebammenmangel in unseren Kreißsälen in den nächsten Wochen nochmal verschärfen könnte. Schicht deswegen, weil viele Hebammen, die oft selbst Familie haben, ebenfalls im Urlaub seien. „Schwangere Frauen sollten sich gut überlegen, welche Gebiete innerhalb Deutschlands sie für ihren Urlaub wählen“, betont Katharina Desery von Mother Hood.

Daran kannst du Geburtswehen erkennen

Vorsicht auf Sylt

Zu den „Gefahrenzonen“ für Schwangere zählt die Elterninitiative Regionen, die ohnehin schon von der personellen Unterversorgung in den Kreißsälen betroffen sind oder seit einiger Zeit sogar ganz auf Entbindungsstationen verzichten müssen. Dazu zählt auch das bayerische Alpenvorland oder die deutschen Küstenregionen an Nord- und Ostsee. Beides sind beliebte Reiseziele innerhalb Deutschlands. Besonders kritisch ist die Situation zum Beispiel auf Sylt. Dort gibt es ebenso wie auf zahlreichen anderen deutschen Inseln gar keine eigene Geburtshilfe mehr. Frauen von dort müssen zum Entbinden aufs Festland fahren.

„Wer hochschwanger nach Sylt fährt, riskiert, sein Kind im Autozug aufs Festland zu bekommen“, spitzt es Desery zu. Aber auch in großen Ballungsräumen wie Berlin oder München ist die Situation alles andere als entspannt. In viele Kliniken bleiben die Türen geschlossen, wenn bereits zu viele Frauen betreut werden müssen. Zum Teil werden Schwangere dann in die nächste Klinik weitergeschickt. Das bestätigte uns auch Pressesprecherin Nina Martin des Deutschen Hebammenverbands.

Hintergrund zum Hebammenmangel

Seit den letzten Jahren hat sich die Situation vor allem für freiberufliche Hebammen immens verschlechtert. Die Beiträge der Berufshaftpflichtversicherung sind inzwischen so hoch, dass sich viele Hebammen die Prämien nicht mehr leisten können. Doch ohne Haftpflichtversicherung dürfen sie nicht praktizieren. Die Auswirkungen spüren vor allem die Schwangeren: Eine individuelle und damit optimale Betreuung während der Geburt kann nicht mehr gewährleistet werden. Hebammen müssen sich um mehrere Schwangere parallel kümmern – zum Teil drei und mehr wie eine Erhebung des Deutschen Hebammenverbands ergab.

Auch immer mehr Kliniken sehen sich gezwungen, ihre Kreißsäle aus Kostengründen zu schließen. „Ein Drittel der Krankenhäuser in Deutschland macht Verluste. Vielfach bleibt den Häusern nichts anderes übrig, als die personalintensive Geburtshilfe-Station zu schließen“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKGEV), Georg Baum gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Seit 1991 haben rund 40 Prozent der Kreißsäle in Deutschland geschlossen.

Eine traurige Entwicklung. Doch dass sich diese Situation in der kommenden Zeit wieder entschärft, ist nicht zu erwarten. Die Reisewarnung für Hochschwangere hat also durchaus seine Berechtigung. Auch der Deutsche Hebammenverband rät dazu, sich im Vorfeld einer Reise zu informieren, wo sie in Notfällen am Urlaubsort Hilfe erhalten können.

In welche Regionen es besonders viele Engpässe bei der Geburtshilfe gibt, dass kannst du auch in der „Landkarte der Unterversorgung“ nachschauen, welche der Deutsche Hebammenverband im Rahmen einer bundesweiten Info-Initiative veröffentlicht hat. Jeder ist dazu eingeladen, die Karte mit eigenen Erfahrungen mitzugestalten und diese somit immer auf dem aktuellen Stand zu halten.