Schwanger in der Probezeit

Schwanger in der Probezeit

Unverhofft kommt oft, und so trifft es Frauen häufig in der Probezeit: Plötzlich Schwanger! Was nun? Sag ich’s dem Arbeitgeber und riskiere eine Kündigung? Oder trage ich weite Kleidung und versuche es zu kaschieren und zu verheimlichen bis die Probezeit vorüber ist? Juristisch eine einfache Entscheidung, persönlich vielleicht ein wenig kniffliger.

Schwangere liest ein Buch
©Pexels/Josh Willink

Der Schwangerschaftstest zeigt es deutlich an, kein Zweifel: Schwanger! Ausgerechnet jetzt in der Probezeit. Und nun?

 

In der Probezeit sind Arbeitnehmer ohne Angabe von Gründen kündbar – aber gilt das auch bei Schwangeren? Dank dem Mutterschutzgesetz nicht! Während der Probezeit kommen die Regelungen dieses Gesetzes genauso zur Anwendung, wie nach der Probezeit: Schwangere können nicht gekündigt werden. Nur in sehr seltenen Fällen kommt es zu Ausnahmeregelungen, die meist beim Gewerbeaufsichtsamt genehmigt werden müssen, z.B. bei Insolvenz des Unternehmens oder bei Gründen für eine außerordentliche Kündigung aufgrund eines Fehlverhaltens des Arbeitnehmers. Selbst dann kann man versuchen, Widerspruch einzulegen und juristisch gegen die Kündigung vorzugehen.

Selbst wenn die Kündigung vor der Feststellung der Schwangerschaft ausgesprochen wurde, kann noch innerhalb von zwei Wochen der Kündigungsschutz greifen, indem die Schwangere gegenüber dem Arbeitgeber ihre Schwangerschaft bekannt gibt.

 

Selbst wenn die „Zwei-Wochen-Frist“ überschritten wurde, kann es Gründe geben, weshalb die Kündigung rückgängig gemacht werden muss: Dies ist z.B. der Fall, wenn die Schwangerschaft zum Zeitpunkt der Kündigung schon vorlag, die Schwangere davon jedoch keine Kenntnis haben konnte. Wichtig ist dann, den Arbeitgeber unverzüglich von der Schwangerschaft zu unterrichten.

Kündigungsschutz auch bei befristeten Arbeitsverträgen?

Eine häufige Frage ist, ob die Befristung eines Arbeitsvertrags durch den Kündigungsschutz in der Schwangerschaft unwirksam wird. Dies ist jedoch nicht der Fall. Bei befristeten Verträgen endet das Arbeitsverhältnis auch bei Bestehen einer Schwangerschaft zum vertraglich festgelegten Zeitpunkt. Sollte der Arbeitgeber eine Verlängerung anbieten, muss er dabei nicht über die bestehende Schwangerschaft in Kenntnis gesetzt werden. Die Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft ist unzulässig und muss nicht beantwortet werden, es besteht sogar ein „Recht zur Lüge“.

Wichtiger Hinweis: Diese Informationen auf dieser Seite ersetzen keine juristische Beratung. Durch Änderungen in der Gesetzgebung, und im individuellen Fall, können andere Regelungen gelten. Es ist daher ratsam, sich juristisch von einem Anwalt oder der Gewerkschaft beraten zu lassen.

Wann soll ich den Arbeitgeber informieren?

Es ist ratsam, den Arbeitgeber so früh wie möglich zu informieren. Tatsächlich wird auf diese Weise eine Kündigung mit sehr großer Wahrscheinlichkeit gar nicht erst ausgesprochen und das Mutterschutzgesetz kann umgehend zur Anwendung kommen. Jedoch bedenken werdende Eltern auch oft, dass eine Schwangerschaft in manchen Fällen vorzeitig mit einer Fehlgeburt endet. Der Kündigungsschutz erlischt dann. Sie wägen dann ab, die ersten Monate der Schwangerschaft abzuwarten und erst nach der 12. SSW über die Schwangerschaft zu informieren. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass in vielen Berufen die Einhaltung des Mutterschutzgesetzes für das Ungeborene und die Mutter sehr wichtig sind.

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