Entbindung in Beckenendlage bzw. Steßslage

Steißlage – Ist ein Kaiserschnitt unbedingt notwendig?

Laut Analysen der Betriebskrankenkassen werden heutzutage etwa 30 Prozent (1991: 15 Prozent) aller Babys in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt gebracht – häufig auf Wunsch der Mutter. Besonders bei einer Steiß- beziehungsweise Beckenendlage des Kindes empfehlen viele Ärzte aus Sicherheitsgründen eine Sectio. Dennoch ist unter normalen Schwangerschaftsvoraussetzungen auch in diesem Fall eine natürliche Geburt möglich, sofern sie von einem qualifizierten und erfahrenen Geburtshelfer begleitet wird.

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Schwangere wünschen sich eine unkomplizierte und möglichst schmerzarme Geburt. Der Kaiserschnitt (Sectio Caesarea) erscheint vielen eine willkommene Alternative zu stundenlangen Wehen. Das Baby kommt an einem geplanten Termin – in der Regel einige Tage vor der erwarteten Niederkunft – in einem für alle Eventualitäten ausgestatteten Operationssaal zur Welt. In weniger als einer Stunde ist die Entbindung vorbei. Doch die Termingeburt per Skalpell birgt auch nicht zu unterschätzende Risiken.

Pros und Contras: Wunschkaiserschnitt

Besonders wenn es keine zwingende medizinische Indikation gibt, wird die Sectio deshalb von ärztlicher Seite kontrovers diskutiert. Das erschwert den betroffenen Müttern die Entscheidung für die am besten geeignete Geburtsart. Auch im Falle einer Steiß- beziehungsweise Beckenendlage des Kindes ist ein Kaiserschnitt eine Option, aber keine Notwendigkeit.

Diese besondere Lage des Kindes tritt bei gut vier Prozent aller Schwangerschaften auf. Im Normalfall nehmen die meisten Babys etwa einen Monat vor der Geburt automatisch die Schädellage ein. Wird ein Kind in Steißlage geboren, treten zuerst die kleineren und weicheren Teile, sprich Beine und Becken des Kindes, in den Geburtskanal ein. Kommt dann der „dickere“ Kopf, mutmaßen viele, das Kind könne stecken bleiben.
„Um dieses Risiko von vornherein auszuräumen, raten viele Mediziner zum Kaiserschnitt“, erklärt Dr. Friedemann Schulz, Chefarzt der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im Krankenhaus Buchholz.

Dennoch: Die Steiß- beziehungsweise Beckenendlage ist nicht zwangsläufig mit Komplikationen verbunden. „Wird der Vorgang von einem gut ausgebildeten und erfahrenen Geburtshelfer begleitet, bedeutet das meist nur, nicht überflüssigerweise einzugreifen. Die größte Gefahr besteht darin, das Kind aus seiner ideal zusammengepackten Haltung – Kopf leicht gebeugt, Arme vor der Brust gekreuzt, Beine hochgeschlagen oder gehockt – zum Beispiel durch Ziehen in der Pressphase herauszubringen. Gefragt ist, wie so oft in der Geburtshilfe, also vor allem Geduld. Bei günstigen Steißlagenpositionen kann unter normalen Voraussetzungen ohne Weiteres eine natürliche Geburt angestrebt werden“, so Dr. Schulz.

Im Krankenhaus Buchholz finden jährlich Steißgeburten – sogar bei Erstgebärenden – auf natürlichem Wege statt. Der Kaiserschnitt bei Steiß- beziehungsweise Beckenendlage ist unter bestimmten Schwangerschaftskonditionen durchaus sinnvoll, zum Beispiel wenn das Kind sehr groß ist oder es die Beine nach unten streckt.
Der Kaiserschnitt bei Steiß- beziehungsweise Beckenendlage ist unter bestimmten Schwangerschaftskonditionen durchaus sinnvoll, zum Beispiel wenn das Kind sehr groß ist oder es die Beine nach unten streckt. Auch bei Unsicherheit in das Gelingen von Seiten des Geburtshelfers, zum Beispiel bei zähem Verlauf, Herztonauffälligkeiten und Grenzfällen, oder Zweifeln der werdenden Mutter ist die Kaiserschnittgeburt vorzuziehen.

Verläuft die Schwangerschaft normal, kann ab der 38. SSW durch Austasten des Beckens geklärt werden, ob das Becken groß genug ist, durch Ultraschall, ob das Kind nicht zu groß wird und wie genau es liegt. Bestehen keine weiteren Hinderungsgründe wie eine Mangeldurchblutung des Mutterkuchens, Diabetes oder Bluthochdruck der Mutter, ist es jederzeit möglich, das Kind auf natürlichem Wege zur Welt zu bringen.
„Im Krankenhaus Buchholz unterstützen wir den Prozess geduldig und einfühlsam. Sollte sich währenddessen herausstellen, dass doch ein Kaiserschnitt nötig ist, sind alle Vorbereitungen für ein schnelles Eingreifen getroffen“, kann Dr. Schulz beruhigen.

Beim Kaiserschnitt, der als ernst zu nehmender operativer Eingriff zu verstehen ist, muss mit Komplikationen wie Thrombosen oder Infektionen gerechnet werden. Auch hinsichtlich der Gefühlsebene unterscheidet sich die Erfahrung erheblich von einer normalen Geburt. Eine  Sectio schmälert oder unterbindet das intensive Erleben der zwei ersten Minuten zwischen Mutter und Kind. „Jede werdende Mutter, die sich zwischen Kaiserschnitt und einer natürlichen Geburt entscheiden soll, muss daher individuell beraten werden“, betont Dr. Schulz das Recht das Eltern auf eine gründliche Aufklärung.

Medizinische und auch emotionale Faktoren sind in aller Ruhe abzuwägen.“ Dabei berät auch die Hebamme gern und kompetent.

Eine Entscheidung muss nicht von heute auf morgen erfolgen. Einige Kinder drehen sich erst sehr spät in die Schädellage. Durch bestimmte gymnastische Übungen oder Akupunktur kann die werdende Mutter die Wahrscheinlichkeit dafür erhöhen. Darüber hinaus kann auch der Geburtshelfer versuchen, das Kind von außen mit den Händen zur Veränderung seiner Position zu bewegen, was viel Erfahrung und Vorsicht erfordert und in der Hälfte der Fälle erfolgreich ist.

Werdende Mütter, die bei einer Steiß- beziehungsweise Beckenendlage des Kindes nicht auf das Erlebnis einer natürlichen Geburt verzichten wollen, sollten sich rechtzeitig nach Kliniken umsehen, wo in der Geburtshilfe erfahrene Experten für solche Fälle zur Verfügung stehen.

Kontakt:
 
Krankenhaus Buchholz i. d. Nordheide
Dr. Friedemann Schulz
Chefarzt der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Telefon: 0 41 81 / 13 – 17 01
E-Mail:friedemann.schulz@krankenhaus-buchholz.de