Wochenbett-Depression: Erfahrungen

Wochenbettdepression: Ein Erfahrungsbericht

Manche Mütter erleben nach der Geburt ihres Kindes unglaubliche Stimmungstiefs. Man spricht von der sogenannten Wochenbettdepression.

©Unsplash/Elizabeth Lies

Was kann es Schöneres geben, als endlich das eigene Kind in die Arme gelegt zu bekommen? Diese Frage habe ich mir nie gestellt, denn ich wusste: Nichts ist schöner! Meine Annahme war, die Natur habe die Schwangerschaft und Geburt perfekt für Mutter und Kind eingerichtet und nach der Geburt sei eine Frau mit Glückshormonen zugeschüttet!

Ich habe in der Zeit vor der Geburt meines ersten Kindes in einem Mütterzentrum viele Mütter getroffen: Ausschließlich glückliche Frauen um mich herum. Die Geburtsberichte fielen unterschiedlich aus. Die ganze Bandbreite von „das schönste Erlebnis meines Lebens“ bis „das muss ich nicht noch mal haben, gut als es endlich draußen war“. Offensichtlich waren aber Stimmungstiefs für die rund 50 Mütter kein Thema. Für mich wurde es jedoch zum Thema.

In meiner Erinnerung gibt es viele einzelne Szenen, die mich wieder spüren lassen, in welchem Zustand ich mich nach der Entbindung befunden hatte. Doch bei den täglichen Besuchen meiner Hebamme – die ich sehr schätzte und bei der ich mich und mein Kind gut betreut fühlte – habe ich kein Wort über meine Heulattacken und die Horrorszenarien, die vor meinem inneren Auge vorbeizogen, verloren.

Dabei hätte eine Andeutung genügt und sie wäre in der Lage gewesen mir schnell aus dieser Lebenskrise zu helfen. So habe ich wertvolle Wochen verloren, in denen ich mein Kind und die neue Situation in aller Ruhe hätte kennen lernen und genießen können.

Nachdem ich mein zweites Kind bekommen hatte und mich dieselbe Hebamme am ersten Tag des Hausbesuches fragte ob ich schon mal etwas von einer Wochenbettdepression gehört hätte, habe ich einen kleinen hysterischen Heul-Lachkrampf bekommen und ihr alles erzählt, was ich damals gut vor ihr verheimlicht hatte. [K.G.]


Die meisten Frauen verheimlichen aus Schuldgefühlen und Scham ihre Depression oder sind nicht in der Lagen, diese als solche zu erkennen. Dies führen dazu, dass sie die Möglichkeit der Behandlung nicht nutzen.
Wenn Sie nach der Entbindung das Gefühl haben, an einer depressiven Verstimmung zu leiden, dann teilen Sie sich jemandem mit und lassen Sie sich helfen. Sie sind damit nicht allein!

Anlaufstellen bei Depressionen

„Schatten & Licht-Krise nach der Geburt e.V.
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