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3-Monats-Koliken: Was wirklich hilft

Bauchschmerzen sind meist nicht der Grund für die berühmten 3 Monats-Koliken. Welche Gründe dahinter stecken und was gegen die Schreiattacken hilft.

3-Monats-Koliken können für Eltern und Kinder sehr anstrengend sein.
3-Monats-Koliken können für Eltern und Kinder sehr anstrengend sein.
© Bigstock / JacobLund


3-Monats-Koliken: wann und wie lange?

3-Monats-Koliken sind regelmäßige, heftige Schreiattacken eines Babys in seinen ersten drei Lebensmonaten. Diese beginnen meist recht plötzlich um die zweite Lebenswoche, nehmen bis zur sechsten Woche zu und sind am Ende des dritten Lebensmonats wieder vorbei.

Wie erkennt man Koliken beim Baby?

Das sind mögliche Anzeichen einer 3-Monats-Kolik: Dein Baby…

  • ist unruhig
  • weint und kreischt viel
  • lässt sich nicht oder nur schwer beruhigen
  • windet sich und zieht die Beine an
  • überstreckt den Rücken nach hinten
Info

Weil die Schreiphasen meist nach der Mahlzeit, ab dem späten Nachmittag und in der ersten Nachthälfte auftreten, ging man lange davon aus, dass sie durch Blähungen und Bauchschmerzen bei Babys verursacht werden – daher auch der Name. Denn eine Kolik bezeichnet eigentlich starke, krampfartige Schmerzen im Bauchraum.  „Heute weiß man aber, dass die Luft im Bauch die Folge des Luftschluckens während des Schreiens ist.“ erklärt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. 

3-Monats-Koliken: Ursache kann eine Regulationsstörung sein

Im Mutterleib wurde das Baby noch durch die Nabelschnur versorgt – jetzt muss sich der Darm erst einmal daran gewöhnen, selbst Enzyme zur Verdauung zu bilden. Beim Stillen kann die Muttermilch durch die Ernährung der Mutter blähende Nährstoffe enthalten.

Durch hastiges Trinken an der Brust gelangt Luft in den Verdauungstrakt, ebenso durch zu große Sauglöcher beim Flaschensauger. All das kann beim Baby Blähungen begünstigen, nicht aber die 3-Monats-Koliken verursachen.

Die Hauptursache bei 3-Monats-Koliken ist nicht die Luft im Darm! 

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erklärt es in ihrem Info-Leitfaden „Das Baby“ für Eltern wie folgt: 

„So kann Babys in den ersten drei Monaten die Verdauung zu schaffen machen, wenn ihr Verdauungssystem erst noch ausreifen muss. Allerdings sind die Schreiepisoden nur bei einem geringen Teil der betroffenen Säuglinge die Folge von Magen-Darm-Problemen. In den meisten Fällen liegt dagegen ein Schlafdefizit vor. Die Säuglinge haben Probleme, in den Schlaf zu finden, kommen während des Tages bis in die Abendstunden kaum zu erholsamem Schlaf und werden zunehmend überreizt.“ 

Das bedeutet: Inzwischen gehen Ärzte davon aus, dass Kinder, die in dieser Phase besonders viel Schreien, unter sogenannten Regulationsstörungen oder Anpassungsstörungen leiden. Sie haben noch nicht gelernt, sich selbst zu beruhigen und bauen dadurch enormen Stress auf. Der platzt im Laufe des Tages als lautes Schreien aus den Kleinen heraus.

Nicht endgültig geklärt ist jedoch, worin die genauen Ursachen für diese Regulationsstörung liegen. Warum manche Babys unter den 3-Monats-Koliken leiden und manche nicht, ist bisher unklar.

3-Monats-Koliken oder normale Blähungen?

Wenn du dir nicht sicher bist, ob dein Baby Koliken – beziehungsweise eine Regulationsstörung – hat oder wirklich „nur“ Blähungen, dann stell dir folgende Fragen:

  • Sind die Schreiepisoden am späten Nachmittag und Abend am schlimmsten?
  • Schreit dein Baby seit mehr als drei Wochen, an mehr als drei Tagen in der Woche, mehr als drei Stunden täglich?
  • Hat dein Baby Probleme beim Einschlafen und schläft auch eher kurz?
  • Wirkt dein Baby beim Schreien wüten und ballt vielleicht seine Fäustchen?
  • Lässt sich dein Baby nur schwer beruhigen?
  • Dein Baby beruhigt sich deutlich, wenn es gepupst hat?

Wenn du die meisten Fragen mit „Nein“ beantworten kannst, ist es möglich, dass es sich hierbei nur um Blähungen handelt. Je mehr Fragen du mit „Ja“ beantworten kannst, desto wahrscheinlicher ist eine 3-Monats-Kolik. Im Zweifel ist hier immer dein Kinderarzt der richtige Ansprechpartner.

Zum Arzt solltest du, wenn ...

dein Baby nicht mehr essen will
der Stuhlgang sehr fest oder schaumig ist
dein Baby nicht zunimmt
dein Baby nach jeder Mahlzeit schreit

3-Monats-Koliken-Hilfe: 7 Tipps

Du solltest dich nicht für die Schreiepisoden verantwortlich machen! Du machst nichts falsch, auch wenn du vielleicht an dir zweifelst. Aber die Frage ist nun: Was hilft gegen Koliken beim Baby?

Diese sieben Tipps können bei Baby-Koliken helfen:

  • viel Körperkontakt
  • beruhigende Musik (z.B. weißes Rauschen)
  • Wärme (z.B. Kirschkernkissen)
  • Babymassage im Uhrzeigersinn
  • feste Routinen
  • tagsüber genügend Schlaf
  • selbst ruhig bleiben (Unruhe überträgt sich auf das Baby)

Hilfe für stillende Mütter

Stillst du, kann auch deine Ernährung zumindest Blähungen und Bauchweh des Babys verringern.

#1 Bockshornkleesamen

Würze deine Speisen als stillende Mutter mit Bockshornklee (aus dem Naturkostladen). Verwende jedoch nur wenig davon, da das Essen sonst bitter schmecken kann.

#2 Nahrungsmittel

Verzichte auf stark blähende Nahrungsmittel, wie Zwiebeln, Knoblauch, Kohl oder Bananen.

#3 Verzicht auf blähende Getränke

Getränke wie Orangensaft, Kaffee oder Tee können auch Koliken bei deinem Baby verursachen.

Hol dir Hilfe!

…. dann hol dir Hilfe. Sogenannte Schreiambulanzen sind eine gute Anlaufstelle, wenn du bei 3-Monats-Koliken Hilfe suchst. Eine Schreiambulanz in deiner Nähe kannst du auf der Seite „Nationales Zentrum. Frühe Hilfen“ finden. Aber auch dein Kinderarzt oder deine Hebamme wissen meist Rat.

Quellen