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Abendliche Schreistunde: Baby schreit abends offenbar ohne Grund

Dein Baby schreit abends plötzlich, obwohl es den ganzen Tag zufrieden war? Diese abendlichen Schreistunden sind bei kleinen Säuglingen leider normal. Doch wieso sind Neugeborene gerade abends zu Tränen gerührt?

Baby schreit abends bis zur Erschöpfung? Das steckt hinter den abendlichen Schreistunden
Baby schreit abends bis zur Erschöpfung? Das steckt hinter den abendlichen Schreistunden
© Unsplash/ Sharon McCutcheon

Baby schreit abends – aber warum?

Das Baby ist gewickelt, gefüttert und steckt im Schlafanzug. Doch obwohl alles in Ordnung scheint, kann das Kind nicht anders, als hemmungslos zu schreien. Solche abendlichen Schreistunden können einen schon mal verzweifeln lassen, kennt man schließlich den Grund dafür nicht, warum das Baby schreit – abends scheint es sich einfach nicht beruhigen zu können. Klar, dass die Sorge steigt, dein Kleines ist vielleicht ein Schreibaby.

Abendliche Schreistunden sind normal

Doch die Hebamme Jana Friedrich kann beruhigen. Dieses Bild der abendlichen Schreistunde kennen viele Eltern, unabhängig davon, ob sie ein Schreikind zu Hause haben oder eines, das sehr wenig weint. Friedrich erklärt auf hebammenblog.de: „Das abendliche Schreien ist in den ersten drei Lebensmonaten ein sehr häufig auftretendes Phänomen. Dabei werden 1 ½ Stunden noch als normal erachtet. Von einem „Schreikind“ spricht man hingegen erst, wenn es mindestens drei Mal pro Woche drei Stunden pro Tag und mehr schreit.“

Doch auch, wenn es normal ist, dass dein Baby schreit, abends ist es umso wichtiger, dass du es beruhigen kannst. Dafür ist es hilfreich, mögliche Gründe für das abendliche Schreien zu kennen.

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Gründe, warum das Baby abends schreit

Dein Baby schreit abends natürlich nicht ohne Grund – nur ist dieser weder Hunger, Durst oder eine volle Windel. Dies abendliche Schreistunde (oder Stunden) sind auch typisch für die sogenannten 3-Monats-Koliken. Die Annahme, dass es sich dabei nur um Verdauungsprobleme des Babys handelt, gilt inzwischen als überholt. Diese Koliken sind vielmehr Anpassungs- und Regulationsstörungen des Babys: Es hat noch nicht gelernt, sich selbst zu beruhigen und vermisst die Enge des Mutterleibs. Das abendliche Schreien kann daher auch Ausdruck einer Überreizung des Babys sein. Schließlich prasseln pro Tag so viele neue Eindrücke auf deinen Säugling ein, die muss er natürlich verarbeiten.

Grund 1: Dein Baby verarbeitet die Eindrücke des Tages

Für dein Baby ist alles neu, jeder Tag enthält eine riesige Palette an Eindrücken und neuen Erfahrungen. Menschen, Umgebungen, Nahrungsaufnahme – all das hinterlässt Spuren bei dem kleinen Menschen. Und wie du nach einem langen Arbeitstag manchmal einfach müde bist, ist auch dein Kind von dem Erlebten angestrengt. Wenn ein Baby abends schreit, ist das sein versucht, seine täglichen Erfahrungen zu verarbeiten – viele andere Möglichkeiten bleiben ihnen ja auch nicht.

Grund 2: Dein Baby ist müde

Ein weiterer Grund für das abendliche Schreien kann der sein, dass dein Baby furchtbar müde ist, sich aber selbst noch nicht beruhigen kann. In beiden Fällen ist es wichtig, dass du selbst ruhig bleibst.

Ist dein Kind zu müde zum Schlafen und lässt es sich leicht davon ablenken, gestalte seine Umgebung ruhig und rede ihm mit leiser Stimme gut zu. Nähe kann jetzt auch helfen, trage dein Baby an deinem Körper, um es zu beruhigen und in den Schlaf zu wiegen.

Dein Baby schreit abends viel? Das kann helfen

Auch dein Baby schreit abends besonders viel, dann solltest du auf jeden Fall auf einen geregelten Tagesrhythmus mit regelmäßigen Schlafphasen achten. Routinen helfen deinem Baby dabei, sich an ein Leben außerhalb des Babybauchs zu gewöhnen und Sicherheit zu finden. Genügend Schlaf ist wichtig, dass dein Baby nicht übermüdet. Denn dann lässt es sich noch viel schwerer beruhigen.

Tipps, wie du dein Baby beruhigen kannst, haben wir in einem separaten Artikel für dich zusammengefasst. Hier kannst du sie nachlesen: So kannst du dein Baby beruhigen.

Grundsätzlich hilft deinem Kind bei den abendlichen Schreistunden vor allem körperliche Nähe. Nimm es auf den Arm, schaukele und wippe es. Oft beruhigt das dein Kind bereist, auch wenn es vielleicht weiter schreien wird. Denn die traurige Wahrheit ist: dein Baby schreit abends und dagegen tun kannst du nur wenig. „Dein Baby lehnt dich nicht ab, wenn es weint. Es fühlt sich vielmehr sicher genug, dir seine Gefühle zu zeigen, genauso wie wenn du in Tränen ausbrichst, wenn ein vertrauter Freund seinen Arm um dich legt und du zugibst, dass du einen schweren Tag hattest. Eltern, die ihre Babys halten und ihnen erlauben, sich auf diesem Weg auszudrücken, bemerken gewöhnlich, dass ihre Babys nach dem Weinanfall entspannt und zufrieden sind und in der Nacht besser schlafen.“, so positiv sieht das die Entwicklungspsychologin Aletha Solter. Eine Einstellung die vielleicht auch dir durch die abendlichen Schreistunden hilft.



Quellen:

  • Friedrich, Jana: Abendliche Schreistunden, In: hebammenblog.de
    https://www.hebammenblog.de/abendliche-schreistunden/ (letzter Abruf Juni 2019)
  • Ph. D. Solter, Aletha J.: Was tun, wenn dein Baby weint, In: Trostreich
    http://trostreich.de/Themen/Weinen/weinen.html (letzter Abruf Juni 2019)
  • Mierau, Susanne; Gaca, Anja Constance: Mein Schreibaby verstehen und begleiten: Der geborgene Weg für High Need Babys, Gräfe und Unzer, München 2018
  • Rankl, Christine: So beruhige ich mein Baby – Tipps aus der Schreiambulanz, Patmos Verlag 2016