Abstillen » Der richtige Zeitpunkt, Methoden und mögliche Probleme

Wie kann ich am besten abstillen? Zeitpunkt, Methoden und mögliche Probleme

Irgendwann ist er da, der Wunsch oder die Notwendigkeit mit dem Abstillen zu beginnen. Hier findest du alle Infos, wie du dabei vorgehen kannst, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist und worauf du beim Abstillen achten solltest.

Ein Baby isst Beikost nach dem abstillen
Wann kann ich abstillen? Mit dem Start der Beikost, fangen die meisten Mütter an abzustillen. © Bigstock / Luca Lorenzelli

Wie lange stillen?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Müttern, wenn möglich, bis zum vollendeten sechsten Lebensmonat ausschließlich zu stillen. Danach sollte das Baby sanft an Beikost herangeführt werden – damit beginnt der Prozess des langsamen Abstillens, da nach für nach einzelne Mahlzeiten durch andere Kost ersetzt werden. Als Abstillen bezeichnet man also das Entwöhnen von der Brust, so dass das Kind am Ende keine Muttermilch-Mahlzeiten mehr erhält. Bei Flaschenkindern wird die Einführung von Beikost als Entwöhnen bezeichnet.

Allerdings heißt der Beikoststart nicht automatisch, dass du abstillen musst. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sagt klar: Die insgesamte Stilldauer bestimmmen allein du und dein Kind.

Muss ich wirklich abstillen?

Dein Kind ist schon älter als sechs Monate und du bist dir nicht sicher, ob du wirklich schon abstillen solltest? Lass dir Zeit. Viele Frauen haben Angst, dass sie bei bestimmten Komplikationen abstillen müssen. Die BzgA entkräftet die häufigsten Mythen und gibt eine Übersicht über Gegebenheiten, die kein zwingender Grund zum Abstillen sind zum Beispiel:

  • Wenn dein Kind Zähne bekommt
  • Wenn du deine Periode bekommst
  • Eine erneute (gesunde) Schwangerschaft
  • Die Einnahme stillverträglicher Medikamente

Auch wenn du wieder in den Beruf einsteigst, musst du nicht auf das Stillen verzichten: Laut dem Mutterschutzgesetz hast du auch nach der Mutterschutzfrist das Recht auf Stillzeiten, in denen du dein Kind stillen oder Milch abpumpen kannst.

Abstillen – wie stille ich ab?

Wie stille ich ab? Wenn du keinen Zeitdruck hast, solltest du optimalerweise etwas mehr Zeit für diesen Prozess einplanen. Die Hebamme Aleyd von Gartzen rät zu einem Abstillzeitraum von drei Monaten. In diesem Zeitraum kannst du deinem Baby vor jeder Stillmahlzeit ein paar eiswürfelgroße Löffel Brei geben und es dann kürzer an die Brust legen. Hast du bisher zum Beispiel zehn Minuten am Stück gestillt, kannst du versuchen, das Baby nach fünf Minuten von der Brust zu nehmen und es abzulenken oder ihm etwas anderes zu trinken oder zu essen anbieten.

Steigere die Breimahlzeiten langsam, bis dein Baby davon satt wird. Laut von Gartzen ist das bei den meisten Babys bei etwa 200 Gramm Brei der Fall. Nach etwa vier Wochen kannst du die nächste Stillmahlzeit durch Brei ersetzen, bis jede Mahlzeit eine Breimahlzeit ist.

Für die Einführung der Beikost empfehlen viele Kinderärzte den Beikostplan des Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund (FKE) folgen. Hier kannst du genau nachlesen, in welcher Reihenfolge du die Mahlzeiten ersetzen kannst.

Sorge dich aber nicht, wenn der Prozess etwas länger dauert. Viele Kinder verlangen bei emotionalem Stress, etwa bei Wachstumsschüben, wieder öfters die Brust und so lange du dich dabei wohl fühlst, ist das auch vollkommen in Ordnung. Eine feste Regel, in welchem Zeitraum der Übergang geschafft sein muss, gibt es nicht.

Nachts abstillen: Abstillen nach Gordon

Nachts stillen zu müssen, belastet viele Mütter nach einer Weile, denn der Wunsch nach etwas Schlaf ist nach der Schlaflosigkeit vieler durchstillter Nächtengroß. Der US-amerikanische Kinderarzt Dr. Jay Gordon hat einen 10-Nächte-Plan entwickelt, der nach zehn Tagen eine nächtliche Ruhe für circa sieben Stunden verspricht, ohne die enge Kuschelbindung mit dem Kind zu verlieren.

Abstillen nach Gordon kann laut dem Plan funktionieren, wenn dein Kind gesund und mindestens ein Jahr alt ist. Außerdem weißt der Kinderarzt darauf hin, dass beide Elternteile von der Methode „Nachts Abstillen nach Gordon“ überzeugt sein müssen, damit sich Erfolge einstellen – wenn sich der Prozess aber nicht richtig anfühlt, kann das nächtliche Stillen aber jederzeit wieder aufgenommen werden. Die Methode „Nachts Abstillen nach Gordon“ sieht drei Phasen vor:

#1 Nachts abstillen: Die ersten drei Nächte

Wähle dir einen Zeitraum von sieben Stunden, in dem dir dein Schlaf besonders wichtig ist, also zum Beispiel 23:00 bis 06:00 Uhr. Stille dein Kind davor wie gewohnt, es kann auch dabei einschlafen. Wird dein Kind nachts wach und verlangt nach der Brust, füttere es kurz, lass es aber nicht dabei einschlafen. Kuschel jetzt viel mit ihm, bis es ohne die Brust einschläft. Hier kann dir auch dein Partner helfen. Nach Ablauf der sieben Stunden, also in unserem Beispiel ab 06:00 Uhr, kannst du dein Kind wieder wie gewohnt stillen.

#2 Nachts abstillen: Nacht vier bis sechs

In den folgende drei Nächten setzt du dir wieder eine sieben Stunden Frist. Wacht dein Baby in dieser Frist auf, kannst du es beruhigen und streicheln – aber nicht stillen! Kuschel viel mit ihm und versuche es durch Wiegen und Streicheln zu beruhigen, bis es einschläft. Der Kinderarzt rät allen Eltern, die sein Programm „Nachts Abstillen nach Gordon“ wirklich durchziehen wollen, konsequent zu bleiben und sich auf Proteste des Kindes einzustellen. Wichtig ist, dass das Kind lernt, ohne die Brust einzuschlafen. Nach Ablauf der Frist, kann wieder gestillt werden.

#3 Nachts abstillen: Nacht sieben bis zehn

Wenn du in den vorherigen Nächten konsequent geblieben bist, sollte dein Kind gelernt haben, ohne die Brust wieder einzuschlafen. Wacht es jetzt nachts auf, nimm es nicht mehr hoch, sondern versuche es, nur durch sanftes Streicheln, singen oder reden zu beruhigen. Ab der zehnten Nacht sollten die meisten Kinder nach Gordon abgestillt sein. Natürlich ist aber jedes Kind anders und manchen Kindern fällt es schwerer sich umzugewöhnen. Versuche die dritte Phase so lange aufrechtzuerhalten, bis dein Kind gelernt hat, ohne Stillen und Herumgetragen werden wieder einzuschlafen.

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Tipps für ein sanftes Abstillen

Für Mutter und Kind ist es deutlich angenehmer, wenn das Abstillen sanft und einfühlsam passiert und nicht abrupt. Der Zeitpunkt des Abstillens ist wichtig, du und dein Kind sollten dafür nach Möglichkeit genug Ruhe haben. Ist dein Baby gerade krank, hast du viel Stress oder stehen Veränderungen in eurem Leben an, solltest du das Abstillen lieber noch einmal verschieben.

Binde auch den Papa oder andere Verwandte in den Abstillprozess mit ein. Deinem Baby fällt der Abschied leichter, wenn es deine Muttermilch nicht ständig riecht. Also kann ruhig auch mal Papa versuchen, es ins Bett zu bringen oder abzulenken, wenn es gerne gestillt werden möchte.

Schnelles Abstillen: Wann ist es nötig und wie kann es gelingen?

Meist ist ein schnelles Abstillen nicht nötig, es kann aber Situationen geben, die ein Abstillen von einem Tag auf den anderen nötig machen, etwa ein Krankenhausaufenthalt oder die zwingende Einnahme von Medikamenten, die das Kind schädigen können.

Wenn du abrupt aufhören musst zu stillen, ist es wichtig, trotzdem die Nähe zu deinem Kind aufrecht zu erhalten. Kuschel weiterhin viel mit ihm und gib ihm ein sicheres Gefühl. Wenn dein Körper auf die schnelle Umstellung nur schlecht reagiert, gibt es Medikamente, die du einnehmen kannst. Dazu liest du im weiteren Verlauf des Artikels mehr.

Milchstau und Brustentzündung vermeiden: Milchbildung hemmen

Abstillen wie ein Profi, dabei helfen dir ein paar Tricks, damit du eine Brustentzündung oder einen Milchstau verhindern kannst:

  1. Salbeitee hemmt die Milchbildung
    Trinke am besten drei Tassen pro Tag
  2. Enge BHs
    Je enger dein BH sitzt, desto stärker geht die Milchbildung zurück. Achte aber bitte darauf, dass du ihn immer noch relativ bequem und vor allem schmerzfrei tragen kannst.
  3. Kälte hemmt ebenfalls die Milchbildung
    Du kannst also Kühlkompressen auf deine Brüste legen.
  4. Brustmassage
    Damit du keinen Milchstau bekommst, solltest du die Brust regelmäßig massieren. Hast du sehr viel Druck durch die Milch, kannst du ein paar Schlucke abpumpen, bis der Druck weicht. Aber Achtung: nicht zu viel pumpen, sonst kurbelst du die die Milchproduktion wieder an.
  5. Globuli können den Prozess des Abstillens unterstützen
    Sprich am besten mit deiner Hebamme dazu.
  6. Lass dir Zeit
    Musst du abstillen und hast dabei ein sehr schweres Mamaherz, gib dir genug Zeit. Versuche die Nähe und den Körperkontakt des Stillens durch Kuscheln zu ersetzen!

Medikamente zum Abstillen

Lass dich von einem Arzt beraten, wenn sich dein Körper nur schwer an die Umstellung gewöhnen kann, du etwa immer wieder eine entzündete Brust bekommst. In manchen Fällen verschreiben Ärzte dann Medikamente, die die Bildung des Stillhormons Prolaktin und damit auch die Milchbildung hemmen, sogenannte Prolaktinsekretionshemmer.

„Baby-led Weaning“: Wie sinnvoll ist der Trend?

Baby-led Weaning ist ein neuer Trend in der Beikosteinführung, in der das Kind den Zeitpunkt des Abstillens selbst bestimmt und sich selbstständig in Stücke geschnittenes Essen vom Familientisch nimmt, also nicht gefüttert wird. Befürworter, wie etwa die Hebamme Regine Gresens, sehen die Vorteile des „natürlichen Abstillens“ vor allem in der Föderung der Unabhängigkeit und des Selbstvertrauens des Kindes. Auch würde Baby-led Weaning laut Gresens wählerisches Essverhalten und Kampf ums Essen unwahrscheinlicher machen.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) rät allerdings von Baby-led Weaning ab. Dr. Josef Kahl, BVKJ-Pressesprecher, warnt: „Für eine gute Versorgung ist ein ausgewogenes Nahrungsmittelangebot wichtig. Dieses kann bei Säuglingen, die „von der Hand in den Mund“ leben, auf der Strecke bleiben. So kann es zum Beispiel sein, dass das Kind nicht genug Eisen aufnimmt. Denn die Eisenspeicher der Babys sind schon kurze Zeit nach dem Abstillen praktisch leer. Wenn das Kind dann nur an einem Stück Fleisch saugt, bekommt es kaum Eisen. Außerdem kann es sein, dass ein motorisch ungeschicktes Kind bei dem Fingerfood-Konzept nicht richtig satt wird. Oder dass es sich an einem Stück Gemüse oder Obst verschluckt.“

Was tun bei Abstillproblemen?

Du hast Probleme beim Abstillen, körperlich oder seelisch? Dann bleibe damit auf keinen Fall alleine. Auch beim Thema Abstillen kann dir eine Hebamme oder eine Stillberaterin zur Seite stehen. Sie hilft dir, kann dir eventuell homöopathische Mittel geben, um den Abstillprozess zu verbessern, etwa bei schmerzenden Brustwarzen. Und auch bei Sorgen mit deinem Kind während des Stillens bist du bei einer Hebamme gut aufgehoben. Wenn du unter schwereren körperlichen Problemen leidest, solltest du dich an einen Arzt wenden.

Ganz wichtig ist auch: Lass dir wie bei allem anderen Dingen rund um dein Kind, nicht reinreden. Du und dein Kind genießt das Stillen noch sehr und du möchtest noch nicht darauf verzichten? Dann hör auf deinen Bauch und das Herz und lass dich nicht von Kommentaren Anderer verunsichern.


Quellen:

  • Weltgesundheitsorganisation (WHO): Infant and young child feeding
    http://www.euro.who.int/en/health-topics/disease-prevention/nutrition/activities/technical-support-to-member-states/infant-and-young-child-feeding (letzter Abruf: April 2019)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Abstillen – Abschied vom Stillen
    https://www.kindergesundheit-info.de/themen/ernaehrung/stillen/abstillen/ (letzter Abruf: April 2019)
  • Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA): Mutterschutzgesetz
    https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/gesetze/mutterschutzgesetz/73762 (letzter Abruf: April 2019)
  • Katherine Dettwyler, PhD: When to Wean:Biological VersusCultural Perspectives
    http://kathydettwyler.weebly.com/uploads/3/0/9/1/30918011/when_to_wean_clin_obstetrics_2004.pdf (letzter Abruf: April 2019)
  • Regine Gresens: Baby-led Weaning
    https://www.stillkinder.de/baby-led-weaning/ (letzter Abruf: April 2019)
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ): Kinder-und Jugendärzte: Baby-led Weaning kann schaden!
    https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/kinder-und-jugendaerzte-baby-led-weaning-kann-schaden/  (letzter Abruf: April 2019)
  • Sabine Hoffmann: Abstillen: Wie geht das? (07.03.2016 )
    https://www.baby-und-familie.de/Ernaehrung/Abstillen-Wie-geht-das–460889.html (letzter Abruf: April 2019)
  • Dr. Nicolas Gumpert: Abstillen – wie mache ich es am besten?
    https://www.dr-gumpert.de/html/abstillen.html (letzter Abruf: April 2019)
  • Dr. Jay Gordon: Sleep, Changing Patterns In The Family Bed (12.9.2018)
    http://drjaygordon.com/sleep/sleep-changing-patterns-in-the-family-bed-2.html