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Abstillen: Wie finde ich den perfekten Zeitpunkt & Methode?

Manche Mütter genießen das Stillen und wollen gar nicht aufhören, andere würden gerne so bald wie möglich abstillen. Wie bei jeder Mutter wird das Thema früher oder später auch für dich relevant. Wie geht richtig Abstillen und gibt es eine Methode, die wirklich hilft? Hier findest du alles, was du wissen solltest.

Mit der Beikost beginnt häufig der Prozess des Abstillens.
Mit der Beikost beginnt häufig der Prozess des Abstillens.
©pexels/ Andrea Piacquadio

Abstillen: Wie es gelingen kann

Als Abstillen bezeichnet man das Entwöhnen von der Brust, sodass das Kind am Ende keine Muttermilch-Mahlzeiten mehr erhält. Allerdings bedeutet die Einführung der Beikost nicht automatisch das sofortige Abstillen. Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) schon deutlich sagt: Die insgesamte Stilldauer bestimmen allein du und dein Kind.

Entscheidend für die Umstellung ist ohnehin, ob dein Baby schon bereit für den Beikoststart ist. Dazu gehört zum Beispiel, dass es motorisch schon in der Lage ist, mit der Zunge Nahrung zu formen und sie einzuspeicheln. Außerdem wirst du beobachten können, dass es verstärkt Interesse an eurem Essen zeigt.

Muss ich wirklich abstillen?

Dein Kind ist schon älter als sechs Monate und du bist dir nicht sicher, ob du wirklich nicht mehr stillensolltest? Lass dir Zeit. Viele Frauen haben Angst, dass sie bei bestimmten Komplikationen abstillen müssen. Die BzgA entkräftet die häufigsten Mythen und gibt eine Übersicht über Gegebenheiten, die kein zwingender Grund zum Abstillen sind, zum Beispiel:

  • Wenn dein Kind Zähne bekommt
  • Wenn du deine Periode bekommst
  • Eine erneute (gesunde) Schwangerschaft
  • Die Einnahme stillverträglicher Medikamente

Auch wenn du wieder in den Beruf einsteigst, musst du nicht auf das Stillen verzichten: Laut dem Mutterschutzgesetz hast du auch nach der Mutterschutzfrist das Recht auf Stillzeiten, in denen du dein Kind stillen oder Milch abpumpen kannst.

Wie lange stillen?

Abstillen – Wie stille ich richtig ab?

Richtig Abstillen gibt es so nicht, da Mutter und Kind individuell sind. Bei manchen klappt es ganz schnell, bei anderen gar nicht und es wird weiter gestillt.

Wenn du dich dazu entschlossen hast abzustillen, solltest du optimalerweise Zeit einplanen. Die Hebamme Aleyd von Gartzen rät zu einem Abstillzeitraum von drei Monaten. In diesem Zeitraum kannst du deinem Baby vor jeder Stillmahlzeit ein paar eiswürfelgroße Löffel Brei geben und es dann kürzer an die Brust legen. Hast du bisher zum Beispiel zehn Minuten am Stück gestillt, kannst du versuchen, das Baby nach fünf Minuten von der Brust zu nehmen und es abzulenken oder ihm etwas anderes zu trinken oder zu essen anbieten.

Steigere die Breimahlzeiten langsam, bis dein Baby davon satt wird. Laut von Gartzen ist das bei den meisten Babys bei etwa 200 Gramm Brei der Fall. Nach etwa vier Wochen kannst du die nächste Stillmahlzeit durch Brei ersetzen, bis jede Mahlzeit eine Breimahlzeit ist.

Für die Einführung der Beikost empfehlen viele Kinderärzte den Beikostplan zu folgen. Hier kannst du genau nachlesen, in welcher Reihenfolge du die Mahlzeiten ersetzen kannst. Sorge dich aber nicht, wenn der Prozess etwas länger dauert.

Viele Kinder verlangen bei emotionalem Stress, etwa bei Wachstumsschüben, wieder öfters die Brust und solange du dich dabei wohl fühlst, ist das auch vollkommen in Ordnung. Eine feste Regel, in welchem Zeitraum der Übergang geschafft sein muss, gibt es nicht.

Sanft und natürlich Abstillen

Für Mutter und Kind ist es deutlich angenehmer, wenn das Abstillen sanft und einfühlsam passiert und nicht abrupt. Du und dein Kind sollten dafür nach Möglichkeit genug Ruhe haben. Ist dein Baby gerade krank, hast du viel Stress oder stehen Veränderungen in eurem Leben an, solltest du das Abstillen lieber noch einmal verschieben.

Binde auch den Papa oder andere Verwandte in den Abstillprozess mit ein. Deinem Baby fällt der Abschied leichter, wenn es deine Muttermilch nicht ständig riecht. Also kann ruhig auch mal Papa versuchen, es ins Bett zu bringen oder abzulenken, wenn es gerne gestillt werden möchte.

Natürliches Abstillen beruht auf Zeit, in dem du deinem Kleinkind entscheiden lässt, wann es nicht mehr gestillt werden möchte. Diese Methode, auch „baby-lead weaning“ genannt, ist ein langsamer Abstillprozess. Dabei wird immer seltener und in kürzeren Abständen gestillt bis das Kind von sich aus kein Interesse mehr zeigt. Es kann sich aber auch innerhalb einiger Tage selbst abgestillt haben. Auch hier sind Kinder sehr unterschiedlich.

Schnelles Abstillen: Wann ist es nötig und wie kann es gelingen?

Für das Wohl von Kind und Mutter sollte ein abrupter Schluss eigentlich vermieden werden. Aber natürlich gibt es auch Ausnahmen, die ein schnelles Abstillen voraussetzen, zum Beispiel ein Krankenhausaufenthalt oder die Einnahme von Medikamenten, die nicht für die Stillzeit geeignet sind. Wenn du abrupt aufhören musst, solltest du folgendes beachten:

  • Schenke deinem Kind weiterhin körperliche Nähe und Sicherheit
  • Brustdrüsenschwellung vermeiden durch Ausstreichen
  • Abpumpen nur um Schmerzen zu lindern. Zu vieles Abpumpen kann die Milchproduktion wieder anregen.
  • Brüste passen sich an, sobald der Körper versteht, dass das Kind nicht mehr gestillt wird.

Nachts abstillen

Schläft dein Kind an der Brust ein und möchte auch nachts häufiger gestillt werden, sobald es wach ist? Das kann ziemlich anstrengend für die Mama werden und kostbaren Schlaf rauben. Jedoch ist es nur sehr schwer möglich das nächtliche Stillen auf natürliche Weise aktiv zu reduzieren. Das Stillbedürfnis in der Nacht wird sich mit der Schlafentwicklung deines Kindes von selbst verringern. Es gibt aber einige hilfreiche Tricks, die beim nächtlichen Abstillen helfen können. Dafür sollte dein Baby neun Monate alt oder älter sein:

  • Kind sollte nicht an der Brust einschlafen
  • Kuscheln und beruhigen durch Körperkontakt und Worte
  • Kind kann anfangen im eigenen Bett zu schlafen, damit es die Milch nicht riecht oder sie immer verfügbar ist.
  • Saugbedürfnis beim Einschlafen durch Schnuller stillen

Das nächtliche Abstillen bedeutet aber nicht automatisch, dass dein Kind nun durchschläft. Es kann sehr wohl sein, dass es auch in der Nacht mehrmals aufwacht und sich nach Körpernähe und Sicherheit sehnt. Dein Kind wird wahrscheinlich auch dann wieder deine Hilfe zum Einschlafen benötigen.

Nachts Abstillen nach Gordon

Nachts stillen zu müssen, belastet viele Mütter nach einer Weile, denn der Wunsch nach etwas Schlaf ist nach der Schlaflosigkeit vieler Stillnächte groß. Der US-amerikanische Kinderarzt Dr. Jay Gordon hat einen 10-Nächte-Plan entwickelt, der nach zehn Tagen eine nächtliche Ruhe für circa sieben Stunden verspricht, ohne die enge Kuschelbindung mit dem Kind zu verlieren.

Abstillen nach Gordon kann laut dem Plan funktionieren, wenn dein Kind gesund und mindestens ein Jahr alt ist. Außerdem weist der Kinderarzt darauf hin, dass beide Elternteile von der Methode „Nachts Abstillen nach Gordon“ überzeugt sein müssen, damit sich Erfolge einstellen. Wenn sich der Prozess nicht richtig anfühlt, kann das nächtliche Stillen aber jederzeit wieder aufgenommen werden. Die Methode sieht drei Phasen vor:

1. Die ersten drei Nächte
Wähle dir einen Zeitraum von sieben Stunden, in dem dir dein Schlaf besonders wichtig ist, also zum Beispiel 23:00 bis 06:00 Uhr. Stille dein Kind davor wie gewohnt, es kann auch dabei einschlafen. Wird dein Kind nachts wach und verlangt nach der Brust, füttere es kurz, lass es aber nicht dabei einschlafen. Kuschel jetzt viel mit ihm, bis es ohne die Brust einschläft. Hier kann dir auch dein Partner helfen. Nach Ablauf der sieben Stunden, also in unserem Beispiel ab 06:00 Uhr, kannst du dein Kind wieder wie gewohnt stillen.

2. Nacht vier bis sechs
In den folgende drei Nächten setzt du dir wieder eine sieben Stunden Frist. Wacht dein Baby in dieser Frist auf, kannst du es beruhigen und streicheln – aber nicht stillen! Kuschel viel mit ihm und versuche es durch Wiegen und Streicheln zu beruhigen, bis es einschläft. Der Kinderarzt rät allen Eltern, die sein Programm „Nachts Abstillen nach Gordon“ wirklich durchziehen wollen, konsequent zu bleiben und sich auf Proteste des Kindes einzustellen. Wichtig ist, dass das Kind lernt, ohne die Brust einzuschlafen. Nach Ablauf der Frist, kann wieder gestillt werden.

3. Nacht sieben bis zehn
Wenn du in den vorherigen Nächten konsequent geblieben bist, sollte dein Kind gelernt haben, ohne die Brust wieder einzuschlafen. Wacht es jetzt nachts auf, nimm es nicht mehr hoch, sondern versuche es, nur durch sanftes Streicheln, Singen oder Reden zu beruhigen. Ab der zehnten Nacht sollten die meisten Kinder nach Gordon abgestillt sein. Natürlich ist aber jedes Kind anders und manchen Kindern fällt es schwerer sich umzugewöhnen. Versuche die dritte Phase so lange aufrechtzuerhalten, bis dein Kind gelernt hat, ohne Stillen und herum getragen werden wieder einzuschlafen.

Medikamente zum Abstillen

Lass dich von einem Arzt beraten, wenn sich dein Körper nur schwer an die Umstellung gewöhnen kann, du etwa immer wieder eine entzündete Brust bekommst. In manchen Fällen verschreiben Ärzte dann Tabletten zum Abstillen, die die Bildung des Stillhormons Prolaktin und damit auch die Milchbildung hemmen, sogenannte Prolaktinsekretionshemmer. Gegen die Schmerzen hilft auch die Einnahme von Paracetamol oder Ibuprofen. Bei Asthma-Patienten sollte aber auf Ibuprofen verzichtet werden. Vor der Einnahme von Medikamenten und Abstillen-Tabletten sollte immer der zuständige Arzt um Rat gebeten werden.

Abstillen: Tee

Es eignen sich auch unterschiedliche Teesorten zum Abstillen. Tee, wie Salbei oder Pfefferminz hemmen die Milchbildung. Täglich kannst du davon zwei bis drei Tassen trinken, solange abgestillt wird. Als Tee eignen sich frische Salbei- oder Pfefferminzblätter oder auch Teebeutel. Wenn du dich für die frische Variante entscheidest, solltest du die Blätter etwa 15 Minuten im heißen Wasser ziehen lassen. Salbeitee wird kalt auch für Kompresse verwende. Diese mehrmals am Tag für 20 Minuten auf die Brust legen.

Milchstau und Brustentzündung vermeiden

Abstillen wie ein Profi, dabei helfen dir ein paar Tricks, damit du eine Brustentzündung oder einen Milchstau verhindern kannst:

  • Enge BHs: Je enger dein BH sitzt, desto stärker geht die Milchbildung zurück. Achte aber bitte darauf, dass du ihn immer noch relativ bequem und vor allem schmerzfrei tragen kannst.
  • Kälte hemmt ebenfalls die Milchbildung. Du kannst also Kühlkompressen auf deine Brüste legen.
  • Brustmassage: Damit du keinen Milchstau bekommst, solltest du die Brust regelmäßig massieren. Hast du sehr viel Druck durch die Milch, kannst du ein paar Schlucke abpumpen, bis der Druck weicht.
  • Globuli können den Prozess des Abstillens unterstützen. Sprich am besten mit deiner Hebamme dazu.
  • Lass dir Zeit. Versuche die Nähe und den Körperkontakt des Stillens durch Kuscheln zu ersetzen!

Was tun bei Abstillproblemen?

Du hast körperliche oder seelische Probleme beim Abstillen? Dann bleibe damit auf keinen Fall allein. Deine Hebamme oder deine Stillberaterin werden dir zur Seite stehen. Sie kann dir eventuell homöopathische Mittel geben, um den Abstillprozess zu verbessern, etwa bei schmerzenden Brustwarzen. Und auch bei Sorgen mit deinem Kind während des Stillens bist du bei einer Hebamme gut aufgehoben.

Abstillen hat einen großen Einfluss auf die Bindung zu deinem Kind und ist für deinen Körper, Hormone und Emotionen eine große Umstellung. Wenn du unter schwereren körperlichen Problemen leidest, solltest du dich an einen Arzt wenden.

Ganz wichtig ist auch: Lass dir wie bei allem anderen Dingen rund um dein Kind, nicht reinreden. Du und dein Kind genießt das Stillen noch sehr und du möchtest noch nicht darauf verzichten? Dann hör auf deinen Bauch und das Herz und lass dich nicht von Kommentaren Anderer verunsichern. Abstillen ist eine individuelle Entscheidung, die du und dein Kind allein treffen solltet.

Quellen