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Dieses Baby ist eigentlich schon 27 Jahre alt

vonMarisa Dathe

Molly Everette Gibson ist vor gerade mal einem Monat geboren worden und hat bereits einen Rekord gebrochen. Denn streng genommen ist sie schon 27 Jahre alt – fast so alt wie ihre Mutter. 

vonMarisa Dathe
Als Embryo wurde sie eingefroren
Als Embryo wurde sie eingefroren
©Pexels/Lisa Fotios

Embryo lag für 27 Jahre auf Eis

Was wie die Handlung eines Science-Fiction-Films klingt, ist tatsächlich wahr. Tina (29) und Benjamin Gibson (36) aus dem US-Bundesstaat Tennessee in Texas haben am 26. Oktober ihre zweite Tochter auf die Welt gebracht – nachdem sie zuvor 27 Jahre lang als Embryo eingefroren war. Damit hat Molly Everette Gibson direkt einen Rekord gebrochen, als ältester eingefrorener Embryo.

Und damit noch nicht genug: Das erste Kind der Gibsons ist nämlich Mollys genetische Schwester. Auch die drei Jahre ältere Emma Wren wurde als Embryo eingefroren. Sie hatte seit 2017 bis zu Mollys Geburt im Oktober den Rekord als ältester eingefrorener Embryo gehalten.

Adoptierte Eizellen: In Amerika nicht ungewöhnlich

Weil Benjamin Gibson an der Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose leidet, konnte Tina nicht auf natürlichem Wege schwanger werden. Das Risiko, die Krankheit an die Kinder zu vererben wäre zu hoch gewesen. Um sich dennoch den Kinderwunsch zu erfüllen, nahm das Paar nahm zunächst Pflegekinder auf und dachte bereits über eine Adoption nach.

Mehr zum Thema Risikoschwangerschaft findest du hier.

Zur Adoption kam es tatsächlich, aber etwas anders als angenommen. Denn als die beiden von dem Programm „Adoptiere einen Embryo“ des National Embryo Donation Centers in Knoxville, Tennessee, hörten, war ihnen klar: genau das wollen wir. Dabei werden bereits befruchtete Eizellen von anderen Paaren, die keine Verwendung mehr dafür haben, zur „Adoption freigegeben“.

2017 wagten Tina und Benjamin den Schritt zum ersten Mal und wählten den über 24 Jahre lang eingefrorenen Embryo aus, der später Emma Wren werden sollte. Das Glück der Familie: Die Klinik hatte dabei noch weitere Embryos mit derselben DNA auf Lager, darunter auch Molly.

Schon über Emma Wrens Geburt wurde in den nationalen und internationalen Medien viel berichtet. Klar, dass jetzt auch Molly diese Aufmerksamkeit zu Teil wird. Ob das bekannte Frühstücksfernsehen „Good Morning Amerika“, die „New York Times“ oder das „People Magazin“, sie haben über die ungewöhnliche Familiengeschichte der Gibsons berichtet und Fotos von Mollys Neugeborenenshooting geteilt.

In Deutschland ist die Rechtslage eine andere

In den USA ist dieses Vorgehen nicht ungewöhnlich. Alleine bis 2017 wurden dank des National Embryo Donation Center etwa 700 Kinder durch die Adoption von Embryos geboren.

In Deutschland dagegen ist das bisher nicht erlaubt. Nach dem Embryonenschutzgesetz dürfen Eizellen in Deutschland – bis auf wenige Ausnahmen – nur im sogenannten Vorkernstadium eingefroren werden. Das heißt, die Erbanlagen von Mann und Frau sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht verschmolzen.

Eins steht jedoch fest: die Geburt von Molly und auch Emma gleicht einem kleinen Wunder und könnte auch die Handlung eines Sciene-Fiction-Films mit Happy End sein. 

Quellen

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