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Asthma beim Baby: erste Symptome, Ursachen und Behandlung

Das Baby pfeift beim Atmen, hustet anfallsartig und bekommt schlecht Luft: Nachvollziehbar, dass das bei Eltern für Unruhe sorgt. Kann Asthma der Grund sein? Tatsächlich zählt Asthma bronchiale zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter und schon Babys können davon betroffen sein. Mehr zum Thema erfährst du hier.

Asthma bei Babys und Kleinkindern ist nicht leicht zu diagnostizieren
Asthma bei Babys und Kleinkindern ist nicht leicht zu diagnostizieren
© Bigstock/ HannaKuprevich

Asthma: Babys können erste Symptome nach Infekten zeigen

In Deutschland leiden etwa zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren an Asthma. Statistisch gesehen treten etwa 70 bis 80 Prozent aller Asthmaerkrankungen bereits vor dem fünften Lebensjahr auf, ganze 30 Prozent der Kinder zeigen eine Symptomatik bereits vor dem ersten Geburtstag, meist in Folge einer Infektion der Atemwege, also einer Bronchitis. Weil bei Säuglingen und Kleinkindern die Bronchien noch sehr empfindlich sind, ist eine Verengung der Atemwege nicht untypisch. Ärzte sprechen dann von einer sogenannten obstruktiven Bronchitis oder von Infektasthma.

Was ist Asthma? Definition

Per Definition ist Asthma, genauer gesagt Asthma bronchiale, eine chronische Atemwegserkrankung, die eine Überempfindlichkeit der Bronchialschleimhaut bewirkt. Auf scheinbar harmlose Einflüsse reagiert das Kind mit einer Abwehrreaktion: Die Muskulatur der Bronchien verkrampft, zähflüssiger Schleim verstopft die Bronchialöffnung. Diese Reize können zum Beispiel Pollen, Milben, Infekte, kalte oder schlechte Luft sein. Auch Stress oder große Anstrengung können Auslöser sein. Typisch für Asthma: Symptome treten anfallsartig auf und werden danach wieder besser – bis zum nächsten Anfall.

Klassische Asthma-Symptome sind:

  • Atemnot, Kurzatmigkeit
  • Atemgeräusche (pfeifend oder brummend)
  • Engegefühl im Brustbereich
  • Reizhusten, manchmal wird zäher Schleim abgehustet

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Asthma: Baby zeigt zusätzliche Symptome

Anders als ältere Kinder und Jugendliche können Babys ihre Beschwerden nicht äußern. Um Asthma bronchiale bei deinem Baby diagnostizieren zu können, sind Fachleute auf deine Beobachtungen angewiesen. Zusätzlich zur klassischen Symptomatik können möglicherweise noch weitere Anzeichen auftreten, wenn ein Baby Asthma hat:

  • Nasenflügeln des Babys beben, während es atmet
  • Beim Atmen zeigen sich im Bereich zwischen und unterhalb der Rippen Einziehungen. Das passiert, wenn die Atemhilfsmuskulatur eingesetzt wird.
  • Verweigerung des Trinkens beziehungsweise der Nahrungsaufnahme
  • generelle Schwäche und Apathie
  • wiederholte Infekte der Atemwege, die lange andauern und schwer ausheilen

Diagnose beim Baby: Asthma nur schwer nachweisbar

Ob ein Baby Asthma hat ist schwer eindeutig nachzuweisen. Denn für eine Messung der Lungenfunktion, die Asthma bronchiale bestätigen würde, sind Babys noch zu klein. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. erklärt auf der Website Lungenärzte im Netz: „Bei Säuglingen und jungen Kleinkindern (unter 2 Jahren) ist das Erkennen einer Asthma-Erkrankung natürlich recht schwierig. Eine Untersuchung ihrer Lungenfunktion ist sehr eingeschränkt und nur in Spezialeinrichtungen überhaupt messbar.“ Sollten jedoch folgende sechs Punkte auf dein Kind zutreffen, bestehe laut den Experten der begründetet Verdacht, dass das Baby Asthma hat:

  • mehr als 3 Phasen mit pfeifenden Atemgeräuschen in den letzten 6 Monaten
  • Einlieferung ins Krankenhaus wegen Atembeschwerden mit Luftnot
  • Heftige Nasenschleimabsonderung ohne gleichzeitigen Atemwegsinfekt
  • Neurodermitis
  • Asthma und Allergien in der Familie häufig
  • Nachweis einer erhöhten Bildung von Antikörpern (Ig E)

Wesentlicher als die letztendliche Diagnose ist aber ohnehin zunächst die engmaschige Kontrolle des Krankheitsverlaufes sowie eine entsprechende Behandlung der Beschwerden. Viele Kinder erhalten die Diagnose Asthma bronchiale erst verspätet, leiden aber schon im Baby- und Kleinkindalter an obstuktiver Bronchitis, die als Vorbote von Asthma gesehen wird.

Auslöser für Asthma: Baby vorbelastet?

Wodurch Asthma bronchiale grundsätzlich bedingt ist, ist nicht zur Gänze geklärt. Fachärzte unterscheiden jedoch zwischen zwei Arten von Asthma mit unterschiedlichen Ursachen:

  • allergisches Asthma
  • nicht-allergisches Asthma

„Das Asthma bronchiale ist eine komplexe Erkrankung, bei der genetische Faktoren und Umweltfaktoren zusammenspielen. Wenn eine schlechte Kombination von genetischem Risiko mit schlechten Umweltbedingungen, also zum Beispiel Rauchen in der Schwangerschaft oder viel Stress oder eine Allergenbelastung zusammenwirken, ist das der größte Risikofaktor einer Erkrankung“, erklärt die Kinderärztin und Allergologin Erika von Mutius in dem Vortrag „Asthma bronchiale im Kindesalter:Entstehung, Behandlung und Prognose“ während des 12. Forums Lunge im Oktober 2015.

Man geht also davon aus, dass die Entstehung multifaktoriell zu sehen ist. So nehmen genetische Faktoren ganz bestimmt Einfluss, denn Asthma tritt oft familiär gehäuft auf. Auch Umwelteinflüsse, eine Frühgeburt, ein zu geringes Gewicht des Babys bei der Geburt oder Passivrauchen sind begünstigende Faktoren für Asthma bronchiale im Kindesalter. Deutlich hervorheben muss man Allergien als Auslöser für Asthma bei Babys und Kindern. In etwa 70 Prozent aller Fälle handelt es sich nämlich um allergisches Asthma.

Hauptgründe für einen allergisch bedingten Asthmaanfall?

  • Pollen (vor allem Gräser und Birke)
  • Tierhaare
  • Lebensmittel (zum Beispiel Milch, Eier oder Nüsse)
  • Hausstaubmilbe
  • Schimmelsporen
  • seltener auch Lebensmittelzusätze oder Medikamente

Auch ein gemeinsames Auftreten von Asthma bronchiale und Neurodermitis wird bei Babys und Kindern häufig beobachtet.

Therapie bei Asthma: Baby und Kinder richtig behandeln

Eine Asthmatherapie bei Babys und Kindern zielt einerseits darauf ab, Beschwerdefreiheit herzustellen, andererseits soll sie die Lungenfunktion verbessern, um eine optimale Lungenentwicklung zu gewährleisten.

Durch Anwendung bestimmter Medikamente (Bedarfsmedikation und Langzeitmedikation) kann das erreicht werden. Diese Mittel entspannen die Muskulatur, erweitern die Atemwege deines Babys und bekämpfen Entzündungen im Bronchialsystem. Neben Beta-2-Sympathomimetika ist der Einsatz von Kortison häufig Mittel der Wahl.

Asthmamedikamente werden Säuglingen und Kleinkindern meist mit sogenannten Dosieraerosolen verabreicht. Darunter versteht man das klassische Asthmaspray. Bei Babys verordnen Ärzte manchmal auch Inhalationen mit Verneblern. Diese dauern im Vergleich aber länger und erzielen weniger Wirkung.

Generell gilt in Bezug auf die Asthmatherapie bei Babys und Kindern: So viel wie nötig, so wenig wie möglich!

Bei Asthma Baby auch nicht-medikamentös behandeln

Auch abseits von einer Medikation gibt es einige Möglichkeiten, um Asthmaanfällen bei Babys und Kindern vorzubeugen. Viele Ärzte und Eltern setzen auf eine Kombination von medikamentöser und nicht-medikamentöse Therapie, um eine möglichst lange Beschwerdefreiheit zu erreichen und dem Kind so einen ganz normalen Alltag zu ermöglichen.

Das kannst du tun, um bei Asthma Baby zu helfen:

  • Faktoren meiden, die Asthma auslösen (zum Beispiel übermäßige Anstrengung, Kälte, Nebel, Abgase, …)
  • Allergene meiden, die Asthma auslösen (zum Beispiel Pollen, Hausstaubmilbe, etc.)
  • auf gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung achten
  • das Kind vor Passivrauchen schützen

Die Kinderärztin von Mutius kann Eltern beruhigen, deren Babys Asthma haben: Aller Wahrscheinlichkeit nach werden Kinder nicht ihr ganzes Leben darunter leiden. Sie erklärt: „Das Asthma im Kindesalter hat eine ganz gute Prognose. Viele Kinder mit nicht-allergischem Asthma verlieren es in der Schulzeit, Kinder mit allergischem Asthma haben auch in der Pubertät eine gute Chance es zu verlieren.“


Quellen:

  • Lungeninformationsdienst des Helmholtz Zentrum München hat in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL): Asthma bronchiale (2018) In: lungeninformationsdienst.de. https://www.lungeninformationsdienst.de/krankheiten/asthma/index.html (letzer Zugriff März 2019)
  • Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. und Deutsche Lungenstiftung e.V.: Asthma bei Kindern. In: Lungenärzte im Netz. https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/asthma-bei-kindern/wie-haeufig-ist-asthma-bei-kindern/ (letzer Zugriff März 2019)
  • Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. und Deutsche Atemwegsliga e.V.: S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma. https://pneumologie.de/fileadmin/user_upload/s-0043-119504.pdf (letzer Zugriff März 2019)
  • Hellstern, Gerald ; Bald, Martin ; Blattmann, Claudia; Bosse, Hans Martin: Kurzlehrbuch Pädiatrie (2017). Thieme, S. 294 – 301