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Ab wann schlafen Babys durch?

vonMichaela Brehm

Ab wann man bei Babys von „Durchschlafen“ spricht, haben wir eine Schlaf-Expertin gefragt. Sie gibt wertvolle Tipps, wie du dein Kind dabei unterstützen kannst.

vonMichaela Brehm

Inhalt geprüft und ergänzt von Katharina Meier-Batrakow, Psychologin

Durchschlafen ist eine Entwicklung – kein Erziehungserfolg

Wie bei ihrer gesamten Entwicklung, haben Babys auch beim Schlaf ein individuelles Entwicklungstempo. Ab wann schlafen Babys durch, lässt sich demnach nicht pauschal beantworten. Daher solltest du dich nicht auf einen fixen Zeitraum einstellen. Das setzt euch nur unnötig unter Druck.

Außerdem ist das Schlafbedürfnis jedes Kindes von Geburt an individuell. So gibt es von Natur aus entweder Lang- oder Kurzschläfer, Nachteulen oder Frühaufsteher – auch Lerchen genannt.

Es wird außerdem vorkommen, dass sich der Schlafrhythmus in verschiedenen Entwicklungsphasen immer wieder ändert. „Viele Babys schlafen in den ersten Lebensmonaten bereits mehrere Stunden am Stück. Mit drei bis sechs Monaten kann der Schlaf dann wieder unruhiger werden. Babys entwickeln sich in dieser Lebensphase stark. Nachts sind sie daher viel mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt und verarbeiten die Erlebnisse des Tages“, sagt Meier-Batrakow.

Was bedeutet beim Baby Durchschlafen?

In den ersten Monaten verschlafen Babys den größten Teil des Tages. Neugeborene brauchen beispielsweise noch 14 bis 18 Stunden Schlaf pro Tag. Sie schlafen viel, aber nie lange am Stück. Erst ab etwa dem vierten Lebensmonat stellt sich ein stabilerer Tag-Nacht-Rhythmus ein und Kinder schlafen mehr Stunden in der Nacht als am Tag.

Es gibt Kinder, die können schon bis Ende des ersten Lebensjahres sechs bis acht Stunden am Stück schlafen. Doch das ist nicht die Norm. Durchschlafen definieren einige Experten daher eher so: ein Baby schafft es, zwei oder drei der nächtlichen Schlafzyklen miteinander zu verbinden, ohne dazwischen wirklich wach zu werden. Was bedeutet das?

Um zu verstehen, warum Babys Durchschlafen erst lernen müssen, ist wichtig zu wissen, wie Menschen schlafen.

In der Nacht durchleben wir mehrere Schlafzyklen. Einer dauert bei uns Erwachsenen etwa 90 bis 120 Minuten. Dabei wechseln sich Tiefschlaf und REM-Schlaf (Traumphase) ab. Nach einem Zyklus wachen wir kurz auf, schlafen wieder ein und beginnen einen neuen Schlafzyklus. Dass wir mehrere Male in der Nacht wach waren, daran erinnern wir uns am Morgen gar nicht mehr.

Bei Babys sind die Schlafzyklen deutlich kürzer. Sie dauern nur etwa 30 bis 50 Minuten. Damit durchleben Babys mehr Zyklen pro Nacht und wachen demnach auch häufiger auf. Um wieder in den Schlaf zu finden brauchen sie anfangs noch unsere Unterstützung. Selbstständig mehrere dieser Zyklen zu verknüpfen ist ein komplexer Lern- beziehungsweise Reifeprozess. Das hängt eng mit einer Fähigkeit zur Selbstberuhigung zusammen.

Meier-Batrakow: „Guter Schlaf ist eng an die Erfüllung emotionaler und physischer Bedürfnisse gebunden. Babys müssen satt und schmerzfrei sein, die Blase sollte nicht drücken. Sicherheit und Vertrauen sind zudem wichtig, damit sie loslassen können. Letzteres ist unter anderem ihre Brücke in den Schlaf.“


Babys haben also gute Gründe, nachts aufzuwachen. Denn für all diese Prozesse brauchen sie häufig noch Unterstützung.

Ursachen fürs Aufwachen

  • Babys benötigen auch nachts immer wieder Nahrung (Milch wird relativ schnell verwertet).
  • Vor allem in zweiter Nachthälfte ist die Verdauung aktiv – das bedeutet volle Windeln.
  • Nach dem Aufwachen vergewissern sich Babys immer wieder, ob sie in Sicherheit sind – ihre Bezugspersonen in der Nähe sind.
  • Dabei suchen sie Schutz bei diesen Personen und tanken Nähe.
  • Beim Übergang von einer Schlafphase in die nächste brauchen Babys unsere Unterstützung, um Ruhe zu finden.
  • Temperatur (zu kalt/ zu warm)
  • Schmerzen (Bauch/ Zähne)

Dein Baby beim Durchschlafen unterstützen

Grob gesagt ist das Durchschlafen abhängig von:

  • körperlicher Entwicklung des Babys
  • emotionaler Entwicklung des Babys
  • den Erfahrungen der ersten Lebensmonate
  • Schlafsituation (Umgebung) und -gewohnheiten und letztlich von der
  • Beziehung zu den Bezugspersonen

Meier-Batrakow rät, von Beginn an das Thema Schlaf als sicher, geborgen und angenehm zu gestalten. Das bedeutet, hat dein Baby von Anfang an viele gute Erfahrungen gesammelt (Einschlafbrücken), sind das beste Voraussetzungen. Am besten klappt dies, wenn Kinder bei oder in der Nähe der Eltern schlafen.

Abgesehen davon sind wichtige Punkte für ruhige(re) Nächte:

  • Das Bett nur zum Schlafen und nicht zum Spielen nutzen.
  • Entwickle Einschlafrituale vor dem Schlafengehen. Diese sollten praktisch sein und die Bedürfnisse des Kindes erfüllen (Beispiel: Schlafen in der Federwiege ist dauerhaft nicht praktisch und auch kein Bedürfnis).
: Einschlafrituale
  • Saugfähige Windeln, damit sie nachts nicht mehr zu oft gewechselt werden müssen.
  • Benutze Einschlafhilfen wie Schnuller, Kuscheltiere, Stillen oder ein Fläschchen.
  • Auch Pucken kann als Einschlafhilfe dienen. Diese bestimmte Wickeltechnik gibt Babys ein Gefühl von Enge und Wärme, die sie noch aus dem Bauch kennen. Wichtig: am besten eine Hebamme fragen, wie die richtige Technik funktioniert.
  • Volle Mahlzeiten halten die Kleinen eine Weile satt, sodass sie länger schlafen können, ohne vom Hunger oder Durst geweckt zu werden.
  • Beim Stillen oder Füttern in der Nacht für ruhige Atmosphäre sorgen: wenig bis kein Licht, keine lauten Geräusche usw.
  • Ein ähnlicher Tages- und Nachtrhythmus gibt dem Baby Sicherheit. Dazu gehört auch, für ausreichend Schlaf am Tag zu sorgen. Übermüdete Babys finden abends nur schwer zur Ruhe.

Eltern sind oftmals sehr erfinderisch, wenn es darum geht, ein weinendes Baby zu beruhigen. Aber nicht alle Beruhigungsmethoden sind unbedingt für die Nacht geeignet: etwa, wenn ein Kind nur dann einschlafen will, wenn Mama hüpft und dabei der Fön läuft. Tagsüber ist das vielleicht möglich, nachts bedeutet das nur Stress.

Solche Einschlafgewohnheiten gilt es wieder zu durchbrechen und neue Einschlafbrücken – wie es Meier-Batrakow nennt – zu etablieren.

Und was ist mit „Schlaftraining“?

Es gibt zahlreiche Varianten vom sogenannten Schlaftraining. „Jedes Kind kann schlafen lernen“ ist ein beliebtes Buch unter Eltern, welches auf der Ferber-Methode basiert. Jedoch gibt es keine anerkannten Studien dafür, dass Schlaftrainings Erfolg versprechen.

: Ferber-Methode

Bis Babys durchschlafen: Tricks für müde Eltern

Wenn das Kind nicht durchschläft ist es häufig eine starke Belastung für die Eltern. Sie müssen sich vorrübergehend mit dem Schlafmangel arrangieren. „Oft hilft es müden Eltern schon zu wissen, dass sie nichts falsch machen, dass es eine super schwere Zeit ist und dass es besser wird“, erklärt die Schlaf-Expertin.

Weitere Tipps, um bestmöglich durch die schlaflose Zeit zu kommen:

  • Pragmatisch sein
    In schweren Zeiten ist es wichtig, alles so praktisch wie möglich zu gestalten für Eltern und Kind. Man bietet dem Kind größtmöglichen Schutz und Sicherheit z. B. in dem man beieinander schläft.
  • Schlaf nachholen
    Wenn dein Baby schläft, versuche auch abzuschalten oder zu schlafen. Schlaf ist ein Grundbedürfnis, dementsprechend hat manchmal Schlaf Priorität vor allen anderen Dingen. Das Bewusstsein dafür kann schon helfen.
  • Mit dem Partner abwechseln, wer nachts aufsteht
  • Um Hilfe bitten
    Wenn große Verzweiflung aufkommt, ist es wichtig die Hilfe anderer in Anspruch zu nehmen und tief durchzuatmen. Verwandte, Freunde oder auch der Partner können hier eine große Hilfe sein.

Wenn der Schlafmangel dich und deinen Partner schwer belastet, solltet ihr euch professionelle Hilfe suchen. Wende dich am besten an „Nationales Zentrum frühe Hilfen“, Hebammen oder Kinderärzte. Über den Kinderarzt kannst du zum Beispiel auch eine Überweisung für eine Schreiambulanz erhalten. Oder eben alternativ mit Schlafberater*innen sprechen, aber hierbei auf deren Qualifikation achten.

Quellen

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