Wenn das Baby schielt: Muss ich gleich zum Arzt?

Wenn das Baby schielt: Muss ich gleich zum Arzt?

Hilfe, mein Baby schielt! Wenn die Augen deines Lieblings ihm nicht so recht gehorchen wollen, kann einen das beunruhigen. Schließlich ist Schielen nie normal, oder? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Baby auf weißer Decke
Ist es normal, wenn das Baby schielt? © Unsplash/ PixieMe

Das Baby schielt: Was ist Strabismus?

Schielen bei Babys, Kindern oder Erwachsenen heißt in der Fachsprache auch Strabismus. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft beschreibt das Schielen als Fehlstellung eines Auges oder beider Augen. Das kann dauerhaft auftreten oder nur fallweise (latentes Schielen). In den meisten Fällen ist beim Baby Schielen nie dauerhaft. Oft tritt es auf, wenn dein Kind müde ist oder gerade erst aufgewacht ist.

Schielen: Ursache für Babys Silberblick

Grund für den anfänglichen Silberblick beim Baby ist die noch schwache Muskulatur der Augen. Innerhalb der ersten drei Lebensmonate laufen Augenbewegungen noch recht unkoordiniert ab. Neugeborene können zum Beispiel maximal 30 Zentimeter weit scharf sehen. Sehen ist also ein Lernprozess und dabei kann es manchmal passieren, dass ein Auge aus der Sichtachse fällt. Wenn dein Baby schielt, ist das zunächst noch nicht ungewöhnlich. Vorausgesetzt natürlich, es schielt nicht ständig!

Wann muss ich beim Baby Schielen behandeln lassen?

Zwar ist anfängliches Schielen bei Babys normal, Univ. Prof. Guido Dorner von der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie am AKH in Wien warnt aber deutlich davor, das Problem zu unterschätzen. Ab dem dritten Lebensmonat ist der Sehsinn in der Regel so weit entwickelt, dass die Augen in der entsprechenden Sehachse bleiben. Es sollte also nicht mehr regelmäßig vorkommen, dass dein Baby schielt.

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Passiert das allerdings trotzdem noch häufig, kann es sein, dass dein Kind einen dauerhaften Sehfehler entwickelt. Durch die permanente Fehlstellung eines Auges hat das Gehirn Schwierigkeiten die transportierten, unterschiedlichen Einzelbilder, zu einem einheitlichen Bild zusammenzufügen (räumliches Sehen). In Folge entstehen Doppelbilder. Gerade Kinder unterdrücken diese häufig – sprich, die Bilder, die das schielende Auge liefert werden nicht mehr verarbeitet. Das Auge entwickelt eine Sehschwäche.

Erkennt man dies rechtzeitig, ist die Wahrscheinlichkeit, mit geeigneten Therapien mögliche Fehlsichtigkeit auszugleichen, noch hoch. Nach dem zweiten Geburtstag jedoch sinkt sie rapide ab. Wenn dein Baby schielt, ist also schnelles Handeln gefragt!

Anzeichen, dass dein Baby schielt

Gerade als Laie fällt einem Strabismus bei Babys und Kleinkindern häufig erst dann auf, wenn er sehr deutlich ausgeprägt ist. Folgende Fragen können dir bei der frühzeitigen Beurteilung helfen:

  • Ist dein Kind blendungsempfindlich?
  • Reagiert dein Kind nicht auf Lichteinfall?
  • Kneift dein Kind häufig ein Auge zu oder hält es sich zu?
  • Hält dein Kind seinen Kopf schräg?
  • Hat dein Kind Probleme, Gegenstände mit den Augen zu verfolgen?
  • Hat dein Kind Probleme, Gegenstände zu greifen?
  • Hat dein Kind Probleme damit, Blickkontakt aufrecht zu erhalten?

 

Kannst du diese Probleme bei deinem Kind erkennen, solltest du möglichst bald einen Facharzt aufsuchen. Denn leider sind jene Formen des Schielens in der Überzahl, die kaum ersichtlich sind (beispielsweise manifestes Mikroschielen). Hier ist das Risiko, dass der Sehfehler erst so spät erkannt wird, dass er nicht mehr korrigiert werden kann, besonders hoch.

Augen-Experten raten zu Vorsorgeuntersuchung

Das ist ein wesentlicher Grund, weshalb Univ. Prof. Guido Dorner auf die dringende Notwendigkeit von frühkindlichen Vorsorgeuntersuchungen pocht. Wartet man, bis die kindliche Sehschärfe verlässlich bestimmt werden kann, ist es für eine optimale Behandlung nämlich zu spät. Zusätzlich empfiehlt sich daher auch eine augenärztlich-orthoptische Abklärung deines Kindes vor dem zweiten Geburtstag. Mit geeigneten Verfahren kann einwandfrei diagnostiziert werden, ob dein Babys schielt.