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Mit der Bernsteinkette Baby das Zahnen erleichtern – geht das?

Die Bernsteinkette als Zahnungshilfe? Hier gehen die Meinungen oft weit auseinander. Wie und vor allem ob die Bernsteinkette Baby das Zahnen erleichtern kann, das erklären wir hier. Ein häufiger Kritikpunkt von Kinderärzten: Kinder können sich damit strangulieren.

Helfen Bernsteinketten Kindern wirklich beim Zahnen?
Helfen Bernsteinketten Kindern wirklich beim Zahnen?
© Bigstock / Little Desire

Hilft eine Bernsteinkette Baby beim Zahnen?

Jede Mutter möchte ihrem Kind die Zeit, in der die ersten Zähnchen durchbrechen, natürlich so einfach wie möglich machen. Und viele Mütter schwören in Foren auf die Kraft von Bernsteinketten. Babys soll das Beißen auf Bernstein beruhigen beziehungsweise durch längeren Kontakt auf nackter Haut sollen ätherischen Öle freisetzen werden und die Schmerzen lindern. Man sagt Bernstein nach, er beschleunige die Wundheilung, sorgt für Erholung und einen gesunden Schlaf. Also alles das, was zahnende Babys gut gebrauchen könnten. Doch auf der anderen Seite warnen viele Kinderärzte und Hebammen vor der Kette. Das Unfallrisiko sei zu hoch und die positive Wirkung der Bernsteinkette als Zahnungshilfe nicht wissenschaftlich nachgewiesen.

Bernsteinkette Baby: Ab wann?

Da die Bernsteinkette Zahnen erleichtern soll, macht sie natürlich auch erst Sinn, wenn dein Kind erste Symptome zeigt, dass die ersten Zähnchen durchbrechen wollen. Du erkennst das daran, dass dein Baby übermäßig viel sabbert, gerötete Wangen hat und gereizter ist als sonst. Die meisten Zwerge bekommen ihre ersten Beißerchen um den sechsten Lebensmonat. Rund um diesen Zeitraum wäre also auch der Moment, ab wann die Bernsteinkette für das Baby Sinn macht – sofern du dich wirklich für diese Zahnungshilfe entscheiden solltest. Übrigens kannst du jetzt auch damit beginnen, die Beikost einzuführen. Dann kann auch eine gekühlte Karotte auf der dein Kleines kauen kann, etwas Linderung gegen das juckende Zahnfleisch sein.

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Bernsteinkette: Wirkung hängt vom Glauben ab

Dass eine Bernsteinkette Baby helfen kann, also die positive Wirkung des Bernsteins, ist eher dem esoterischen Glauben zugeordnet. Das Onlineportal heilsteine-ratgeber.net unterstreicht vor allem die positive Wirkung des Steines auf die Gesundheit und verweist darauf, dass der Stein dem Besitzer „(…) auf vielfältige Weise den Weg zu innerer Harmonie, Mut und Stärke“ zeige.

Ob das tatsächlich der Fall ist, hänge laut dem Portal aber auch vom Glauben des Besitzers ab: „Wie bei allen Edelsteinen ist es der Glaube und die innere Bereitschaft, welche letztlich das Tor zu der mannigfaltigen, recht sensiblen Heilkunst öffnen. Wer sich auf die Heilwirkung des Bernsteins nicht einlassen möchte und sich ihm nicht anvertraut, wird die Feinheiten des Edelsteins nie kennenlernen. Denn der Brennstein spürt negative Energien, bremst diese aus und verschließt sich ihnen gänzlich.“ Heißt also: Die Wirkung hängt vom Glauben ab.

Umstrittene Zahnungshilfe Bernsteinkette: Baby gefährdet?

Die heilende Wirkung von Bernstein lässt sich aber nicht wissenschaftlich nachweisen – die meisten Ärzte raten aufgrund von einer hohen Verletzungsgefahr sogar vor Bernsteinketten für Babys ab. Grund dafür ist vor allem die Erstickungsgefahr, die durch die Kette und die einzelnen Steine ausgeht. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. bezeichnet den Rat, mit einer Bernsteinkette Baby das Zahnen zu erleichtern als „wissenschaftlich unhaltbar, überflüssig und sogar gefährlich“.

Unfallgefahr durch Bernsteinkette: Baby kann sich strangulieren

Dr. Sylvia Schuster, Pressesprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Nordrhein rät dringend von den Ketten ab: „Die Ketten können das Kind beim Spielen und auch Schlafen verletzen und sogar strangulieren, wenn sie sich irgendwo verhaken. Reißt die Kette, besteht die Gefahr, dass das Kind Steine in den Mund nimmt und verschluckt oder dass es sie in Nase und Ohren steckt.“

In den USA gab es in den 1970er Jahren nach zehn Todesfällen und sieben nicht-tödlichen Erstickungsunfällen Studien zu den Ketten und Schnullern an Bändern. 1977 erging dann das Verbot von Schnullerketten. In Deutschland gibt es kein vergleichbares Verbot, allerdings warnen Experten vor jeder Art von Ketten in der Nähe von Kindern – also auch vor der Bernsteinkette. Babys sollten nichts eng um den Hals tragen.

Falls du dir trotzdem überlegst, deinem Kind diese Zahnungshilfe zu ermöglichen, solltest du auf folgende Sicherheitsmaßnahmen achten:

Bernsteinkette & Zahnen: Sicherheitscheckliste

Wenn du eine Bernsteinkette fürs Baby kaufen möchtest, solltest du auf folgende fünf Punkte achten:

  1. Die Kette sollte einen Magnetverschluss haben
    So verringerst du die Gefahr einer Strangulation.
  2. Das Band sollte reißfest sein
    Damit verhinderst du, dass die Kette reißt und dein Kind sie verschlucken kann.
  3. Die Steine sollten alle einzeln um das Band verknotet sein
    So kann dein Baby die einzelnen Bernsteine nicht verschlucken, falls das Band doch reißen sollte.
  4. Einmal pro Woche solltest du die Kette unter lauwarmem Wasser reinigen
    Das verringert einen Bakterienbefall. Lasse sie anschließend an der Luft trocknen.
  5. Als Alternative zur Bensteinkette, Baby ein Armband aus Bernstein kaufen
    Mit einem Armband verringerst du die Gefahr, dass dein Baby sich damit stranguliert, allerdings solltest du auch bei einem Armband auf die Sicherheitspunkte 2 – 4 achten.

Alternativen zur Bernsteinkette für Babys

Der Berufsverband Kinder- und Jugenärzte e.V empfiehlt Eltern, die zu medizinisch erprobteren Alternativen greifen möchte, um ihrem Baby das Zahnen zu erleichtern auf einen Beißring zurückzugreifen. Kühle mit Flüssigkeiten gefüllte Ringe immer nur im Kühlschrank und nicht im Gefrierfach! Auch Veilchenwurzeln aus der Apotheke eignen sich, der Berufsverband rät aber eher zu einer Karotte, auf dem das Kind unter Aufsicht beißen kann. Für die Schmerzen gibt es homöopathische Kügelchen oder Tinkturen.

Was ist Bernstein überhaupt?

Bernstein, auch Amber oder Succinit genannt, ist kein Stein, wie der Name fälschlicherweise vermuten lässt. Es ist fossiles Harz, also ein Baumsekret, das schnell ausgehärtet ist und dann unter dem Druck von Wasser, Gestein oder Sand über Millionen von Jahren versteinert ist. Seinen Namen bekam der Bernstein laut dem Deutschen Wörterbuch von Friedrich L. Weigand aus dem frühneuhochdeutschen „bern(e)stein“, weil der Stein sehr leicht entflammbar ist, also leicht brennt. Farblich changieren Bernsteine von gelblich, orange bis braun.


Quellen:

  • Berufsverband Kinder- und Jugenärzte e.V.: Das Zahnen und die „Bernsteinlegende“ (2005)
    https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/das-zahnen-und-die-bernsteinlegende/ (letzter Abruf: April 2019)
  • DDr. Peter Voitl: Bernsteinkette (2014)
    https://www.kinderarzt.at/kindergesundheit-lexikon/bernsteinkette/ (letzter Abruf: April 2019)
  • U.S. Consumer Product Safty Comission: Requirements  for Pacifiers, 16 C.F.R. Part 1511 (2001)
    https://www.cpsc.gov/PageFiles/120645/regsumpacifier.pdf  (letzter Abruf: April 2019)
  • Dr. med. Andreas Busse: Bernsteinkette (2005)
    https://www.rund-ums-baby.de/kinderarzt/Bernsteinkette-gerne-auch-an-alle_162437.htm (letzter Abruf: April 2019)
  • Friedrich L. Weigand: Deutsches Wörterbuch. Erster Band: A–K, 5. Auflage, De Gruyter, 1969, S. 208
    https://books.google.de/books?id=DZwgAAAAQBAJ&pg=PA208#v=onepage&q&f=false  (letzter Abruf: April 2019)
  • Heilsteine Ratgeber: Bernstein – Bedeutung, Feinheiten und Heilwirkung
    https://www.heilsteine-ratgeber.net/bernstein.html  (letzter Abruf: April 2019)
  • U.S. Consumer Product Safty Comission: CPSC Announces Pacifier Ban (1977)
    https://www.cpsc.gov/content/cpsc-announces-pacifier-ban (letzter Abruf: April 2019)