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Clusterfeeding: Wenn dein Baby häufiger an die Brust will

Mutter stillt ihr Baby
Clusterfeeding: Darauf musst du achten
©Bigstock/Rawpixel.com

Was genau ist Clusterfeeding & wann hört es auf? Lies hier, was hinter dem Begriff steckt, warum dein Baby manchmal durchgehend gestillt werden möchte, auf welche Alarmsignale du achten solltest und wie du entspannt durch die Zeit des Dauerstillens kommst.

Clusterfeeding: Was ist das genau?

Clusterfeeding bezeichnet eine Phase, in der dein Baby besonders häufig an die Brust will und du es – anders als gewohnt – in sehr kurzen Abständen stillen musst.

Der Begriff setzt sich aus den beiden englischen Wörtern „to cluster“ (dt.: etwas anhäufen) und „feeding“ (dt.: füttern) zusammen. Im Deutschen werden auch oft die Synonyme „Dauerstillen“ oder „Stillen nach Bedarf“ verwendet.

Warum kommt es zu Clusterfeeding?

Dein Baby möchte andauernd wieder an die Brust, obwohl du es erst vor zehn Minuten gestillt hast? Es gibt vor allem vier Gründe für Clusterfeeding:

#1 Magengröße von Babys

Das Stillen nach Bedarf lässt sich vor allem bei noch ganz kleinen Babys beobachten. Ihr Magen ist in den ersten Tagen und Wochen noch sehr klein:

  • Nach der Geburt hat der Magen etwa die Größe einer Kirsche.
  • Nach einem Monat ist er so groß wie ein Tennisball.

Wenn du mehr über die Magen-Entwicklung deines Babys erfahren möchtest, sieh dir unser Video zum Thema an.

Muttermilch ist leicht verdaulich und wandert zügig vom Magen in den Darm. Der Bauch ist also schnell wieder leer und das Baby hat wieder Hunger.

#2 Gewohnte Versorgung im Bauch

Außerdem wurde dein Baby während der Schwangerschaft ständig über die Plazenta und Nabelschnur mit Nahrung versorgt. Kleine häufige Mahlzeiten entsprechen also somit den vorgeburtlichen Bedingungen eher als seltenere große Mahlzeiten, schreibt die Europäische LaktationsberaterInnen Allianz.

#3 Hormonelle Gründe für Clusterfeeding

Aber auch die kindlichen Hormone sind ein wichtiger Faktor. Während der Saugperioden wird ein Hormon ausgeschüttet, das dem Kind ein Sättigungsgefühl vermittelt.

Es wird Cholezystokinin genannt. Dieses sinkt relativ rasch nach der Mahlzeit ab und das Hungergefühl beim Baby wieder an- Es kann also gut sein, dass es innerhalb von 10 bis 20 Minuten wieder trinken will.

Wann tritt Clusterfeeding am häufigsten auf?

  • Aufeinanderfolgende Tage, an denen das Baby ununterbrochen an die Brust möchte
  • Bestimmte Tageszeiten, an denen es dauergestillt werden möchte
  • Abends oder vor dem Schlafengehen wollen Babys Vorräte für die Nacht tanken und besonders häufig gestillt werden

Auch interessant: Muttermilch am Abend und in der Nacht wirkt schlaffördernd und beruhigend. Das liegt am Hormon Serotonin, auch als „Glückshormon“ bekannt. Die Konzentration ist am Abend in der Muttermilch höher als tagsüber. Deshalb schlafen Babys nach dem abendlichen Clusterfeeding oft etwas länger.

Übrigens auch im Sommer wollen Babys mit kleinen Mahlzeiten häufig gestillt werden. Sie wollen dann die Vordermilch trinken, da sie besonders durstlöschend ist.

Ist Clusterfeeding normal?

Dauerhaftes Stillen ist normal und stellt ein gesundes Verhalten dar. Damit du dir sicher sein kannst, dass dein Baby ausreichend Kalorien über deine Muttermilch erhält, solltest du auf folgende Punkte achten:

  • Zwischen den Stillzeiten ruht sich dein Baby aus oder schläft.
  • Stillkinder ab dem fünften Lebenstag bis zur vierten oder sechsten Lebenswoche haben mehrmals täglich Muttermilchstuhlgang.
  • Ganz am Anfang verlieren Neugeborene 5-7 Prozent ihres Körpergewichts, danach sollte es stetig zunehmen.

Alarmsignale beim Dauerstillen:

  • Wunde Brustwarzen und Schmerzen über einen längeren Zeitraum
  • Übermäßiger Milcheinschuss
  • Wiederkehrender Milchstau
  • Starke Gelbsucht
  • Schläfrigkeit oder starke Unzufriedenheit des Kindes über den ganzen Tag

In diesen Fällen ist es wichtig eine Fachperson zu kontaktieren, um sicher zu gehen, dass es dir und deinem Baby wirklich gut geht.

Clusterfeeding: Baby bekommt zu wenig Muttermilch?

Bekommt mein Baby zu wenig Milch, wenn es oft an die Brust will? Ganz klar, nein! Wenn dein Baby clustert, ist dies kein Zeichen dafür, dass du zu wenig Milch hast. Das häufige Stillen mit kleinen Unterbrechungen heißt nicht, dass es nicht satt wird.

Es trinkt seine Milch nur lieber in kleinen Portionen, weil es sie so besser verträgt. Der Instinkt deines Babys sagt ihm also, dass es effizienter ist, stündlich 20 Minuten zu trinken, als alle zwei bis vier Stunden. Er betrachtet dich also eher als eine Art Snackbar als ein Restaurant.

Clusterfeeding regt die Milchbildung an

Außerdem führen die häufigen, aber kurzen Stillperioden zu einer vermehrten Milchbildung. Das Saugen an der Brust sorgt für die Ausschüttung des Hormons Prolaktin, das für die Milchbildung verantwortlich ist.

Was tun bei zu wenig Milch?

Clusterfeeding: Still-Marathon zur späten Stunde

Seine volle Wirkung auf die Milchproduktion entwickelt das Hormon allerdings erst nach acht bis 16 Stunden. Man könnte also sagen, dass dein Baby durch das abendliche Clusterfeeding seine Milchbestellung für den nächsten Tag aufgibt.

Clusterfeeding: Wann hört es auf?

Hier gibt es keinen festen Richtwert. Wie lange dein Kind dauerstillen möchte, ist eine sehr individuelle Sache. Sobald sich dein Milchangebot mit der Nachfrage deines Kindes deckt, wird es wahrscheinlich in regelmäßigere Stillmuster verfallen.

Mit zunehmenden Alter werden die langen Stillphasen immer weniger. Besonders während der Wachstumsschübe brauchen Kinder viel Kraft und Stärkung. Diese suchen sie sich bei der Mama an der Brust. In diesen Zeiten wollen Babys häufig gestillt werden:

Es gibt aber auch immer mal wieder Phasen, in denen dein Kind deine Nähe sucht, zum Beispiel weil es wächst, einen wichtigen Entwicklungsschritt meistert, Zähne bekommt oder krank ist. Dann kann es vorkommen, dass dein Baby wieder häufiger an die Brust möchte und anhänglicher ist.

3 No-Goes beim Clusterfeeding

Diese Dinge solltest du unbedingt beim Clusterfeeding vermeiden. Aber denke daran: Wenn du dir nicht sicher bist, ob dein Kind optimal versorgt wird, solltest du dich an deinen Kinderarzt oder eine Stillberatung wenden.

#1 Auf Zufüttern verzichten: Baby keine Milchnahrung geben

Aus Angst, nicht genug Milch zu produzieren, überlegen manche Mütter ihr Kind zusätzlich mit Milchnahrung zu füttern. Aber das hat genau den befürchteten Effekt: Dein Körper wird nicht dazu angeregt, genügend Milch für dein Kind zu produzieren. Verzichte also besser auf ein Zufüttern.

#2 Muttermilch nicht mit Wasser strecken

Versuche nie, die Muttermilch mit Wasser zu strecken, das kann gefährlich für dein Baby werden. Die Nieren könne das Wasser noch nicht richtig verarbeiten und den Körper damit vergiften.

#3 Clusterfeeding reduzieren: Verzichte auf Schnuller & Co

Wenn du das Clusterfeeding reduzieren möchtest, sind Schnuller und andere Beruhigungssauger keine gute Lösung. Ein Schnuller ist in diesem Fall nur eine Art Brustwarzen-Ersatz, wodurch es zu Saugverwirrungen kommen kann. Außerdem kann es durch die fehlende Stimulation der Brust zu Problemen bei der Milchproduktion kommen.

Langzeitstillen – "Meine Tochter kann sich nicht lösen!"

Mama Philine hat nicht geplant, dass sie so lange stillen wird! Hier berichtet sie über ihre Erfahrung mit dem Langzeitstillen.

7 Clusterfeeding-Tipps für Mütter: So meisterst du das Dauerstillen

Das Dauerstillen kann für Mamas ganz schön anstrengend werden – nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Deswegen hier sieben Tipps für stillende Mütter:

  1. Schmerzen an der Brust
    Wunde Brustwarzen gehören zu den typischen Stillproblemen. Wenn dein Kind dann noch besonders oft an die Brust will, können deine Brustwarzen besonders darunter leiden. Salben können die Schmerzen lindern.
  2. Nutze die Ruhezeiten dazwischen
    Dein Baby wird gerade am Anfang immer wieder dazwischen einschlafen. In diesen Phasen solltest du dich versuche zu entspannen und zur Ruhe zu kommen.
  3. Mach es dir gemütlich
    Suche dir zum Stillen ein gemütliches Plätzchen und genieße die gemeinsame Zeit mit deinem Baby. Oder nutze die Zeit, um ein Magazin zu lesen oder eine Folge deiner Lieblingssitcom zu sehen. Denn Nein: Es macht dich nicht zu einer schlechten Mutter, wenn du beim Stillen nicht die ganze Zeit dein Kind bewunderst.
  4. Gewichtszunahme ist ein guter Richtwert
    Durch das häufige Stillen wird deine Milchproduktion angeregt. Wenn dein Baby nicht an Gewicht verliert und kontinuierlich zunimmt, kannst du sicher sein, dass du genug Milch hast und dein Baby satt wird.
  5. Brust wechseln
    Auch wenn dein Baby nicht viel an einer Brust trinkt, solltest du dennoch die Brust zwischendurch wechseln.
  6. Ausreichend trinken & essen
    Es kann sein, dass du viel durstiger bist als sonst. Stelle dir daher am besten immer etwas zu trinken bereit. Außerdem verbraucht das Stillen viel Energie. Lege dir daher vorsorglich noch einen Snack bereit, bevor du mit dem Stillen beginnst.
  7. Frage nach
    Wenn du trotzdem Angst hast, dass dein Baby nicht genügend Milch bekommt oder du dir generell unsicher bist was Stillposition oder Stilldauer angeht, frage bei deiner Hebamme, deiner Stillberaterin oder deinem Kinderarzt nach.

Quellen

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