Clusterfeeding: Wenn dein Baby häufiger an die Brust will

Clusterfeeding: Wenn dein Baby häufiger an die Brust will

Was genau ist Clusterfeeding? Wir erklären dir hier, was hinter dem Begriff steckt und ob deine Milchmenge mit diesem Essverhalten deines Babys zu tun hat.

Mutter stillt ihr Baby
Clusterfeeding: Darauf musst du achten ©Bigstock/Rawpixel.com

Clusterfeeding: Was ist das genau?

Clusterfeeding bezeichnet im Grunde eine Phase, in der dein Baby besonders häufig an die Brust will und du es – anders als gewohnt – in sehr kurzen Abständen stillen musst. Der Begriff setzt sich aus den beiden englischen Wörtern „to cluster“ (dt.: etwas anhäufen) und „feeding“ (dt.: füttern) zusammen. Im Deutschen werden auch oft die Synonyme „Dauerstillen“ oder „Stillen nach Bedarf“ verwendet.

Neugeborene neigen zum Clusterfeeding

Das Clusterfeeding lässt sich vor allem bei noch ganz kleinen Babys beobachten. Ihr Magen ist in den ersten Tagen und Wochen noch sehr klein. Nach der Geburt hat der Magen etwa die Größe einer Kirsche, einen Monat später die eines Tennisballes. Außerdem wurden sie während der Schwangerschaft ständig über die Plazenta und Nabelschnur mit Nahrung versorgt. Kleine häufige Mahlzeiten würden  somit den vorgeburtlichen Bedingungen eher entsprechen als seltenere große Mahlzeiten, schreibt die „Europäische Laktationsberaterinnen Allianz“. Muttermilch ist zudem leicht verdaulich und wandert zügig vom Magen in den Darm. Der Bauch ist also schnell wieder leer und das Baby hat schnell wieder Hunger. Es will gestillt werden!

Manchmal sind es ein paar anstrengende aufeinanderfolgende Tage, an denen das Baby fast ununterbrochen an die Brust möchte. Manchmal sind es auch nur bestimmte Tageszeiten, zu denen es „dauergestillt“ werden möchte. Häufig tritt das Clusterfeeding am Abend auf. Und das aus gutem Grund: Das Baby schafft sich Vorräte für die Nacht.

Auch interessant: Wusstest du, dass Muttermilch am Abend und in der Nacht schlaffördernd ist? Das liegt an der Aminosäure Tryptophan, die im Körper in das Hormon Serotonin umgebaut wird. Serotonin – auch als „Glückshormon“ bekannt – wirkt schlaffördernd und beruhigend. Die Konzentration ist am Abend in der Muttermilch höher als tagsüber. Deshalb schlafen Babys nach dem abendlichen Clusterfeeding oft etwas länger.

Bedeutet Clusterfeeding das Baby bekommt zu wenig Muttermilch?

Ganz klar, nein! Wenn dein Baby clustert, ist dies kein Zeichen dafür, dass du zu wenig Milch hast. Viele Mamas denken, der Fehler liegt an ihnen, wenn ihr Baby zum Clusterfeeding neigt. Das häufige Stillen mit kleinen Unterbrechungen heißt nicht, dass es nicht satt wird. Es trinkt seine Milch nur lieber in kleinen Portionen, weil es sie so besser verträgt. Der Instinkt deines Babys sagt ihm also, dass es effizienter ist, stündlich 20 Minuten zu trinken, als alle zwei bis vier Stunden. Er betrachtet dich also eher als eine Art Snackbar als ein Restaurant.

Außerdem führen die häufigen aber kurzen Stillperioden zu einer vermehrten Milchbildung in der Brust der Mutter. Das Saugen an der Brust sorgt für die Ausschüttung des Hormons Prolaktin, das für die Milchbildung verantwortlich ist. Seine volle Wirkung auf die Milchproduktion entwickelt das Hormon allerdings erst nach acht bis 16 Stunden. Man könnte also sagen, dass dein Baby durch das abendliche Clusterfeeding, seine Milchbestellung für den nächsten Tag aufgibt.

Trotz Clusterfeeding: Baby keine Milchnahrung geben

Was du auf jeden Fall vermeiden solltest, aus Angst, dass du nicht genug Milch produzierst, dein Kind zusätzlich mit Milchnahrung zu füttern. Denn das hat genau den befürchteten Effekt: Dein Körper wird nicht dazu angeregt, genügend Milch für dein Kind zu produzieren. Außerdem wichtig: Versuche nie, die Muttermilch mit Wasser zu strecken, das kann gefährlich für dein Baby werden. Die Nieren könne das Wasser noch nicht richtig verarbeiten und den Körper damit vergiften.

Wann hört das Clusterfeeding wieder auf?

Diese intensiven Stillphasen treten meist gegen Abend auf. Doch dieses abendliche „Clustern“ geht vorbei. Babys zeigen dieses Muster nicht die ganze Stillzeit hindurch. Mit zunehmendem Alter hört sich das Clusterfeeding auf. Allerdings gibt es hier keinen exakten Richtwert. Jedes Baby ist anders und Stillen ist eine sehr individuelle Sache. Sobald sich dein Milchangebot mit der Nachfrage deines Kindes deckt, wird es wahrscheinlicher in regelmäßigere Stillmuster verfallen.

Zu beachten sind auch die Wachstumsschübe im Alter von etwa 2 bis 3 Wochen, von 6 Wochen und von 3 Monaten. In dieser Zeit stillt das Baby oft plötzlich häufiger als vorher, so die Experten von „Frauenärzte in Netz“.

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Clusterfeeding: Tipps für Mamas

Das Dauerstillen kann für Mamas ganz schön anstrengend werden – nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Deswegen hier 5 Tipps für stillende Mütter:

  1. Schmerzen an der Brust
    Wunde Brustwarzen gehören zu den typischen Stillproblemen. Wenn dein Kind dann noch besonders oft an die Brust will, können deine Brustwarzen besonders darunter leiden. Salben können die Schmerzen lindern. Weitere Informationen zu diesem Thema findest du hier: Wunde Brustwarzen durch Stillen vermeiden.
  2. Nutze die Ruhezeiten dazwischen
    Dein Baby wird gerade am Anfang immer wieder dazwischen einschlafen. In diesen Phasen kannst auch Du Dich entspannen und zur Ruhe kommen.
  3. Mach es dir gemütlich
    Suche dir zum Stillen ein gemütliches Plätzchen und genieße die gemeinsame Zeit mit deinem Baby. Oder nutze die Zeit, um ein Magazin zu lesen oder eine Folge deiner Lieblingssitcom zu sehen. Denn nein: Es macht dich nicht zu einer schlechten Mutter, wenn du beim Stillen nicht die ganze Zeit dein Kind bewunderst.
  4. Gewichtszunahme ist ein guter Richtwert
    Durch das häufige Stillen wird deine Milchproduktion angeregt. Wenn Dein Baby nicht an Gewicht verliert und kontinuierlich zunimmt, kannst Du sicher sein, dass Du genug Milch hast und dein Baby satt wird.
  5. Frage nach
    Wenn du trotzdem Angst hast, dass dein Baby nicht genügend Milch bekommt oder du dir generell unsicher bist was Stillposition oder Stilldauer angeht, frage bei deiner Hebamme, deiner Stillberaterin oder deinem Kinderarzt nach.

Quellen:

Heidi Murkoff: Das erste Jahr mit Baby: Alles, was Sie wissen müssen, MVG Verlag, München 2015.

Nora Imlau: Das Geheimnis zufriedener Babys: Liebevolle Lösungen, damit Ihr Baby ruhiger schläft und weniger weint, Gräfe Und Unzer, München 2013.

Nora Imlau: Crashkurs Baby: Anleitung für Ungeübte … garantiert ohne Schnickschnack, Gräfe Und Unzer, München 2012.

Nora Imlau: Stillen – Das Geheimnis einer glücklichen Babyzeit: Liebevolle Lösungen für eine erfüllte Stillzeit, Gräfe Und Unzer, München 2016.

Europäische Laktationsberaterinnen Allianz: Clusterfeeding – Mehrgangmenü für Babys, https://cdn.website-editor.net/fbecae35f0d04078b90baf90c3032ed5/files/uploaded/Handout_2017-4_DE_Clusterfeeding_Web.pdf (Abrufdatum: 06.11.2018)

Regine Gresens: Intuitives Stillen: Einfach und entspannt – Dem eigenen Gefühl vertrauen – Die Beziehung zum Baby stärken, Kösel-Verlag, München 2016.

Berufsverband der Frauenärzte: Probleme beim Stillen, https://www.frauenaerzte-im-netz.de/schwangerschaft-geburt/stillen/probleme-beim-stillen/ , (Abrufdatum: 06.11.2018)