Bookmark

Orale Phase: Warum Babys alles in den Mund nehmen

In den ersten Lebensmonaten nimmt dein Kind so ziemlich alles in dem Mund, was es in die Hände bekommt. Warum das so ist, wie lange die orale Phase dauert und wie sehr du auf Hygiene achten musst, liest du hier. Oder schau dir die Video-Zusammenfassung an.

Darum nehmen Babys alles in den Mund

In diesem Artikel:

Orale Phase: Mund als wichtiges Sinnesorgan

Der Tastsinn ist in den ersten Monaten deines Kindes wesentlich stärker ausgeprägt als der Sehsinn. Zunge und Lippen sind jetzt die wichtigsten Sinnesorgane. Dank der vielen sensiblen Nervenenden im Mundraum kann sich dein Baby durch das Ertasten eines Gegenstandes mit Lippen, Zunge und Gaumen ein Bild davon machen. Mithilfe des Mundes kann dein Baby seine Umwelt also am besten entdecken und erforschen.

Die meisten Babys sind mit etwa drei Monaten in der Lage, Dinge mit ihren Händen zu greifen und gezielt zum Mund zu führen. Dann wird dein Zwerg damit beginnen, sich alles in den Mund zu stecken, was es zu fassen bekommt: das Lieblingsspielzeug, die Kuscheldecke oder der eigene Fuß. Dein Baby befindet sich jetzt in der oralen Phase. Es gibt dann praktisch nichts, was nicht im Mund deines Babys landet. Mit etwa einem halben Jahr hat die Phase ihren Höhepunkt – also etwa zu dem Zeitpunkt, wenn Kinder auch anfangen das krabbeln zu lernen und mobiler zu werden. Ein paar Sicherheitstipps, die wir weiter unten zusammengefasst haben, solltest du also auf jeden Fall beachten.

Aber: Nicht immer liegt es jedoch an der oralen Phase, wenn sich dein Baby alles in den Mund stopft. Ist dein Baby gerade mit Zahnen beschäftigt, kann es auch sein, dass es auf allen Dingen herumkaut. Mehr Informationen findest du in unserem Ratgeberartikel „Wenn Babys zahnen: Hilfe für die ersten Zähne“.

Das sagt die Psychologie über die orale Phase: Freud und die psychosexuelle Entwicklung

Der Begriff kommt aus der Tiefenpsychologie und wurde vom österreichischem Tiefenpsychologe Sigmund Freund geprägt. Er vertrat die These, dass alle menschlichen Handlungen von unterbewusst ablaufenden Trieben geleitet werden. Die ersten Lebensjahre seien dabei für die Persönlichkeitsbildung besonders wichtig. Nur wenn alle Phasen störungsfrei durchlaufen werden, kann der Mensch ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln. Die orale Phase ist dabei die erste und gleichzeitig die primitivste Phase der psychosexuellen Entwicklung. Der Mund – das wichtigste Sinnesorgan eines Neugeborenen – macht hierbei seine ersten „sinnlichen“ Erfahrungen.

Wie lange dauert die orale Phase?

Jedes Kind entwickelt sich unterschiedlich schnell. Deswegen kann es auch sein, dass dein Baby die orale Phase schon früher oder eben auch später erreicht. In der Regel endet sie mit etwa eineinhalb Jahren.

Viele Kinder lecken selbst im vierten oder fünften Lebensjahr noch gelegentlich an Autoscheiben oder kauen auf Ärmelbündchen herum. Auch in diesem Alter können sie mit Mund und Zunge die Beschaffenheit von Dingen besser erforschen als mit ihren Händen.

Video-Empfehlung

Orale Phase: Tipps damit nichts passiert

  • Kindersichere Zuhause
    Verstaue Putzmittel, Medikamente, Zigaretten und Alkohol so, dass dein Kind sie nicht erreichen kann. Achte außerdem darauf, dass keine giftigen Pflanzen in Reichweite stehen und lasse keine spitzen oder scharfen Gegenstände in Reichweite deines Babys liegen.
  • Altersgerechtes Spielzeug
    Achte auf die Altersempfehlung und darauf, dass das Spielzeug speichelfest ist, keine Weichmacher enthält und ein entsprechenden Gütesiegel hat.
  • Kleinteile jeder Art müssen in Sicherheit gebracht werden.
    Ab dem neunten Monat können Babys die Bewegungen ihrer Fingerchen schon so gut koordinieren, dass sie Dinge mit Daumen und Zeigefinger – dem so genannten Pinzettengriff – zielsicher zum Mund führen können. Jetzt werden auch kleinere Gegenstände, die leicht verschluckt werden können interessant. Also genau darauf achten, was zu Hause rumliegt – Münzen, Knöpfe und so weiter. Das gilt übrigens auch für Essbares, vor allem für Süßigkeiten, aber auch für Nüsse und Weintrauben oder Kirschtomaten. Sie sind noch zu hart und können von Babys noch nicht zerkleinert werden, und zu groß, um sie gefahrlos herunterzuschlucken.
  • Gibt es Tiere im Haus?
    Die Katzentoilette muss für das Baby unerreichbar sein. Außerdem sollten Hunde und Katzen regelmäßig geimpft werden.

Orale Phase: Hygiene ja! Steril nein!

Wenn sich dein Zwerg ständig Sachen in den Mund schiebt, hast du dir wahrscheinlich schon Gedanken gemacht, ob du dies aus hygienischen Gründen unterbinden solltest. Hierbei kannst du jedoch relativ entspannt sein. Zwar sollten die Spielsachen sauber sein, sterilisieren musst du sie aber auch in der oralen Phase nicht. Auch eine Handvoll Sand schadet nicht. Dein Baby wird schnell genug feststellen, dass es nicht wirklich gut schmeckt.

Mehr Informationen findest du hier: „Lass dein Kind im Dreck spielen“.

Im Sandkasten solltest du aber darauf achten, dass Hunde und Katzen diesen nicht als ihre Toilette benutzen. Sonst ist die Gefahr einer Wurmerkrankung groß.

Quellen