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Hilfe, mein Baby zahnt!

vonAnja Polaszewski

Erinnert ihr euch eigentlich noch an die Zeit, als euer Baby seine ersten Zähnchen bekam? Oder steckt ihr da vielleicht sogar gerade mitten drin? Unsere Autorin Anja Polaszewski erinnert sich noch ganz genau an diese anstrengende Zeit zwischen Neugeborenen- und Kleinkindalter. Bei ihrem zweiten Kind verlief das Zahnen ganz besonders nervenaufreibend. Sie berichtet.

vonAnja Polaszewski
© Pexels / Anna Shvets

Es ist drei Uhr in der Früh. Ich bin fix und alle, will nur noch schlafen. Meine Lider sind so schwer, ich fühle mich stark alkoholisiert, bin aber tatsächlich stocknüchtern (ich stille ja, sonst würde ich mir zurzeit bestimmt mal den einen oder anderen Drink genehmigen!). Ich kann nicht mehr. Gleich kippe ich um. Ganz bestimmt kippe ich gleich um…einfach aus dem Stand.

Was für eine Nacht! Und es ist nicht die erste. Unser zweiter, noch nicht einmal sechs Monate alter Sohn bekommt wohl sein nächstes Zähnchen, nur wenige Tage nach dem ersten wird wohl rasch das Zweite durchbrechen. Der arme Kerl. Er ist recht früh dran, bei unserem ersten Kind begann es etwas später – und verlief bei weitem nicht so dramatisch. Na, wir wissen ja: Menschen sind eben verschieden.

Spazieren und Tragen

Tagsüber merke ich es K. kaum an. Klar, er sabbert, steckt sein Händchen vermehrt in den Mund und ist generell etwas unzufriedener als sonst. Aber er lässt sich ganz gut ablenken und beruhigen. So spazieren wir eben viel herum, die Frühwintersonne und die klare Luft sind unsere guten Freunde. Mein Sohn ist nah an meinem Körper, hier fühlt er sich am wohlsten. Das Tuch – mein allerbester Kumpel.

Nachts ist es dafür – ich möchte es jetzt gar nicht anders ausdrücken – die reinste Hölle auf Erden für mich: Gefühlt alle paar Minuten wacht er aus seinem unruhigen Schlaf auf und jammert und stillt – stillt und jammert. Meine Brustwarzen schmerzen vom Dauergenuckel (nein, es liegt nicht etwa an einer falschen Anlegetechnik). Aber wenn es ihm doch hilft …? 😣

Alles aufrecht: bloß nicht ablegen …

Ich liege neben K., kuschele mit ihm, singe ihm etwas vor, versuche ihn mit einem sanften „Schschsch…“ und vielen Streicheleinheiten zu beruhigen. Aber es hilft nicht. Ich nehme den geplagten Schatz also hoch, zum wiederholten Male. Trage ihn durch das Zimmer… immer und immer wieder, stundenlang. Möchte ich ihn schlafend wieder ablegen – Pustekuchen, erwacht er wieder und weint.

Ich baue uns also ein improvisiertes „Sitzlager“ im Bett – aus vielen kuscheligen Kissen und Decken, damit er aufrecht sein kann und ich nicht umherlaufen muss. Eine Weile geht es gut, dann geht es wieder los. Ich schaukele ihn aus dem Sitzen. Es reicht nicht.

Ich muss mit ihm umherlaufen (einen Schrittzähler für meine allgemeine Fitness brauche ich wahrlich nicht…). Nur das hilft wirklich. Aber ich bin so erschöpft.

Gleich falle ich um …

Als ich glaube, müder kann man eigentlich gar nicht mehr werden, und gleich kippe ich aus den Latschen und schlafe auf der Stelle ein, ist es plötzlich früher Morgen. Fünf Uhr. Der Kleine schläft. Tief und fest. Die Erschöpfung hat auch ihn übermannt. Ich lege uns beide hin.

 

Um sieben Uhr muss ich aufstehen, P. für den Kindergarten vorbereiten.

Da müssen wir jetzt eben beide durch. Aber wie heißt es so schön? Auch dies wird vorübergehen. Und auch daran erinnere ich mich: Immer, wenn ich dachte „das kann doch nicht vom Zahnen kommen, das ist doch nicht normal!“ war der Spuk auch schon wieder vorbei.

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