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Familienbett: Vor- und Nachteile vom Co-Sleeping

vonPhiline Matzen

Kein Thema ist so kontrovers und von Irrtümern behaftet, wie das Familienbett. Solltest du dich für das sogenannte Co-Sleeping entscheiden oder birgt es Gefahren und Spätfolgen für dein Baby? Welche Vor- und Nachteile gibt es für Kind oder Baby im Elternbett? Hier erfährst du alles, was du wissen wolltest.

vonPhiline Matzen
Familienbett sicher oder ungefährlich?
Familienbett sicher oder ungefährlich?
© Pexels/ Ketut Subiyanto

Familienbett: Ist es gut, wenn Kinder bei den Eltern schlafen?

Wer kennt den Spruch nicht „Wenn ihr euer Kind bei euch im Bett schlafen lasst, dann kriegt ihr es nie wieder raus!“. Wenn es um das Thema Baby im Elternbett geht, spalten sich die Meinungen. Manche Mamas schämen sich sogar öffentlich dazu zu stehen, dass das Kind mit im Bett der Eltern schläft.

Bindungsforscher Karl Heinz Birsch fand in seiner Studie heraus, dass in Entwicklungsländern die Hälfte der Kinder und Babys im Elternbett und die andere Hälfte zumindest im selben Zimmer schlafen. In anderen Kulturen scheint sich also die Fragen nach dem Familienbett gar nicht zu stellen.

Tatsächlich ist das Schlafen in einem Familienbett naturgegeben, so schreibt es Nicola Schmidt in ihrem Buch „Artgerecht“. Die Menschheit hätte wohl kaum überlebt, wenn das Kind nicht bei den Eltern geschlafen hätte, dort wo es sicher ist. Auch wenn das schon eine Weile her ist, ist der Wunsch nach Sicherheit und Nähe noch immer in unseren Genen vertreten.

Was ist Co-Sleeping und bis wann ist es okay?

Co-Sleeping bedeutet, dass Eltern und Kind beieinander schlafen. Dabei kann es sich um ein Beistellbett, ein Familienbett aber auch ein Babybett handeln, dass einfach nur mit im selben Zimmer steht.

Ein angemessenes Alter, wann das Kind das Familienbett verlassen sollte, gibt es nicht. Du brauchst keine Bedenken zu haben- durch das Familienbett werden keine schlechten Angewohnheiten entwickelt. Die meisten Kinder von selbst entscheiden, wann sie bereit sind im eigenen Bett zu schlafen. Das geschieht dann, wenn das Bedürfnis nach Nähe ausreichend befriedigt ist.

Häufig entscheiden sich Kinder zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr dazu allein schlafen zu wollen. Manchmal auch, wenn das zweite Geschwisterchen da ist. Jedes Kind ist anders, deshalb ist es wichtig, dass dein Kind für das Kinderbett von sich aus bereit ist, egal wie alt es ist.

Als Mama und Papa kannst du deinem Kind das Schlafen im eigenen Kinderbett schmackhaft machen, indem Schlafrituale, wie eine Gute-Nacht-Geschichte eingeführt werden oder ein kleines Nachtlicht angelassen wird. Dein Kind muss sich im eigenen Bett und mit der Abendroutine wohlfühlen.

Kinder, die schon allein im Kinderbett geschlafen haben, kommen ab und zu wieder ins Bett der Eltern. Auch das ist völlig normal. Gründe dafür sind:

  • Schlecht geträumt
  • Erlebtes wird verarbeiten
  • Bedürfnis nach Nähe

Aber auch Faktoren, wie Erkrankungen, Todesfall in der Familie, Streit oder Trennung können zu Ausnahmen führen, sodass auch ältere Kinder wieder nach Geborgenheit und Sicherheit im Elternbett suchen. Es ist wichtig, dass es dann als eine vorübergehende Situation gehandhabt wird. Ausnahmen darf es nur geben, wenn das Kind bereits im eigenen Kinderbett schläft.

Vor- und Nachteile vom Familienbett: Verwöhnst du dein Baby?

Eins der größten Vorurteile ist, dass dein Baby durch das gemeinsame Familienbett verhätschelt wird. Die gute Nachricht: Nein, du verwöhnst es nicht und es wird auch nicht zum verzogenen Plagegeist, der das Elternbett nie wieder verlassen wird. Nachts werden Bindungssysteme beim Baby aktiviert, sodass es ganz natürlich Kontakt und Nähe aufsucht. Generell gilt nach Kinderarzt Herbert Renz-Polster „die Gefährlichkeit des Elternbettes sind nicht nachprüfbar“.

Plötzlicher Kindstod & Familienbett

Obwohl immer wieder Kritik am Familienbett aufkommt, scheint die Angst vor dem Plötzlichen Kindstod unbegründet. Kinderarzt Herbert Renz-Polster sagt, dass die Wissenschaft nicht sicher beantworten kann, ob der plötzliche Kindstod mit einem Ort, wie zum Beispiel dem Familienbett, zusammenhängt. Wichtig sei es Risikofaktoren zu vermeiden, wie:

  • Alkohol- und/oder Drogenkonsum
  • Medikamentenmissbrauch
  • Rauchen
  • Erstickungsrisiko durch Deko-Kissen, Kuscheltiere und Decken

Ein weiterer Grund für den Plötzlichen Kindstod ist die unregelmäßige kindliche Atmung, verbunden mit langen Tiefschlafphasen. Durch das Familienbett sind diese Tiefschlafphasen kürzer, was zu einem gesünderen Schlafrhythmus führt.

Außerdem stimmen Baby und Mama ihre Schlafpositionen aufeinander ab, sodass eine Bauchlage des Babys vermieden werden kann. Ganz natürlich schlafen Mutter und Kind entweder auf dem Rücken nebeneinander oder mit den Gesichtern gegenüber voneinander in Seitenlage.

Aber auch die Atmungen von Mama und Kind passen sich aneinander an. Kinderarzt Dr. Bill Sears fand bei einem Experiment heraus, dass das Baby während des Schlafens kurz nachdem die Mutter einen tiefen Atemzug nahm, auch tief durchatmete. Baby und Mama entwickeln intuitiv den gleichen Atemrhythmus. Dr. Bill Sears geht sogar davon aus, dass das Familienbett, das Risiko für einen Plötzlichen Kindstod senkt.

Vorteile vom Familienbett

Du fragst dich, welche Vorteile das Familienbett mit sich bringt? Hier findest du fünf überzeugende Argumente:

  • Schlafrhythmus gleicht sich zwischen Mama und Kind an.
  • Kinder, die im Elternbett schlafen, haben meist entspanntere Eltern, da die Mutter ihr Kind in der Nähe hat, sich nicht sorgen muss und ruhiger schlafen kann.
  • Babys werden im Elternbett häufiger gestillt und Stillkinder wiederum haben nach neusten Erkenntnissen einen höheren IQ, so der Forscher Bernardo Lessa Horta. Außerdem ist nächtliches stillen gesünder: Die Hormone Oxytocin und Prolaktin sind in der Nacht stärker als am Tag. Oxytocin ist für das Verhältnis zwischen Kind und Mutter zuständig und stärkt die mütterliche Bindung. Das Hormon Prolaktin ist verantwortlich für die Milchbildung.
  • Mama muss nicht ständig Aufstehen, um das Kind zu Stillen.
  • Papa wird seltener wach

Nachteile, die gegen das Baby im Elternbett sprechen

Mit dem Baby im Elternbett gehen aber auch Nachteile einher, die in die Entscheidung „Familienbett: Ja oder Nein“ fallen sollten:

  • Schlaf kann durch Drehen und Wenden des Kindes gestört werden
  • Zweisamkeit im Bett ist nicht mehr möglich
  • Das Bett muss gesichert sein, damit das Baby nicht raus fällt
  • Die Umgewöhnungsphase im eigenen Bett zu schlafen kann schwieriger werden

Außerdem gibt es noch immer Irrtümer, die im Zusammenhang mit dem eigenen Kinderbett genannt werden:

  • Eigenes Kinderbett macht selbstständig und unabhängig
  • Fernhaltung von elterlicher Sexualität
  • Verhinderung von früher Sexualisierung
  • Schlaf von Eltern gewährleisten

Mittlerweile weiß man jedoch, dass Kinder durch das Familienbett nicht weniger selbstständiger oder unabhängiger werden, sondern Vertrauen aufbauen, was für die Entwicklung des Kindes ausschlaggebend ist.

Der Schlaf von Eltern ist durch das Trennen vom Eltern- und Baby/Kinderbett nicht gewährleistet. Ganz im Gegenteil- es wird davon ausgegangen, dass das gemeinsame Schlafen im Elternbett für mehr Schlaf sorgt. Auch der Irrtum, dass Paare keinen Sex mehr haben, wenn das Kind oder Baby im Elternbett mitschläft ist unbegründet. Der Ort, um Sex zu haben ist schließlich nicht ans Bett gebunden. Das gilt auch für die Uhrzeit.

Durch das Familienbett sinkt weder, noch steigt das Risiko zu sexuellem Missbrauch. Dr. Tracy Cassel verrät aber, dass Missbrauch zu Hause unwahrscheinlicher ist, wenn eine fürsorgliche und liebevolle Bindung zum Kind gepflegt wird. Aber auch eine frühe Sexualisierung kann wissenschaftlich nicht bestätigt werden und hängt stark von weiteren Faktoren, wie Umfeld, Erziehungsweise und Aufklärung der Eltern ab.

Familienbett: Größe berechnen

Damit dein und der Schlaf aller Beteiligten beim Co-Sleeping so erholsam, wie möglich verläuft, spielt die Größe des Bettes für die ganze Familie eine wichtige Rolle. Es gilt:

  • Mindestens 70 cm Breite pro Elternteil und Kind
  • Empfehlenswert sind 200 x 200 cm oder mehr

Familienbett sichern: Wie schütze ich mein Baby im Familienbett?

Um dein Baby beim Co-Sleeping vor Gefahren zu schützen, ist es wichtig zu wissen, wie man das Familienbett sichern kann:

  • Empfehlenswert ist ein Bettgitter als Sicherheitsschutz vor Stürzen für Babys und Kinder. Aber auch ein Beistellbett ist eine Möglichkeit das Baby im Elternbett vor dem Sturz zu schützen.
  • Wasserbetten sind ungeeignet.
  • Die Matratze sollten fest sein. Durchgelegene Matratzen, die Kuhlen gebildet haben können eine Erstickungsgefahr für das Baby darstellen.
  • Das Bettgestell soll keinen Spalt aufweisen können, in das dein Baby durchrutschen kann.
  • Dein Baby sollte auf dem Rücken und in seinem eigenen Schlafsack schlafen.
  • Das Baby schläft neben der Mama. Also nicht zwischen Papa und Mama. Das liegt daran, dass Väter häufiger tiefer schlafen und eine Gefährdung des Babys in der Nacht nicht bemerken würden.
  • Überhitzungsgefahr: Das Baby sollte nicht zu warm angezogen werden, zum Beispiel kein Mützchen.
  • Die optimale Raumtemperatur liegt zwischen 17 und 18 Grad Celsius.
  • Dein Baby sollte nicht in Bauchlage schlafen.
  • Ältere Geschwister dürfen nicht neben dem Baby im Bett schlafen.

Wichtig ist, dass es allen bei der Entscheidung für oder gegen das Co-Sleeping gut geht und möglichst viele erholsame Nächte folgen. Eine Entscheidung dagegen sagt nichts über deine Qualitäten als Mutter oder Vater aus. Am Ende muss das entschieden werden, was der ganzen Familie gut tut und das ist eben stets individuell.

Quellen

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