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Ferber-Methode: Lernt mein Kind damit wirklich zu schlafen?

Sie gilt als umstritten, soll aber Babys und Kleinkindern dabei helfen, ein- und durchzuschlafen: die Ferber-Methode. Lies hier, was hinter dieser Methode steckt und wie sinnvoll Ferbern wirklich ist.

Was steckt hinter der Ferber-Methode?
Was steckt hinter der Ferber-Methode?
©Unsplash/Carlo Navarro

Was ist die Ferber-Methode?

Die Ferber-Methode geht zurĂĽck auf den Schlafforscher und Kinderarzt Richard Ferber. In seinem Buch „Solve Your Child’s Sleep Problems“ erwähnt er ein Programm, das ruhigere Nächte fĂĽr Babys und Eltern garantieren soll. Die später nach ihm benannte Methode gilt unter Eltern und Experten aber als sehr umstritten.

Das Ferbern basiert auf der Annahme, dass man Babys und Kleinkinder dahin erziehen kann, sich selbst zu beruhigen, wenn sie nachts aufwachen. So sieht eine Taktik der Ferber-Methode vor, das Kind normal mit einer Gute-Nacht-Geschichte oder ähnlichem Abendritual ins Bett zu bringen. Nach der Geschichte muss das Kind nicht zwangsläufig eingeschlafen sein. Wichtig ist aber, dass die Eltern nun den Raum verlassen.

Wenn das Kind zu weinen beginnt, sollen die Eltern das Kind zwar beruhigen, dabei aber nicht zu lang im Zimmer bleiben. Die Ferber-Methode schreibt dabei aber vor, dass die Eltern das Kind nicht aus dem Bett und auf den Arm nehmen sollen. Außerdem dürfen die Eltern beim Ferbern nicht zu lange im Kinderzimmer bleiben. Stattdessen sollen sie in festgelegten Minutenabständen immer mal wieder zu ihm gehen – es also eine Zeit lang weinen lassen.

Anfangs kann es dabei lange dauern, bis das Kind in den Schlaf findet. Und, wenn das Kind in der Nacht aufwacht, beginnt das ganze Spiel wieder von vorne. Der Ferber-Methode zufolge lernt das Kind aber spätestens nach zwei Wochen, sich schneller zu beruhigen und besser allein zu schlafen.

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Warum wird das Ferbern oft kritisiert?

Warum das Ferbern Eltern aufstößt, liegt auf der Hand: Das eigene Kind weinen zu lassen, bringen nur die wenigsten Mütter und Väter übers Herz.

  1. Das Baby hat Panik, die Eltern kommen nicht wieder zurĂĽck und so leidet sein Vertrauen in sie. Babys haben ein angeborenes SchutzbedĂĽrfnis, dass Eltern befriedigen mĂĽssen.
  2. Der Instinkt der Eltern, zum weinenden Baby zu eilen, wird gestört.

Auch Babyschlafcoach und Stillberaterin der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS) Katrin Brandt kritisiert die Ferber-Methode in einem Artikel auf Focus Online. Laut ihr verstehen Babys beim Ferbern nicht, dass ihre Eltern zurückkommen werden. Diese Stresssituation in Kombination mit der Erschöpfung führt laut ihr dazu, dass sich manche Kinder übergeben müssen. „Das kann bei kleinen Babys, die sich nicht selbst drehen können, tatsächlich lebensbedrohlich werden.“

Schlaflernprogramme wie die Ferber-Methode greifen laut Brandt „tief in die seelische Entwicklung des Kindes ein und hinterlassen Spuren.“ Langfristige seelische Schäden von Schlaflernprogrammen können aber schlecht untersucht werden.

Richard Ferber hat in einer neuen Auflage seines Buches einige Kritikpunkte adressiert. „Ein Kind einfach in der Wiege allein schreien lassen, bis es eingeschlafen ist – egal wie lange es dauert – ist keine Methode, der ich zustimme“, schreibt er. Was heute als Ferber-Methode bezeichnet wird ist nur eine Methode, die im Buch beschrieben wird. Wichtig ist hierbei der Punkt, dass Ferber seine Methode nur als eine Art Notfallprogramm für Kinder entwickelt hat, die sich sehr schwer beruhigen lassen. Dass aus dem Ferbern ein bekanntes Schlaflernprogramm wurde, hat er nicht erwartet.

Wir schädlich ist die Ferber-Methode? Studie soll Aufschluss geben

Bislang gibt es noch keine Studien, die beweisen konnten, dass die Ferber-Methode den Kindern nachhaltig schadet. Eine australische Studie unter der Leitung von Michael Gradisar, Psychologen an der Flinders University in Adelaide, lieferte 2016 sogar das Ergebnis, dass es keinen Unterschied macht, ob ein Baby durch das Ferbern oder eine andere Schlaf-Taktik an das Durchschlafen gewöhnt wird. Die Studie kam aber zu dem Ergebnis, dass die Mütter der Kinder, bei denen die Ferber-Methode angewandt wurde, angespannter waren.

Jedoch wird auch die Studie auch oft kritisiert, da insgesamt nur 42 Babys untersucht wurden. Herbert Renz-Polster, Kinderarzt und Autor des Buchs „Schlaf gut, Baby“ hat die Studie gegenĂĽber dem Wissensmagazin Spektrum kritisiert. Zum Beispiel wurde laut ihm ignoriert, dass Tagebucheinträge und Aktivitätsmessungen sich nicht immer deckten. AuĂźerdem bemängelt er, dass die Studie bei Kindern mit bestehenden Schlafproblemen durchgefĂĽhrt wurde – dadurch können die Ergebnisse nicht als repräsentativ gesehen werden.

Wenn dein Baby starke Ein- und Durchschlafprobleme hat, solltest du dir professionelle Unterstützung holen. In der Erziehungsberatung oder in Schlafambulanzen können Experten dir helfen. Eine Liste von Schlafambulanzen in Deutschland findest du auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.

Quellen


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