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Fontanelle beim Baby: Wichtige Details zur Knochenlücke

Fontanelle am Babykopf
Wofür sind Fontanellen überhaupt gut?
© Bigstock / Alexandr_1958

Warum haben Babys eine Delle im Kopf? Hier findest du alle Infos: Wo die Fontanellen liegen, warum sie pulsieren und was eine eingefallene Fontanelle bedeutet. Plus: Bei welchen Warnsignalen solltest du sofort zum Arzt?

Was ist eine Fontanelle?

Das klinische Wörterbuch Pschyrembel beschreibt die Fontanelle als den Bereich des Schädels bei Neugeborenen, der bei der Geburt noch nicht durch Knochen oder Knorpel verbunden ist.

Diese Knochenspalte wird von Haut und Bindegewebe überbrückt. Im Laufe der Babyentwicklung verknöchert der Bereich immer weiter. Insgesamt haben Säuglinge sechs Fontanellen, nämlich überall da, wo drei oder mehr Knochenplatten aneinander grenzen.

Wozu sind Fontanellen da?

Die wichtigste Aufgabe der Fontanellen liegt laut Dr. Tobias Georgi bei der Geburt. Das Problem: Eigentlich ist der Kopfumfang des Babys zum Ende der Schwangerschaft zu groß, um durch das weibliche Becken zu passen.

Die Lösung: Die noch nicht zusammengewachsenen Schädelplatten des Babys lassen sich übereinander schieben, sodass die Kopfform verändert wird und sich so der Kopfumfang deutlich verringert. Dadurch passt der Kopf des Kindes leichter durch den Geburtskanal.

Außerdem sind Fontanellen wichtig für die Hirnentwicklung des Babys. Sie ermöglichen ihm, dass sein Gehirn ungehindert wachsen kann. Um dieses schnelle Wachstum zu unterstützen, schließen sich die Stellen beim Baby zum Teil erst sehr spät.

Wo befinden sich die Fontanellen?

Von den den sechs Fontanellen sind für dich nur zwei gut zu erkennen und zu ertasten: Die kleine Fontanelle liegt am Hinterkopf (Fonticulus posterior). Sie hat die Form eines Dreiecks und befindet sich etwa eine Handbreit über dem Nacken.

Die große Fontanelle oben auf der Schädeldecke auf Höhe der Stirn (Fonticulus anterior), ist ebenfalls leicht erkennbar. Sie ist etwa zwei mal zwei Zentimeter groß und rautenförmig. Du kannst sie deutlich sehen und spüren.

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Die übrigen vier Fontanellen liegen rechts und links auf Höhe der Schläfen (Fonticuli sphenoidalis) und an der Unterseite des Hinterkopfes (Fonticuli mastoidei). Aber diese sind so winzig, dass du sie nicht ertasten kannst. Sie verwachsen sich recht schnell.

Wie viele Fontanellen hat ein Baby?

Ein Baby hat sechs Fontanellen:

  1. Große Fontanelle (Stirn-Fontanelle / Fonticulus anterior)
  2. Kleine Fontanelle (Hinterhaupts-Fontanelle / Fonticulus posterior)
  3. Vordere Seitenfontanelle links (Fonticulus sphenoidalis)
  4. Vordere Seitenfontanelle rechts (Fonticulus sphenoidalis)
  5. Hintere Seitenfontanelle links (Fonticulus mastoideus)
  6. Hintere Seitenfontanelle rechts (Fonticulus mastoideus)

Wann schließt sich die Fontanelle?

Fontanelle Zeitpunkt des Zuwachsens
am Hinterkopf (Fonticulus posterior)
ab dem 3. Monat
an den Schläfen (Fonticuli sphenoidalis) ab dem 6. Monat
an der Unterseite des Hinterkopfes (Fonticuli mastoidei) ab dem 18. Monat
an der Schädeldecke (Fonticulus anterior) ab dem 36. Monat

Kraniosynostose: Was passiert. wenn sich die Fontanelle zu früh schließt?

Schließen sich die Schädelnähte zu früh, kann es zu Verformungen des Schädels kommen. Man spricht von einer Kraniosynostose, bei der der Schädel schief, turmartig oder dreieckig wachsen kann.

Eine Operation kann diese Deformation beheben. Laut einer Studie des University College London von 2011 leiden Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft geraucht haben, zu 33 Prozent wahrscheinlicher unter Kraniosynostose.

Formen der Kraniosynostose

Laut der Österreichischen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie gibt es fünf Formen der Kraniosynostose:

#1 Frontalnahtsynostose
Verknöcherung der in der Stirn senkrecht verlaufenden Frontalnaht.
Auswirkung: Kugelförmige Stirn, eingezogene Schläfen

#2 Sagittalnahtsynostose
Verfrühte Verknöcherung der zwischen vorderer und hinterer Fontanelle verlaufenden Sagittalnaht/ Pfeilnaht
Auswirkungen: Beeinträchtigung des Breitenwachstum im Scheitelbereich, Auswölbung der Stirn und des Hinterkopf, schmaler, langgestreckter Kopf

#3 Koronarnahtsynostose
Verknöcherung der Koronarnähte
Auswirkungen: asymmetrische, vorgewölbte Stirn, Vergrößerung eines Auges, der Nase oder Ohrs

#4 Lambdanahtsynostose
Verknöcherung einer der beiden Lambdanähte am Hinterkopf
Auswirkungen: Einseitige Abflachung des Hinterkopfs, die andere Seite wächst dagegen stärker

#5 Microcephalus
Verknöcherung aller Schädelnähte
Auswirkungen: Sehr kleinen Kopfform und stark beeinträchtigter Entwicklung des Gehirns

Warnsignale im Umgang mit der Fontanelle: Wann zum Arzt?

Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen wird der Kinderarzt die Entwicklung der Fontanellen regelmäßig überprüfen. Vor allem bei der U4 stehen die Fontanellen im Fokus. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. hebt besonders die Wichtigkeit dieser Kontrolle hervor, da sie entscheidend ist, um herauszufinden, ob das Gehirn des Babys ausreichend Platz zum Wachsen hat. Die Fontanellen des Babys können dir aber auch selbst dabei helfen, zu überprüfen, ob es deinem Kind gut geht.

Bei diesen Anzeichen solltest du sofort zu einem Arzt:

  • Im Liegen ist die Fontanelle deutlich eingefallen. Solltest du in dieser Situation eine eingefallene Fontanelle erkennen, ist ein Arztbesuch angeraten. Es könnte sich um einen akuten Flüssigkeitsmangel handeln.
  • Die Fontanelle ist gewölbt, auch wenn das Baby aufrecht ist. Das kann laut Studien der medizinischen Fachzeitschrift BMJ (British Medical Journal) ein Anzeichen für eine Entzündung sein, etwa eine Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Die Fontanelle ist straff gespannt. Das könnte auf einen erhöhten Druck im Hirnschädel hinweisen, was zum Beispiel ein Anzeichen für einen Hydrocephalus (Wasserkopf) sein kann.

Trifft eines der Anzeichen zu, hat dein Kind Fieber, erbricht oder leidet unter Durchfall oder du stellst andere Unregelmäßigkeiten fest, dann gehe bitte umgehend zum Kinderarzt. Er kann schnell beurteilen, ob ein Gesundheitsrisiko für dein Baby besteht. Grundsätzlich ist dein Kinderarzt oder deine Hebamme immer der richtige Ansprechpartner, wenn du unsicher bist.

Eingefallene Fontanelle

Da der Schädelknochen das Gehirn noch nicht gänzlich bedeckt und aufgrund des Gewichtes des Gehirns kann die Fontanelle unterschiedlich aussehen. Normalerweise ist die Fontanelle etwas eingefallen und eingedellt, wenn du das Baby auf dem Arm hast. Dann besteht kein Grund zur Sorge.

Ist die Fontanelle aber auch im Liegen eingefallen, kann es allerdings ein Anzeichen von Dehydrierung sein. Dann hat dein Baby nicht genug Flüssigkeit zu sich genommen. Wenn die Fontanelle eingedellt ist, solltest du unbedingt ein Auge darauf haben.

Gewölbte Fontanelle

Für gewöhnlich ist die Fontanelle beim Baby gewölbt, wenn das Baby liegt. Aber auch hier ist Vorsicht geboten, denn wölbt sich die Fontanelle stark nach außen, kann dies auch auf eine Entzündung hindeuten.

Pulsierende und pochende Fontanelle

Manchmal kannst du beobachten, wie die Fontanelle pulsiert oder pocht. Das liegt an den darunter liegenden Blutgefäßen und ist völlig normal und braucht dich nicht zu verunsichern. Wenn die Fontanelle pocht, kannst du im Prinzip den Puls deines Kindes spüren. Eine pulsierende Fontanelle ist also erstmal kein Grund zur Sorge.

Fontanelle gestoßen oder gedrückt

Auf keinen Fall solltest du auf die offenen Stellen drücken, da sich darunter Blutgefäße befinden und du die Struktur mit zu viel Druck verletzen könntest. Auch wenn dein Baby gestürzt ist oder sich die Fontanelle gestoßen hat, solltest du auf jeden Fall sofort zu einem Arzt gehen, um Folgeschäden auszuschließen.

Das ist bei einer Fontanelle normal:

  • Die Fontanelle ist leicht eingefallen oder flach, wenn dein Baby sitzt.
  • Die Fontanelle ist leicht gewölbt oder flach, wenn dein Baby liegt.
  • Die Fontanelle fühlt sich weich an, wenn du vorsichtig darüberstreichst.

Tipps zum Umgang mit der Fontanelle

Dass das Baby eine Delle im Kopf hat, kann Neu-Eltern extrem verunsichern, doch die Sorge ist meistens unbegründet. Natürlich ist es wichtig, mit Babys behutsam umzugehen, doch ganz so zerbrechlich, wie der kleine Kopf aussieht, ist er nicht.

Die offenen Stellen werden von einem starken Bindegewebe gestützt, sodass das Gehirn geschützt ist. Du kannst also den Kopf deines Babys vorsichtig waschen und sanft streicheln, ohne ihn zu verletzen.

Verformungen durch Liegeposition

Da die Knochenplatten in den ersten Monaten noch weich sind, ist es wichtig, sie nicht einseitig zu belasten. Viele Eltern legen aus Angst vor dem plötzlichen Kindstod ihr Baby zum Schlafen auf den Rücken. Das ist auch völlig richtig, doch das Liegen auf dem Rücken kann auf Dauer zu einer Verformung des Schädels führen. Besonders dann, wenn das Kind auch tagsüber nur in Rückenlage liegt.

Guido Fitze, Kinderchirurg am Uniklinikum in Dresden, warnt im Gespräch mit der Onlineausgabe des Tagesspiegels: „Ich sehe jede Woche drei bis vier neue Fälle in meiner Sprechstunde. Schwere Verformungen, die auch die Gesichtspartie betreffen, sind nicht nur ein kosmetisches Problem.“

Tragen eines speziellen Helms

Laut dem Augsburger Kinderchirurgen Harald Lochbichler ist eine Verformung aber noch kein Grund für eine OP.

Das Wichtigste ist, dass Eltern ihr Kind immer in verschiedenen Positionen hinlegen, damit das Kind keine favorisierte Liegeposition entwickeln kann. Hilfreich kann es auch sein. das Baby abwechselnd von unterschiedlichen Seiten anzusprechen.

Es gibt auch spezielle „Lochkissen“ für Säuglinge, die den Hinterkopf entlastet sollen. Unter Aufsicht können Kinder, die sich selbst noch nicht drehen können, auch einmal auf den Bauch und auf die Seite gelegt werden. Dann aber unbedingt dabei bleiben und beobachten! Wenn die Verformung am Kopf dadurch nicht, empfiehlt Harald Lochbichler ab dem 6. Lebensmonat das Tragen eines speziellen Helms.

Quellen

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